Zwei Cullmann Reisestative im Vergleich

Nachdem ich im Jahr 2009 mit der Spiegelreflexofotgrafie begonnen hatte, kaufte ich mir 2010 folgende Stativ-Kugelkopf-Kombination von Cullmann: Als Dreibeinstativ das Cullmann Magnesit 528 und als Kugelkopf den Cullmann Magnesit MB6.3.

Für den damaligen Gesamtpreis von 215€ (84€ für das Stativ und 131€ für den Kugelkopf) bekam ich eine äußerst stabile und wertige Stativkombination. Alle Produkte der Magnesit-Reihe sind übrigens leider nicht mehr als Neuware erhältlich. Warum das sehr schade ist, erkläre ich im Fazit weiter unten.

Wie bei vielen Fotografenkollegen blieb das Stativ aufgrund des Gewichts (insgesamt ca. 2,5 kg) und des hohen Packmaßes (immerhin stolze 74 cm inkl. Kugelkopf) nach der anfänglichen Freude dann jedoch immer öfter zu Hause – insbesondere, weil ich es nicht gescheit an meinem liebgewonnenen Mantona Rhodolit SLR-Kamerarucksack Fotorucksack befestigen kann.

Theoretisch wäre es zwar möglich, das große Stativ am Rucksack zu befestigen, jedoch schwingt das Stativ dann enorm hin und her wie ein außer Kontrolle geratener LKW samt Anhänger. In der Praxis also schlicht und ergreifend nicht machbar. Daher begann die Suche nach einer leichten, kompakten und halbwegs erschwinglichen Alternative zu meinem sperrigen Schwergewicht. Kurzum: Ein Reisestativ musste her.

Hierbei ist es natürlich von vornherein klar, dass bei einem Reisetativ, das sowohl günstig als auch kompakt sein soll, unweigerlich Abstriche bei der Stabilität gemacht werden müssen, sofern man nicht das Bugdet für extrem hochwertige und damit kostspielige Modelle wie z.B. von Gitzo und Feisol zur Verfügung hat. Dennoch sollte ein Stativ natürlich nicht nur wackeln wie eine Fahne im Wind, denn dann verfehlt es schließlich seinen Nutzen und man könnte auch gleich freihand fotografieren.

Reisestative sind (nicht zuletzt aufgrund des aktuellen Trends weg von großen Spiegelreflexkameras hin zu immer professionelleren spiegellosen Kameras) aktuell in aller Munde und so gut wie jeder Hersteller  – etwa Berlebach, Benro, Bilora, Cullmann, Feisol, Gitzo, Manfrotto, Rollei, Sirui, Slik, Velbon und wie sie alle heißen – hat mindestens ein oder mehrere Reise-Stative in sein Angebot aufgenommen. Warum habe ich also gerade zwei Cullmann-Stative getestet? Nun, irgendwo muss man ja schließlich anfangen. Außerdem wollte ich den direkten Vergleich zwischen einem herkömmlichen Cullmann-Stativ, mit dem ich bis dato gute Erfahrungen gemacht hatte, und einem kompakteren Reise-Stativ derselben Firma ziehen. Es existieren natürlich eine ganze Reihe Alternativen, auf die ich weiter unten im Fazit noch näher eingehen werde.

Die Wahl fiel nach einiger Überlegung auf das Cullmann Concept One 622T (das T steht hier – wenig überraschend – für Travel) sowie das Cullmann Nanomax 450 RW20 – beide Stative in der Aluminium Version. Das Concept One gibt es unter der Bezeichnung Cullmann Concept One 622TC auch in einer geringfügig leichteren Variante aus Carbon.

Die Nanomax-Serie richtet sich laut Herstellerhomepage an Einsteiger und Auf- bzw. Umsteiger der Fotografie. Dies spiegelt sich auch beim Preis wider, der mit 74€ für ein Stativ inkl. Drei-Wege-Kopf sehr, sehr niedrig ausfällt. Das Cullmann Concept One 622T, das mit einem Kugelkopf versehen ist, kostet hingegen mit rund 140€ etwa das Doppelte (Preise: Amazon, 25.02.2015). Ich war gespannt, ob bzw. wie sich der deutliche Preisunterschied auch bei der Verarbeitungsqualität und der Stabilität bemerkbar machen würde.

