Leipziger Allerlei

Im letzten Beitrag über unsere kleine Städtetour durch Ostdeutschland geht es um die vielen verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Stadt Leipzig. Da Leipzig allerlei zu bieten hat, hielt ich die Überschrift „Leipziger Allerlei“ für sehr passend. Während der Tour haben wir übrigens in einer kleinen Ferienwohnung im Stadtteil Connewitz übernachtet und uns natürlich so viel wie möglich von dieser geschichtsträchtigen Stadt angeschaut.

Zuvorderst stand – wie bei vielen Touristen – ein ausgedehnter Spaziergang durch die Leipziger Innenstadt auf dem Plan. Hier gibt es für Shopping-Liebhaber dank der vielen Einkaufsmöglichkeiten und teilweise sehr schönen Passagen (hervorzuheben sind hier u.a. die berühmte Mädler-Passage sowie der Speck’s Hof – die älteste noch erhaltene Ladenpassage der Stadt) gleichermaßen viel zu entdecken wie für Fotografen. Hier ein Foto von der soeben erwähnten Mädler-Passage:

Als Fotomotive eignen sich vor allem die vielen aufwändig restaurierten Gebäude in der gesamten Altstadt. Besonders beliebte Motive sind das imposante Alte Ratshaus, die Nikolaikirche – die größte Kirche Leipzigs – und die Thomaskirche sowie der opulente Hauptbahnhof. Aber auch modernere Bauwerke wie z.B. der Panorama Tower, auf den man – wie der Name vermuten lässt – für eine tolle Aussicht auf Leipzig auch herauf fahren kann, finden sich in der Innenstadt.

Etwas außerhalb der Altstadt fand ich aus fotografischer Sicht vor allem das riesige Völkerschlachtdenkmal, das in der Nacht sehr anmutig beleuchtet wird, mit dem angrenzenden Südfriedhof und der großen Kapellenanlage sehr interessant. Das Völkerschlachtdenkmal, das mit seiner Höhe von 91 Metern zu den größten Denkmälern Europas zählt, wurde 1913 in Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813 eingeweiht. In der Schlacht, die bis zum Ersten Weltkrieg als die größte der Geschichte galt, starben über 100.000 deutsche, österreichische, preußische, russische, schwedische und französische Soldaten vor den Toren Leipzigs.

Aber auch von der Russischen Gedächtniskirche – genauer: der Gedächtniskirche des heiligen Metropoliten Alexi von Moskau – entstanden einige zeigenswerte Aufnahmen. Die Kirche dient dem Gedenken an die 22.000 russischen Soldaten, die während der Völkerschlacht 1813 in und um Leipzig gefallen sind.

Zur Erholung kann – leider fällt mir keine passende Überleitung ein – ich im Übrigen einen Badeausflug zum etwas außerhalb gelegenen Kulkwitzer See empfehlen, bei dem auch der Schnappschuss eines Heißluftballons – das dritte Bild in der obigen Galerie – entstand. Will man es tagsüber oder abends lieber etwas ruhiger angehen lassen, dann kommt man eigentlich nicht um einen Besuch des sog. „Karli-Viertels“ herum. Das Szeneviertel rund um die Karl-Liebknecht-Straße ist im Grunde eine einzige große Flaniermeile mit unzähligen Cafés, Bars und Restaurants.

Neben der schönen Seite, die ich euch gerade anhand von einigen wenigen ausgewählten Fotos näher gebracht habe, gehört in meinen Augen aber auch der zum Teil recht starke Verfall, der sich an vielen Stellen beobachten lässt, ebenso zu Leipzig wie die herausgeputzte Vorzeige-Altstadt. Besonders auffällig ist das leerstehende ehemalige Luxushotel Astoria in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof, aber auch viele Wohnhäuser und ausgediente Fabrik- sowie Lagerhallen finden sich zu Hauf in Leipzig. Nicht umsonst ist Leipzig ein begehrter Ort für Lost-Places-Fotografen, wie z.B. diese sehenswerte Dokumentation zeigt.

Ein Geheimtipp, nicht für Lost-Places-Fotografen sondern für Liebhaber antiker Sammlerstücke, ist das „Zeughaus“. Und Zeug sollte hier wörtlich verstanden werden, denn im Zeughaus Leipzig in der Engertstr. 14 im Stadtteil Plagwitz findet man – im positiven Sinne! – wirklich Unmengen an Zeug. Von gängigen Antiquitäten wie alten Stühlen, Tischen, Spiegeln oder Lampen, über Kinderwägen, Spielzeug oder Kunstgegenstände, bis hin zu Bahnhofsuhren, Schreibmaschinen und Schlittschuhen oder gar einem gynäkologischen Stuhl findet der geneigte Sammler hier auf drei Etagen und dem Kellergeschoss (fast) alles, was das Herz begehrt.

Auf der Rückfahrt in die Heimat bot sich für uns noch ein kurzer Halt in Wachau an. Die dortige Kirchenruine sieht zwar leer und verlassen aus, ist aber dennoch kein Lost Place im eigentlichen Sinne. Seit der Erbauung im Jahr 1865 und der Einweihung zwei Jahre darauf, meinte es das Schiskal nicht besonders gut mit der Kirche. Bereits im Einweihungsjahr stürzten die obersten vier Spitztürmchen des ehemals 65 Meter hohen Turmes ein. Im zweiten Weltkrieg wurde der Turm dann durch Bombardierungen schwer beschädigt, bevor im Jahr 1974 zu allem Übel auch noch ein Blitz in den Turm einschlug. Aufgrund von Einsturzgefahr wurde der Turm daraufhin teilweise abgerissen und die Trümmer lapidar auf das Kirchendach geschüttet, das schließlich unter der Last zusammenbrach. Seit die Ruine 1989 unter Denkmalschutz gestellt wurde, engagieren sich Gemeine und Freiwillige für den Erhalt der denkmalgeschützten Ruine, in der gelegentlich auch noch Lesungen oder Konzerte stattfinden. Die Kosten für den notwendigen Erhalt der Ruine werden durch die Gemeinde und mit Hilfe von Spenden getragen – ein Wiederaufbau ist angesichts der finanziellen Lage wohl in absehbarer Zeit nicht durchführbar.

Auf der Rückfahrt nach NRW haben wir noch in Kassel Halt gemacht und uns die dortige Löwenburg sowie das Schloss Wilhelmshöhe angeschaut – Bilder hiervon folgen zu gegebener Zeit.

Wie ihr sicherlich gemerkt habt, habe ich den Fokus bei den Reiseberichten über die jüngste Städtetour eher auf meine Fotografien gelegt und nur verhältnismäßig wenig Text beigefügt. Ich denke, dass dies auf einer Seite, die in erster Linie der Präsentation von Fotos dient, so gut ist. Was meint ihr? Haben euch meine kleinen Rückblicke auf die Tour gefallen? War das Verhältnis Text zu Fotos so angemessen? Und was mich besonders interessiert: Konnten meine kleinen Rückblicke euch vielleicht sogar bei eurer Reiseplanung helfen?

Den Bericht zur vorherigen Tour nach Dresden, den drei Elbschlösser sowie Schloss Pillnitz findet ihr hier.

In der Übersichtsseite findet ihr weitere Infos zur Städtetour und Links zu allen Berichten.

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