Orden Ogan & Grave Digger
Orden Ogan & Grave Digger am 29.03.2011 live in der Zeche Bochum – ein Abend mit gewissen Schattenseiten…
Dabei fing eigentlich alles vielversprechend an. Der bullige Türsteher in der Zeche witzelte mit Konzertbesuchern jüngeren Semesters zum Zeitvertreib über den Preis der Tickets, da er aufgrund der Zeitverschiebung – so sein Argument – die Leute noch nicht hereinlassen dürfte. Da die Karten im Vorverkauf fünf Cent teurer gewesen waren als an der Abendkasse, hatten sich einige Jugendliche in der Warteschlange künstlich über den Aufschlag aufgeregt – “als Entschädigung” bekamen sie vom Türsteher die fünf Cent aus eigener Tasche erstattet. Sehr zur Freude aller Anwesenden – “Bettel Metal” vom feinsten eben. Dass die Karten mit rund 28 Euro dennoch nicht gerade preiswert waren, sollte man an dieser Stelle allerdings auch einmal erwähnen – immerhin würde es nur eine Vorband geben, da die beiden ursprünglichen Supportbands abgesprungen waren.
Pünktlich wurde die Zeche schließlich geöffnet und die ersten Fans strömten hinein. Ebenfalls pünktlich begannen Orden Ogan um 19.15 Uhr ihr Set. Nach dem Intro ging es wie gewohnt mit To New Shores Of Sadness los – das ist ja schon fast Pflicht. Direkt im Anschluss folgte die Begrüßung und das bekannte “Fuck You, Pussy”-Rufen der Fans – wobei man hier bereits feststellen konnte, dass viele der Anwesenden das Spielchen und damit auch Orden Ogan (noch) nicht kannten bzw. live gesehen hatten. Etwas erstaunlich, wenn man bedenkt, wie viele Konzerte Orden Ogan in der letzten Zeit alleine im Ruhrpott (letztes Jahr im Herbst waren sie ja sogar schon einmal in der Zeche Bochum gewesen) gespielt haben. Aber Orden Ogan wären nicht Orden Ogan, wenn sie die “Neulinge” nicht schnell in ihren Bann ziehen könnten.
Nach der Begrüßung ging es – wie so oft – mit dem ruhigeren Farewell weiter. Im Anschluss nutzte Sänger Seeb die Gelegenheit, um auf die zwei Ersatzmänner einzugehen. Da der Drummer von Grand Magus (eine der zwei ursprünglich eingeplanten Vorbands) aufgrund von “ernsthaften Venen-Problemen im Krankenhaus liegt”, sagten Grand Magus gleich die komplette Tour ab. Ein Ersatz konnte (oder wollte?) nicht gefunden werden. Sister Sin sagten daraufhin ebenfalls ihre Rolle als Supportband ab – zu dem “Warum?” durfte die Band keine Aussagen machen. Dass kann doch eigentlich auch wieder nur am Management liegen…
Orden Ogan – und das muss man ihnen hoch anrechnen – treten jedenfalls während der gesamten Tour mit Grave Digger gleich mit zwei Ersatzmännern auf, da Schlagzeuger Ghnu und Bassist Lars aus verschiedenen Gründen verhindert sind. Innerhalb weniger Wochen (beim Konzert in Haltern spielten Orden Ogan noch in originaler Besetzung) wurden also “mal eben” Bastian Emig (Drummer bei Van Canto und “Piano-Vergewaltiger” bei In Legend) für das Schlagzeug und Niels Löffler für den Posten als Bassisten gefunden. Sicher kein leichtes Unterfangen, aber umso lobenswerter!
Nun aber genug der Ausschweife. Es folgten die Lieder Welcome Liberty und Easton Hope, ehe man sich dann auch schon dem Publikumsliebling We Are Pirates zuwandte. Insbesondere Ersatzdrummer Bastian machte seinen Job einfach fabelhaft – er ist einfach ein begnadeter Drummer und feuerte das Publikum dazu noch von seiner Schießbude aus ordentlich an. Durch seinen eigenen – ich nenne ihn einfach mal “harten” – Spielstil verlieh er den Songs von Orden Ogan noch einmal eine eigene Note.
Da sich Orden Ogan (noch – man kann nur hoffen, dass es so bleibt) über Fotos und Videos von Fans freuen, forderten sie auch dieses Mal wieder alle Fans auf, das nächste Lied (Angels War) zu filmen und auf Youtube hochzuladen, da aus den ganzen Einsendungen schließlich ein Videoclip von und für Fans gebastelt werden wird. Der ungefähre Wortlaut von Seeb: “Wir löschen Eure Videos nicht und sperren auch die Accounts nicht. Im Gegenteil, wird freuen uns über jedes Video, egal, wie schlecht Euer Handy ist.”
Nach 45 knappen Minuten war der kurze Auftritt dann auch leider schon vorbei. Orden Ogan werden sicherlich eine Menge Fans dazugewonnen haben. Dennoch war dies einer der schwächeren Auftritte, was meiner Meinung nach aber hauptsächlich am Großteil des Publikums lag, das die Band nicht kannte und auch sonst nicht gerade viel Begeisterung zeigte. Dies sollte sich nach der Umbaupause schlagartig ändern.
Da auf der Treppe, der Hauptsitzgelegenheit im Konzertsaal, kein Platz mehr frei war, ging es zum Abkühlen nach draußen. Eine halbe Stunde später, also gegen 20.30 Uhr, begannen Grave Digger ihren Auftritt und die Halle war nun sehr gut gefüllt. Bei Orden Ogan hatten viele Besucher noch draußen die Frühlingsluft bei Bier und Wurst genossen.
Zunächst einmal muss man den Bühnenaufbau von Grave Digger loben: Flaggen, eine große Leinwand mit dem Sensenmann und ein Keyboard in luftiger Höhe. Hörenswert war auch der Fangesang. Bei Hammer Of The Scots z.B. bebte die Halle regelrecht unter dem Gesang des Publikums, das wie ausgetauscht wirkte, fast mehr als durch die Instrumente.
Grave Digger spielten übrigens zwei Sets. Im ersten Teil widmeten sie sich ausschließlich der schottischen Geschichte (hauptsächlich mit Liedern aus dem aktuellen Album The Clans Will Rise Again), während im zweiten Teil vor allem Songs aus älteren Alben gespielt werden würden. Zu den Liedern aus dem ersten Teil gehörte etwa Ballad Of Mary (Queen Of Scots). Laut eigener Aussage habe man auch Metal Queen Doro (die bei diesem Song oftmals die weibliche Stimme übernimmt) eingeladen, aber sie hatte nicht zugesagt.
Und noch ein bisschen Kritik muss ich äußern: Während die Instrumente sehr gut abgemischt waren, ging das Keyboard, gespielt vom Tod persönlich (Keyboarder Hans-Peter Katzenburg tritt seit jeher nur im Sensenmannoutfit auf), fast gänzlich unter. Lediglich bei ruhigeren Passagen hörte man es leise. Dass die vielen Dudelsackpassagen leider nur vom Band kamen, ist natürlich auch etwas unschön. Wenn man schon auf dieses tolle Musikinstrument zurückgreift, sollte man auch jemanden an Bord haben, der es – zumindest bei Liveauftritten – spielen kann. Ein Song wie etwa Highland Farewell ohne richtigen Dudelsack will mir einfach nicht zusagen… Das fulminante Rebellion (The Clans Are Marching), bei dem sich das Publikum noch einmal hervorheben konnte, komplettierte das erste Set.
Nach einer kurzen Verschnauf- und Umkleidepause, schwebte ein Galgen über der Bühne – natürlich wusste jeder sofort, welches Lied nun gespielt werden würde: Ballad of a Hangman. Beim anschließenden Morgane Le Fay kam das Keyboard bei düsterem Orgel-Sound erstmals richtig zur Geltung. Twilight Of The Gods, das geniale Excalibur und das treibende Knight Of The Cross waren meine persönlichen Hightlights des zweiten Sets. Hell Of Disillusion und der Klassiker Heavy Metal Breakdown als Zugaben rundeten den Auftritt ab.
Dass Grave Digger in Bochum nur eineinhalb, in Speyer zum Vergleich jedoch fast zwei Stunden spielten, wo zudem neben der lokalen Supportband Palace auch noch Downspirit und Orden Ogan als Ersatz für Sister Sin und Grand Magus auftraten, hinterließ einen bitteren Beigeschmack. Warum wurde in Bochum nicht zumindest eine weitere Band gefunden? Das Ruhrgebiet hat doch eine Fülle an lokalen (Power) Metal Bands zu bieten… Für 28 Euro bot der heutige Abend in Bochum jedenfalls etwas zu wenig. Und wann ist ein Konzert dieser Größenordnung denn bitte schon um 22 Uhr zu Ende?