Lieferumfang

Zum Lieferumfang der beiden Reise-Stative gehört folgendes:

Cullmann Concept One 622TCullmann Nanomax 450 RW20
Stativ, Kugelkopf, Schnellwechselplatte, kleines Säckchen für kurze Mittelsäule und WerkzeugStativ, Drei-Wege-Neiger, Schnellwechselplatte, Stofftasche, kleines Säckchen für kurze Mittelsäule und Werkzeug

Der Lieferumfang ist demnach bei beiden Stativen ähnlich, die dünne Stofftasche beim Nanomax ist eine nette Dreingabe, ihr fehlt jedoch ein Trageriemen zum Umhängen.

Produktmerkmale

Stellen wir zunächst einmal die reinen Daten der von mir getesteten Stative tabellarisch gegenüber:

 Cullmann Magnesit 528 MB 6.3Cullmann Concept One 622TCullmann Nanomax 450 RW20
Neupreis ca.84 € (Stativ)
131 € (Kugelkopf)
138 €74 €
MaterialAluminium + MagnesiumAluminiumAluminium
Farbeschwarzschwarzdunkles olivgrün
Stativhöhe max.168 cm136 cm145 cm
Stativhöhe min.17,5 cm23 cm17 cm
Stativhöhe eingef. Mittelsäule138 cm118 cm116,5 cm
Stativpackmaß63 cm34 cm50 cm
Gewicht2 kg1420 g1215 g
Tragfähigkeit7 kg5 kg4 kg
Beinsegmente / Auszüge3 / 25 / 44 / 3
Rohrdurchmesser28/25/21 mm22/19/16/13/10 mm22/18/15/12 mm

Nähere Informationen zu den Produktdaten findet ihr auch auf der Herstellerwebseite von Cullmann.

Ausführlicher Vergleich

Mein „Referenzmodell“, das klobige, dafür sehr stabile Cullmann Magnesit 528 MB 6.3 fällt erwartungsgemäß erheblich größer und schwerer aus als die beiden Reisestative. Um das Magnesit-Stativ soll es im Folgenden aber auch gar nicht gehen. Ich habe es nur zur Verdeutlichung des Größen- und Gewichtsverhältnisses mit in diesen Beitrag aufgenommen.

Packmaß, Beinsegmente & Verschlüsse

Das Cullmann Concept One 622T hat mit 34 cm mit Abstand das kleinste Packmaß, was vor allem durch die um 180° umklappbaren Beine, die den Kugelkopf umschließen, und die fünf Beinsegmente mit vier Auszügen erreicht wird. Das Cullmann Nanomax 450 RW20 hingegen hat ein etwas längeres Packmaß (50 cm), dafür aber auch nur vier Beinsegmente mit drei Auszügen. Beim Nanomax können die Beine übrigens nicht umgeklappt werden. Dafür sind die Beine beim Nanomax dreieckig geformt, was ein Verdrehen besser verhindern soll. Die Stativbeine beider Reisestative haben eine 3-fach-Winkelverstellung.

Der Durchmesser der Beinsegmente fällt bei beiden Stativen recht ähnlich aus: Der maximale Rohrdurchmesser beträgt jeweils 22mm, nach unten hin werden die Beinsegmente logischerweise immer dünner (Concept One 622T: 22/19/16/13/10 mm; Nanomax 450 RW20: 22/18/15/12 mm).

