Rock Hard Festival 2011

Die nunmehr 12. Auflage des Rock Hard Festivals lockte auch an diesem Pfingstwochenende vom 10. bis 12. Juni 2011 wieder an die 7000 Metalfans in das Amphitheater in Gelsenkirchen. Mein Bericht beschränkt sich allerdings lediglich auf den Samstag, da ich mich hauptsächlich für Bands wie Epica, Amorphis und Iced Earth interessierte. Die Bands am Freitag und Sonntag entsprachen weniger meinem Geschmack, weshalb ich nur am Samstag auf dem Festival anzutreffen war.

Und damit hatte ich mir auch gleich den Tag mit dem schlechtesten Wetter ausgesucht. Schon bei den ersten Bands des Tages – Dreamshade, In Solitude und Disbelief – tröpfelte es vereinzelt. Doch die niederländische Symphonic Metal Formation Epica konnte schließlich wieder die Sonne hervor zaubern. Ironischerweise passierte das ausgerechnet beim Song Cry For The Moon.

Dass die Hormone bei einem Teil der männlichen Fans verrückt spielten, zeigte sich daran, dass etliche Spaßvögel vor dem Track Unleashed Sängerin Simone Simons dazu aufforderten, sich auszuziehen – man kann es ihnen jedoch nicht verübeln, schließlich besticht sie nicht nur durch ihre Stimme sowie ihr Aussehen, sondern war sie obendrauf auch noch die einzige Sängerin aller 22 Bands des diesjährigen Rock Hard Festivals. Kein Wunder also, dass die Männerherzen überschäumten. Sie antworte jedoch mit einem Grinsen im Gesicht: “Nein Danke.” Berufserfahrung eben.

Musikalisch konnten mich Epica mal wieder voll überzeugen. Leider fielen Epica mit ihrer Musik etwas aus dem Rahmen, so dass sich ein nicht unerheblicher Teil der Besucher zu den Fress- oder Merchandiseständen verkrümelte.

Für Bullet, die als nächstes an der Reihe waren, war es ein leichtes, die Massen wieder vor der Bühne zu versammeln, schließlich standen die Jungs aus Schweden schon das dritte Mal im Amphitheater. So wurde es wieder merklich voller vor der Bühne und auf den Rängen als noch bei Epica und Sänger Hell Hofer – “The big man with the big voice” wie ihn seine Bandkollegen vorstellten – war fasziniert, von dem ausgelassenen Publikum und bedankte sich alle Nase lang in beinahe typisch amerikanischer Manier: “You are so awesome – thank you very much!”

Mit Morgoth fand anschließend ein Stilwechsel auf der Bühne statt. Statt Partymusik mit AC/DC-Flair dröhnte nun harter Death-Metal aus den Boxen. Manch jüngerer Konzertbesucher – einschließlich mir – hatte die Band noch nie gehört. Dies kommt aber auch nicht von ungefähr, schließlich hatten Morgoth ihren Höhepunkt in den Achtzigern und lösten sich schließlich 1998 auf. Nach 13 Jahren rotteten sich die Jungs aus Meschede im Sauerland nun noch einmal zusammen, um auf einigen Sommerfestivals wie dem Rock Hard Festival oder auf Wacken zu spielen. Vor allem ältere Besucher konnten mit dem Namen und Band noch etwas anfangen und feierten die Band ebenfalls sehr gut ab.

Leider setzte gegen Ende des Auftritts von Morgoth ein herber Wolkenbruch ein, der die Stimmung – zumindest bei einem Teil der Besucher – trübte. Wer konnte, suchte sich einen regensicheren Platz wie z.B. unter Sonnenschirmen oder unter dem kleinen überdachten Bereich vor der Bühne, wo es jetzt besonders kuschelig wurde. Der Rest war froh, ein Regencape dabeizuhaben oder kaufen zu können. Die ganz Tapferen verzichteten sogar darauf und rockten weiter bis die Klamotten völlig durchnässt waren und man auf dem Gelände fast bis zum nächsten Bierstand schwimmen konnte. Wieder andere verzichteten gleich auf Kleidung und trotzten dem Regen nur in Badebuchsen. Vor der Karaoke-Stage steppte während der nächsten Umbaupause buchstäblich der Bär, auch wenn man schon längst bis zum Knöchel im Wasser steckte.

So verpassten viele den Auftakt von Amorphis, die ihren Auftritt im strömenden Regen begannen – die Ränge waren bis auf wenige Ausnahmen komplett leer gefegt. Amorphis legten dennoch eine super Show hin und waren meine persönliche Überraschung des Tages. Schon der Opener Battle For Light konnte restlos überzeugen. Der Titel stellte auch gleich die Mission von Amorphis dar: Denn langsam aber sicher wurden die Wolken weniger und bei Sky Is Mine – wie passend – konnte die Sonne endlich die Wolken durchbrechen.

Schmerzlich wurde ich daran erinnert, dass ich den Auftritt in der Zeche im letzten Jahr leider verpasst hatte – diesen Herbst machen die Jungs aus Finnland aber glücklicherweise noch einmal in der Zeche Halt! Knapp anderthalb Stunden lang boten Amorphis abwechslungsreiche Musik – bei mittlerweile zehn vorhandenen Alben können sie aber auch auf ein breites Repertoire an Songs zurückgreifen. Abwechslungsreich war auch das ungewöhnliche Mikro von Sänger Tomi Koivusaari. Zum trocknen wurden die Crowd Surfer beinahe im Sekundentakt zu den – ausnahmsweise mal gut gelaunten – Securities im Graben befördert, die jeden Surfer regelrecht mit Freude aus der Menge fischten.

Die Amerikaner Iced Earth legten pünktlich um 21.30 mit Burning Times los und lieferten einen astreinen aber denkwürdigen Auftritt ab, denn es sollte der letzte mit Sänger Matthew Barlow sein. Eigentlich wollte er erst nach den Sommerfestivals abdanken, doch nun will er sich wohl doch eher als geplant mehr seiner Familie widmen. Dies muss man zwar respektieren, dennoch verlieren Iced Earth damit (mal wieder) den von einem Großteil der Fans besonders geliebten Sängern. Was mit der Welttournee im Winter 2011 bis zum Frühjahr 2012 passiert, steht noch in den Sternen…

Das Amphitheater bebte von Anfang an und war wieder sehr gut gefüllt, wenn auch nicht restlos ausverkauft. Erstaunlicherweise hatte der Ansager vor dem letzten Auftritt des Tages gemeldet, dass ein neuer Besucherrekord aufgestellt wurde. Kein Wunder, dass Iced Earth bei Matthews letztem Auftritt daher vor voller Hütte auch buchstäblich noch einmal alles gaben.

Ein Klassiker jagte den nächsten. Besonders hervor stachen zunächst der geniale Kracher Violate und das ruhigere Watching Over Me, bei dem die Gefühle überkochten. Jung und Alt feierten Iced Earth stimmgewaltig ab, auch wenn sich erneut die Wolken öffneten und das Wasser nur so auf das Publikum niederprasselte. Zu Hunter, dem nächsten epischen Song, hätte der Regen thematisch zwar besser gepasst (“The hunter the thunder, The wrath of heavens comin’ down”), dennoch konnte der Regen den Fans nichts mehr anhaben. Alle waren von Iced Earth in den Bann gezogen. I Died For You und Jack waren zwei weitere sehr starke Titel.

Mit Melancholy (Holy Martyr), Prophecy, Birth Of The Wicked und dem langsam beginnenden und dann rasant an Fahrt gewinnenden The Coming Curse näherte sich der fabelhafte Auftritt von Iced Earth auch schon langsam aber sicher dem Ende entgegen. Mit den letzten Stück Colored und Iced Earth, die die vorherigen Klassiker allerdings nicht mehr toppen konnten, fand der Samstag gegen 23 Uhr seinen Abschluss. Im Grunde waren zwar alle Songs erstklassig, die wirklichen Hightlights befinden sich aber nun mal alle auf den beiden Alben The Dark Saga und Something Wicked This Way Comes und kamen deshalb auch am besten an. Trotz Regen ein unvergesslicher Tag! Tolle Stimmung trotz des Wetters, super Organisation – hier stimmte einfach alles. Bis hoffentlich zum nächsten Jahr!

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