Gamescom 2010

Vom 18. bis 22. war es wieder soweit: Die Gamescom öffnete zum zweiten Mal in Köln ihre Pforten. Ich war natürlich auch vor Ort und habe ein paar Eindrücke einfangen.

Schon auf der Hinfahrt wird klar: Die Verantwortlichen der Messe Köln haben keine Sonderzüge für die Gamescom bereitgestellt. Genau wie letztes Jahr: Schon ab 8.30 hatten alle Regionalzüge in Richtung Köln erhebliche Verspätung aufgrund der Menschenmassen, die nicht in die Züge passten.

Vor dem Eingang Süd, der an den Bahnhof Messe Deutz grenzt, das gleiche Prozedere wie letztes Jahr: Lange Schlangen vor den Pavillons, in denen die Jugendschutz-Armbänder ausgeben wurden. Also fix außen rum zum Eingang Ost gelaufen und wie erwartet war es dort recht leer. Schnell ein Bändchen abgeholt und durch die leere Halle 10 – genau wie letztes Jahr übrigens – in Richtung Boulevard (der “Hauptstraße” zwischen den Hallen) gesprintet. War es 30 Minuten vor Eröffnung noch überschaubar, steigerte der Andrang sich bis zur Eröffnung um 10 Uhr erheblich. Neben den üblichen Scherzkeksen, die mit Rufen wie “Leckere Brezel gibt es da hinten” oder “Beta Keys für Diablo 3 werden am West-Eingang verschenkt” auf sich aufmerksam machten, wurden auch einige Bedenken laut:

Person 1: “Erinnert mich irgendwie an die Loveparade”
Person 2: “Aber Gamer sind doch nicht gewalttätig – hier gibt’s keine Panik.”

Muss man das noch weiter kommentieren? Ist die Massenpanik auf der Loveparade durch Gewalt entstanden? Wohl eher nicht. Wie dem auch sei…

Der Startschuss fiel mit einem lauten Countdown und das Gedränge ging los. Ich kam mir vor wie bei einer Mediamarkteröffnung in Polen und fühlte mich in den Moshpit auf einem großen Heavy Metal Festival zurückversetzt. Als erstes wollte ich natürlich zur Weltpremiere von Guild Wars 2, das erstmals von Außenstehenden angespielt werden konnte, in Halle 9. Den Gedanken hatten scheinbar viele.

Nach nur 5 Minuten war es bereits brechend voll und die 40 Minuten Spielzeit vergingen wie im Flug. So hatte ich die Gelegenheit, einen Menschen zu erstellen und ein wenig im Tutorial zu spielen. Aber so ganz konnte mich die Demo nicht überzeugen. Dies liegt vielleicht daran, dass ich dem originalen Guild Wars noch immer ein bisschen nachtrauere – ich hätte lieber neue Add-Ons gehabt, anstatt ein komplett neues Spiel). Man muss ArenaNet jedoch zu Gute halten, dass sie in GW2 schon vieles besser machen wollen.

Da man im Vorfeld verlauten ließ, dass sich fast alle Entwickler voll und ganz auf die Demo konzentriert hatten (mehr Synchronsprecher als üblich etc. pp.) – siehe entsprechende News auf Wartower – waren meine Erwartungen natürlich auch recht hoch. Eigentlich sind Demos ja nur ein abgetrenntes Stück aus dem Hauptspiel, aber durch die Meldungen klang es so, als hätte man ein extra Spiel entwickelt. Aber nun gut. Was ich gesehen habe, war keinesfalls schlecht: Dynamische Events, die Charaktere laufen flüssiger, individuelle Charaktergeschichten, die Einfluss auf das Hauptsiel haben, betretbare Gebäude, es gibt “endlich” eine Springen-Funktion *wuey*, die Kämpfe sehen toll aus (vor allem die Skills sind toll animiert), insbesondere der Kampf gegen den Drachen war ein Augenschmaus – aber all das konnte man auch aus den Videos entnehmen. Immerhin: Ungeduldige konnten jedenfalls endlich einmal selbst Hand anlegen und das Spiel testen, aber ich warte dann doch lieber auf das Hauptspiel oder eine eventuelle Beta, bevor ich noch mal die GW2-Demo auf einer Messe anrühre…

In Halle 9 gab es neben Guild Wars 2 noch weitere Highlights für Rollenspiel-Fans: Für viele war es die Gelegenheit, sich über Neuerscheinungen, aber auch über bereits veröffentlichte Spiele zu informieren. Ich hingegen hatte bereits einen Großteil der Spiele (u.a. Battle of Immortals, Jade Dynasty aus dem Perfect World Entertainment Portfolio, Torchlight von Runic Games, Runes Of Magic oder Mythos von Frogster, Aion von NCsoft, Mytheon, Eve, Loco und einige mehr) schon in Betas ausprobiert oder nach Release angespielt, weshalb sich meine Begeisterung auch hier in Grenzen hielt.  Zumindest die Stände zu Rift, Tera und War of Angels boten neue Informationen. Und immerhin gab es haufenweise fotogene Messe Babes ;) Soweit ich das beurteilen kann, viel mehr als letztes Jahr – eine “Verbesserung” der Messe? – Für uns Männer lautet die Antwort sicherlich “Ja”. Wenn die Mädels dann noch die obligatorischen Schlüsselanhänger, T-Shirts und sogar grüne Flipflops (ja, ihr lest richtig, Frogster hat’s getan) in die Menge werfen, ist die Stimmung am überkochen. Die Bühne von Roccat war mal wieder eine der meistbesuchten. Ich hätte mich über eine neue Grafikkarte zwar mehr gefreut, als über Flipflops in Größe 36 (ca. 10 Nummern zu klein :D ), aber man kann eben nicht alles haben *g*

Halle 6 hatte mit Blizzard (mit Diablo 3, Starcraft 2 und dem neuen WoW-Addon Catalysm gleich drei Kracher im Programm), Activison (Call of Duty: Black Ops) sowie Electronic Arts  (u.a. Vorstellung der Neuauflage von Need For Speed Hot Pursuit und Sims 3) weitere namhafte Größen im Angebot – groß waren wie immer auch die riesigen Trennwände, die viele Stände umzäunten, damit Leute von außen nichts sehen konnten. Dass dies bei Spielen ab 18 sinnvoll ist, ist durchaus nachvollziehbar, aber nicht bei Spielen mit niedrigeren Altersbeschränkungen. Hier spiegelt sich aber auch das (Selbst)Verständnis der Gesellschaft wieder: halbnackte Mädchen sind toll – Sex sells  lautet das Motto – aber Spiele sind bööööse – ganz besonders die ominösen “Killerspiele”… ;)

Weiter ging’s in Richtung Halle 7, wo mich vorwiegend die Stände von Sony und Ubisoft interessierten. Die Stände von Deep Silver, Codemasters und BigBen Interactive waren aber auch nicht zu verachten – Valve soll übrigens auch vor Ort gewesen sein, habe ich aber irgendwie nicht wahr genommen. :o

Die letzte der vier geöffneten Hallen war die Nummer 8, wo sich neben den gut besuchten Ständen von Nintendo (dominiert durch die Wii), Microsoft (hauptsächlich durch die neue Konsole Kinect vertreten), THQ, Warner Brothers haufenweise politische “Smalltalk-Stände” die Klinke in die Hand gaben. Die Unterhaltungs-Selbstkontrolle (USK) war wie auch die GMK (Gesellschaft für Medien- pädagogik + Kommunikationskultur e.V), die Spieleratgeber-NRW, die Bundeszentrale für politische Bildung sowie die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) dort vertreten – schön und gut, aber dann doch lieber Neuerscheinungen kennenlernen…

Wie schon im letzten Jahr konnte man im Outdoor-Bereich wieder entspannen oder ohne Führerschein auf einem kleinen Kurs Motorrad fahren – auch nicht das Non-Plus-Ultra, wenn ihr mich fragt. Da gefiel mir die Role Play Convention mit Showkämpfen, mittelalterlichen Ständen und Live-Musik doch um einiges besser…

Schlussendlich muss man sagen, dass die Messe sich schon lohnt, wenn man nicht alle aktuellen Entwicklungen in der Spielebranche oder in seinem Lieblingsgenre verfolgt. Wenn man aber – wie ich – stets über alle Neuerscheinungen im MMORPG-Sektor informiert ist, hat man nicht all zu viel Neues zu sehen. Dennoch gibt es insbesondere logistisch Verbesserungspotenzial. Warum wieder nur so wenig Hallen? Ja, in Zeiten der Wirtschaftskrise hat man Angst, dass am Ende Flächen leer bleiben (einige namhafte Studios wie etwa Disney, Sega und Capcom haben ja auch ihren Auftritt auf der Messe abgesagt), aber zu voll ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Viele waren wieder über die langen Schlangen vor Publikumsmagneten wie Diablo 3 (dennoch weniger Andrang als bei der Premiere letztes Jahr), Guild Wars 2 oder dem neuen Call of Duty verärgert. Ein paar PCs mehr könnten nicht schaden – so viel Geld sollten die Firmen doch für ihre Fans über haben oder?

Share

Ähnliche Artikel:

Einen Kommentar hinterlassen