Das Concept One 622T bietet Drehverschlüsse. Praktischer Vorteil: Umfasst man die Drehverschlüsse eines Beins mit einer Hand, kann man mit nur einer kleinen Drehung alle Beinsegmente lösen und ausfahren lassen. Wie das große Magnesit hat das Nanomax 450 RW20 hingegen Klemmverschlüsse, um die Beinsegmente zu fixieren. Wenn es schnell gehen muss, sind die Drehverschlüsse klar im Vorteil. Außerdem sind Drehverschlüsse weniger pflegeinstensiv und besser zu reinigen, während Klemmen häufiger nachjustiert werden müssen.

Gewicht, Minimal- & Maximalhöhe

In puncto Gewicht und der Tragfähigkeit liegen die beiden Reisestative nah beieinander. Das Concept One 622T wiegt inkl. Kugelkopf 1420 g, das Nanomax 450 RW20 inkl. Drei-Wege-Kopf 1215 g. Die Maximalbelastung wird beim leichteren Nanomax mit 4 kg, beim Concept One mit 5 kg angegeben.

Beim Thema Minimalhöhe muss zwingend auf die Mittelsäulen eingegangen werden. Wie bei fast allen Cullmann-Stativen wird eine verkürzte Mittelsäule mitgeliefert, die die niedrigen Minimalhöhen erst ermöglicht. Wechselt man die große Standard-Mittelsäule gegen die kleine Mittelsäule aus (dazu muss an der großen Mittelsäule unten der Beschwerungs-Haken herausgedreht werden, dann kann die Säule nach oben heraus gezogen werden), kommt man dank der weit spreizbaren Beine je nach Modell auf eine Minimalhöhe von 17 cm (Cullmann Nanomax 450 RW20) bzw. 23 cm (Cullmann Concept One 622T).

Alternativ ist es bei den drei Stativen auch möglich, die Mittelsäule umzukehren, d.h. sie kann von unten verkehrtherum eingeschraubt werden, um bodennahe Aufnahmen zu ermöglichen. Dadurch hängt die Kamera dann jedoch verkehrt herum, was die Bedienung erheblich erschwert. Wer jedoch über ein Kameramodell verfügt, bei dem man die Einstellungen über sein Smartphone steuern kann, umgeht dieses Problem galant.

Bei der Stativhöhe mit eingefahrener Mittelsäule liegen die beiden Reisestative fast gleich auf (Concept One 118 cm, Nanomax 116,5 cm), aufgrund des etwas höheren Packmaßes kann das Nanomax allerdings mit 145 cm etwas höher aufgestellt werden als das Concept One (nur 136 cm). Die Maximalhöhen sind bei Reisestativen jedoch generell mit Vorsicht zu genießen. Und damit sind wir dann auch gleich beim wohl wichtigsten Punkt angelangt: Der Stabilität.

Stabilität

Aufgrund der Kompaktheit der Stative und Bauteile (insbesondere der letzten Beinsegmente, die oftmals sehr dünn ausfallen) ist es meist nicht ratsam, alle Beinsegmente sowie die Mittelsäule auszufahren. Da bilden auch die beiden Reisestative von Cullmann keine Ausnahme. Wie bereits oben erwähnt, darf man bei solch verhältnismäßig preiswerten und kompakten Stativen keine Weltwunder erwarten. Die Gesetze der Physik lassen sich schließlich nicht einfach abschalten. Heißt im Klartext, man sollte erst gar nicht versuchen, mit sehr langen Brennweiten (200 mm und mehr) auf einem Reisestativ dieser Preisklasse zu arbeiten. Natürlich kann es bei idealen Bedingungen (Windstille) gelingen, scharfe Ergebnisse auch bei maximaler Stativhöhe zu erzielen, aber für den Einsatz von Objektiven mit sehr langen Brennweiten, die meist auch an schweren, professionellen Kameras angebracht sind, sind diese Stative meiner Ansicht nach auch gar nicht gemacht bzw. gedacht. Ich bin der Meinung, – und hier wird mir sicher der ein oder andere Profi widersprechen – dass kleine sowie relativ preisgünstige Immer-dabei-Reisestative in erster Linie eine Kamera mit kleineren Brennweiten aushalten müssen. Ich für meinen Teil werde das Reisestativ jedenfalls primär in der Stadt- und Landschaftsfotografie mit niedrigen Brennweiten einsetzen.

Bei meinen Tests habe ich dementsprechend eine mittelschwere Canon 60D mit Batteriegriff inkl. zwei Akkus und den EF-S Objektiven 15-85 bzw. 10-22 verwendet (Gesamtgewicht rund 1,9 kg). Wie erwartet, lässt die Stabilität beim Einsatz aller Beinsegmente und ausgefahrener Mittelsäule natürlich ziemlich zu Wünschen übrig. Leichte Stöße bringen beide Stative merklich zum Schwingen.

Fährt man jedoch nur zwei Beinsegmente aus und lässt die Mittelsäule eingefahren, kommt man bei einer Körpergröße von rund 1,80 immer noch ungefähr auf Hüfthöhe – insbesondere bei Verwendung einer Kamera mit Klappdisplay eine akzeptable Höhe (siehe mittleres Foto unter diesem Absatz), wie ich finde. Da ich wie oben geschildert nicht beabsichtige, auf meinen Städtetouren mit längeren Brennweiten als 85 mm zu fotografieren, ist die Stabilität beider Reisestative für mich grundsätzlich ausreichend, sofern nicht vollständig ausgefahren.

Generell gilt: Fernauslöser ist ein Muss und Spiegelvorauslösung sollte auch verwendet werden, um Schwingungen und damit Verwacklungen zu vermeiden. Bei voll ausgezogenen Stativbeinen sollte die Mittelsäule zusätzlich mit dem unter der Mittelsäule befestigten Haken (z.B. mit dem Fotorucksack) beschwert werden, um die Stabilität zu erhöhen.

Verarbeitungsqualität

Äußerst überrascht war ich jedoch über die Verarbeitungsqualität beim etwas teureren Concept One 622T. Die eigentlich sehr praktischen Drehverschlüsse der einzelnen Beinsegmente entpuppten sich bei ausgiebiger Benutzung als weniger gut. Positiv hervorgehoben habe ich weiter oben noch das schnelle Herausziehen aller Beine mit nur einer Handumdrehung. Dreht man die Verschlüsse jedoch zu weit auf, dann rutschen die Beinsegmente einfach heraus. Dies allein wäre noch nicht so schlimm, immerhin könnte man sie dann besser reinigen und damit die Beine herausrutschen, muss man den Verschluss schon etliche Male drehen. Am Ende jedes Beinsegmentes sind jedoch zwei weiße Plastikschalen angelegt (siehe Fotos unter diesem Absatz), die unerwünschtes Herausrutschen eigentlich verhindern sollen. In der Praxis sind die Beine dennoch herausgerutscht und die lose angelegten Plastikteile einfach abgefallen. Will man das herausgerutschte Beinsegment dann wieder einbauen, ist dies eine ziemliche Friemelei. Passiert dies unterwegs, könnte man die Plastikschalten auch sehr leicht verlieren.

Übrigens hat auch das Cullmann Concept One 625 (und vermutlich auch die übrigen Modell dieser Reihe) ähnliche Probleme mit den Beinauszügen und den losen Plastikteilen.

Noch erstaunlicher fand ich jedoch, dass bei Druck auf den Kugelkopf bzw. den Stativteller der Mittelsäule die Stativbeine des Concept One 622T nachgeben und einfahren. Beim Nanomax 450 RW20 war solch ein Hineinrutschen der Beinsegmente nicht zu beobachten. Die Klemmen saßen fest. Möglich, dass solch ein Hereinrutschen der Beine beim Nanomax nach einiger Zeit auftritt, wenn die Klemmen nicht mehr so stramm sitzen wie am Anfang. Jedoch überraschte es mich doch sehr, dass bei einem neuwertigen Stativ die Beine bzw. Drehverschlüsse mäßigem Druck von oben nicht standhalten. Insofern muss dem erheblich preiswerten Nanomax 450 RW20 letztendlich eine etwas bessere Stabilität attestiert werden.

Manko bei beiden Stativen: Anders als bei meinem alten Magnesit gibt es keine Schrauben, die man selbst nachjustieren kann, wenn die Verschlüsse an den Beinsegmenten lockerer werden. Dies bedeutet: Halten die Klemm- bzw. Drehverschlüsse die Beinsegmente nicht mehr stramm, kann nur der Kundenservice von Cullmann helfen. Die zehnjährige Garantie von Cullmann ist zwar eine sinnvolle Sache, ärgerlich wird es jedoch, wenn Probleme auf Reisen auftreten, wo man keine Möglichkeit einer zeitnahen (Selbst-)Reperatur hat.

Kugelkopf vs. Drei-Wege-Kopf

Welchen Stativaufsatz man bevorzugt ist im Grunde eine Glaubensfrage, in etwa vergleichbar mit der Entscheidung ob man Dortmund- oder Schalke-Fan ist. 😉

Beide Aufsätze machten grundsätzlich zunächst einen relativ wertigen Eindruck. Sehr schade ist jedoch, dass beide Köpfe lediglich auf die Tellerschraube der Mittelsäule gedreht werden. Eine zusätzliche Schraube zur sichereren Befestigung wie beim Magnesit-Kugelkopf wäre wünschenswert gewesen, um ein unbeabsichtigtes Lösen der Aufsätze zu vermeiden. So genügt bei beiden Köpfen eine Drehung nach rechts und der gesamte Kopf löst sich vom Stativteller. Gerade beim arretieren des Kugelkopfes passiert dies sehr leicht. Hier ist unterwegs also Vorsicht geboten.

Beim Drei-Wege-Kopf RW20 fand ich gut, dass ich meine alten Schnellwechselplatten vom Magnesit-Stativ weiterverwenden kann. Die Schnellwechselplatte vom Nanomax 450 RW20 finde ich darüber hinaus auch besser als die des Concept One 622T. Die Schraube zum Andrehen an die Kamera kann bei der Schnellwechselplatte des Conept One nur mit einem Geldstück angedreht werden, bei der Schnellwechselplatte des Nanomax ist hingegen ein Hebel integriert, der ein einfacheres An- und Abdrehen ermöglicht.

Der Kugelkopf des Concept One 622T kommt darüber hinaus mit einem neuen Schnellkupplungs-System daher, welches mir so gar nicht zusagte. Um die Schnellwechselplatte einzurasten, muss eine Seite der Schnellkupplungs-Einheit mit beiden Fingern nach hinten gezogen werden, um die Schnellwechselplatte einzusetzen (siehe mittleres Foto unter diesem Absatz). Anschließend muss man die bewegliche Seite wieder einschnappen lassen und mit dem Hebel verschließen. Diese Entwicklung zeigt, dass neue Ideen nicht automatisch besser sein müssen. Das herkömmliche Einrastprinzip der Schnellwechselplatten, wie es auch beim Drei-Wege-Kopf des Nanomax-Statives zu finden ist, gefällt mir doch deutlich besser, da es einfacher und intuitiver zu handhaben ist.

Ein Produktvideo zur Bedienung des neuen Schnellkupplung-Systems gibt es z.B. auf Amazon zu sehen.

Tragbarkeit am Rucksack

Voraussetzung für ein neues Reisestativ war wie eingangs erwähnt, dass es gut an meinem Mantona Rhodolit SLR-Kamerarucksack zu befestigen sein sollte. Durch die enger anliegenden Beine passt das Concept One 622T komplett in die kleine Stativ-Halterung unten am Rucksack. Beim Nanomax 450 RW20 finden nur zwei Beine darin Platz. Ersetzt man die lange Mittelsäule durch die mitgelieferte kleine Mittelsäule, dann passen sogar alle drei Beine des Nanomax in die Stativ-Haltertung des Rucksacks. Alternativ kann das Nanomax-Stativ aber auch mit dem Drei-Wege-Kopf nach unten am Rucksack befestigt werden. