Holmsland Klit (Dänemark)

Im Sommer 2016 habe ich eine kleine aber feine Fototour an die Westküste Dänemarks bzw. auf den Holmsland Klit unternommen. Ein paar Eindrücke von dieser Reise möchte ich in diesem Beitrag mit Euch teilen, auch wenn die Tour schon eine ganze Weile (ziemlich genau ein Jahr um es präzise zu formulieren) zurückliegt – aber es wäre doch schade, die fotografische Ausbeute nur auf der Festplatte vergammeln zu lassen ohne sie der Öffentlichkeit zu präsentieren oder?

Wie üblich ging es in aller Früh im Ruhrgebiet los, um möglichst wenig in den Berufs- und Ferienverkehr am Tage zu geraten. Die rund 700 Kilometer lange Fahrt über die A1 in Richtung Hamburg, weiter über die A7 an Flensburg entlang, von dort aus über die Grenze nach Dänemark und weiter über die E45 in Richtung Westjüdland dauerte bei gemütlicher Fahrt und kurzen Pausen etwas mehr als acht Stunden.

An dieser Stelle ein kleiner Tipp an all diejenigen, die in Dänemark mit dem eigenen Auto oder einem deutschen Leihwagen unterwegs sind: Es empfiehlt sich, eine spezielle aufklebbare Parkscheibe von Innen an die Windschutzscheibe anzubringen (erhältlich z.B. im Internet oder an vielen dänischen Tankstellen), da die herkömmlichen blauen Parkscheiben aus Deutschland in Dänemark nicht akzeptiert werden. Dänische Autos – also auch Leihwagen aus Dänemark – haben eine Parkscheibe hingegen meist fest eingebaut.

Unser Ferienort, auch die nächstgrößere Stadt Hvide Sande, sowie die weiteren besuchten Orte gehören übrigens zur Ringkøbing-Skjern Kommune in der Region Midtjylland (Mitteljütland). Einige Ausflüge in den kommenden Tagen führten uns auch ins südliche Jütland Dänemarks. Geographisch (und natürlich auch fotografisch) sehr interessant ist der Holmsland Klit, eine rund 30km lange und an der schmalsten Stelle teilweise nur einige hundert Meter schmale Nehrung (also eine Art Landzunge), die die offene Nordsee vom Küstensee Ringkøbing Fjord trennt, auf der wir den Großteil der Tour verbrachten.

Übernachtet haben wir während der Tour im geräumigen Ferienhaus im Julianevej 148 auf dem soeben erwähnten Holmsland Klit in der kleinen Ortschaft Bjerregård. Hier einige Impressionen des geräumigen Ferienhauses, das für bis zu sechs Personen ausgelegt ist:

Obwohl die vielen Ferienhäuser in Bjerregård relativ dicht nebeneinander standen, war die Lage sehr ruhig. Dies lag daran, dass viele Häuser quasi in die Dünen gebaut sind, so dass Geräusche der Nachbargrundstücke weitgehend absorbiert werden. Unser Haus lag obendrein noch am Ende einer Sackgassenstraße und die Terasse war ebenfalls durch eine Düne vor Geräuschen und Wind geschützt, so dass wir Ruhe und Entspannung pur geboten bekamen.

Zum Strand waren es nur wenige hundert Meter, allerdings musste, um das kühle Nass zu erreichen, zunächst eine recht hohe Düne überwunden werden – somit ist der Ort nicht unbedingt etwas für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind. Hier eignen sich die nur wenige Kilometer nördlich gelegenen Orte Hvide Sande und Søndervig eher, da die Zugänge zum Strand dort barrierefrei sind und es obendrein fußläufig erreichbare Einkaufsmöglichkeiten gibt. In unserem Feriendorf gab es in unmittelbarer Nähe nur einen ganz kleinen Supermarkt für das Gröbste, so dass für größere Einkäufe Auto oder Fahrrad nötig waren.

Beim ersten Besuch des Strandes am Nachmittag stach sofort eine umgekippte Hochseeplattform ins Auge, die vor der Küste im Meer lag. Nach kurzer Recherche im Internet stellte sich heraus, dass es sich nicht wie zunächst erwartet um eine Ölbohrinsel, sondern um eine Arbeitsplattform für Windräder namens Sea Worker  handelte, die am 27.01.2016 im Sturm gekentert und rund zwei Meilen vor der Ortschaft Nymindegab auf Grund gelaufen war.

In der Folgezeit wurde der zum Betrieb benötigte Dieselkraftstoff bereits abgepumpt, sodass für Mensch und Umwelt zumindest keine unmittelbare Gefahr mehr ausging und eine Ölverschmutzung des Meeres verhindert werden konnte. Trotzdem führte der Anblick der aus dem Meer ragenden Plattform zu allerlei Gedanken über die Tücken der Technik, den Umgang der Menschen mit bzw. die Unbeherrschbarkeit der Natur. Ob die Arbeitsplattform mittlerweile geborgen ist oder immer noch vor der Küste liegt, konnte ich nicht herausfinden. Falls hier jemand genaueres weiß, bitte melden. 🙂

Am nächsten Tag unternahmen wir bei herrlichem Sommerwetter einen Ausflug zur Hafenstadt Esbjerg. Das erste Ziel auf der fotografischen Agenda war das Kunstwerk Der Mensch am Meer – eine neun Meter hohe Skulpturengruppe aus weißem Beton, hergestellt vom Bildhauer, Maler und Grafiker Svend Wiig Hansen. Die weißen Riesen, die Reisende auf See begrüßen sollen, wurden 1995 etwas außerhalb der Innenstadt Esbjergs aufgestellt und gelten heute als Wahrzeichen der fünfgrößten Stadt Dänemarks. Bei gutem Wetter sind sie noch aus rund zehn Kilometern Entfernung erkennbar.

Der beschauliche Stadtkern von Esbjerg wurde im Anschluss natürlich ebenfalls erkundet. Hier lohnte sich vor allem ein Besuch des alten Wasserturms aus dem Jahr 1897. Als architektonisches Vorbild diente das Nassauer Haus in Nürnberg. Im Wasserturm sind heute ein Museum über Wassertürme sowie wechselnde Ausstellungen untergebracht. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das Kunstmuseum Esbjergs, das ebenfalls einen Besuch wert ist. Auch das Bahnhofsgebäude von Esbjerg, ein roter Backsteinbau, der entfernt an eine kleine Burganlage erinnert, schauten wir uns an. Zur Stärkung wurden leckere Sandwiches beim Café Guldægget direkt am Marktplatz von Esbjerg verspeist.

Auf der Rückfahrt zu unserem Ferienort wurde auf dem Holmsland Klit in der Nähe von Hvide Sande beim Leuchtturm Lyngvig Fyr Halt gemacht, der im Jahr 1906 erbaut wurde, nachdem einige Jahre zuvor das Dampfschiff Avona auf Grund gelaufen war und 24 Seeleute ums Leben kamen. Es versteht sich natürlich von selbst, dass der 38 Meter hohe Turm, der auf einer 17 Meter hohen Düne errichtet wurde, erklommen werden musste – nicht primär um die Aussicht über Meer und Dünen zu genießen, sondern vor allem um die schneckenhausförmige himmelblaue Wendeltreppe im Inneren des Bauwerks zu knippsen. Um die Spitze des Turms zu erreichen, galt es 228 Treppenstufen hinter sich zu lassen – 79 davon gehören zu einer schmalen Holztreppe, die von den Nebengebäuden auf die Düne hochführt.

Auch ein Pfützenbild vom Leuchtturm (Pfützenbilder, dass brauche ich eigentlich nicht extra zu erwähnen, sind heutzutage ein Faible vieler Fotografen) wurde durch Zufall eingesackt – wenngleich ich lieber nicht wissen will, wo das Wasser herkam, in Anbetracht der Tatsache, dass es nicht geregnet hatte und die Temperaturen bei über 30° lagen. 😀 Sehr süß fand ich übrigens diese beiden Hunde, die ich in der Nähe des Leuchtturms fotografierte, als sie sich bei der sommerlichen Hitze augenscheinlich etwas Abkühlung durch den Betonboden versprachen.

Das Wetter am nächsten Tag zeigte sich nicht gerade von seiner besten Zeit: Schwülnasse graue Nieselregen-Suppe, wohin das Auge blickte. Aber wenn man schon so viele Kilometer zurückgelegt hat, um in Dänemark zu fotografieren, dann muss man auch aus schlechtem Wetter das beste machen. Und so wurde kurzerhand ein längerer Ausflug zum Küsten- und Badeort Søndervig unternommen.

Der Strand von Søndervig ist bei Einheimischen sowie Urlaubern gleichermaßen beliebt. Für viele Touristen stellen die markant aus dem Boden ragenden ehemaligen Bunkeranlagen auf dem gesamten Strandabschnitt jedoch einen ungewohnten Anblick dar, stehen sie doch in starkem Kontrast zu der weitgehend friedlichen Gegenwart in Europa. Obwohl Dänemark sich gegenüber Deutschland im Ersten und Zweiten Weltkrieg neutral verhalten hatte, wurde es 1940 von den Nationalsozialisten nahezu kampflos besetzt. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs verblieb es unter deutscher Kontrolle. Während des Zweiten Weltkriegs errichteten die Nationalsozialisten im Rahmen Atlantikwalls die Heeresküstenbatterie Søndervig mit über 50 Bunkern, von denen viele heute noch als stumme Zeugen sichtbar sind. Der Antlantikwall war als Küstverteidigungsanlage entlang der Nordseeküste Jütlands konzipiert und bestand aus rund 8.000 verschiedenen Konstruktionen aus Beton, darunter ca. 2.000 Bunker.

Das schlechte Wetter mit dem grauen Himmel passte rückblickend betrachtet zu dem doch eher nachdenklichen und trostlosen Spaziergang, bei dem wir an den vielen Bunkerresten vorbeikamen. Insbesondere als Deutscher kommt man natürlich immer wieder ins Grübeln, wenn man – ob nun bei der Besichtigung eines Konzentrationslagers oder einer Bunkeranlage wie in Søndervig – an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte erinnert wird. Auch wenn Nachkriegsgenerationen in keinster Weise an den Gräueltaten beteiligt waren, so haben wir heute doch zumindest die Pflicht, dafür zu sorgen, dass sich solche Ereignisse niemals wiederholen.

Während der nächsten Tage zeigte sich das Wetter dann wieder von seiner Sonnenseite. Und so wurde die Hafenstadt Hvide Sand mit ihrer beliebten Fischauktionshalle und der gemütlichen Hafengastronomie genauso ausgiebig erkundet wie der zur Stadt gehörende Strandabschnitt. Überreste aus der Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg sind auch in Hvide Sande sichtbar. Auf dem Troldbjerg, unmittelbar am Durchgangskanal vom kleinen Nordseehafen zum Binnnensee gelegen, thront etwa ein begehbarer Beobachtungs- und Mannschaftsbunker. Dunkelheit, Feuchtigkeit und Enge in dem Bunker sind allerdings nichts für Klaustrophobiker. Vom Troldbjerg aus hat man jedoch auch ohne Bunkerbegehung einen schönen Rundumblick. Selbstverständlich musste auch noch das ein oder andere Pfützenüberbleibsel des Vortages als Fotomotiv herhalten…

Während ausgedehnter Spaziergänge in und um unseren Ferienort Bjerregård herum wurden natürlich viele weitere Fotos auf dem gesamten Holmsland Klit – etwa von Booten und kleinen Fischereihäuschen am Ringkøbing Fjord, dem Meer und den endlosen Dünen sowie idyllischen Ferienhäusern – angefertigt. Hier abschließend eine kleine Auswahl, die u.a. auch die Seemannskirche in Havrig zeigt:

Die Tage in Dänemark gingen – wie könnte es auch anders sein – viel zu schnell um, und natürlich konnten während einer so kurzen Tour nicht alle Sehenswürdigkeiten der Region abgeklappert und nicht jedes geplante Fotomotiv umgesetzt werden, aber es ist sicherlich nicht verkehrt, wenn man sich die ein oder andere Idee für die Zukunft aufbewahrt. 🙂

Weitere Ausflugsziele in der Umgebung, die sich lohnen: Die Hafenstadt Ringkobing, Ribe, die älteste Stadt Dänemarks sowie Blåvandshuk Fyr, der westlichste Leuchtturm Dänemarks. Etwas weiter östlich, an der Flensburger Förde gelegen, kann ich auch einen Besuch der Stadt Sønderborg empfehlen.

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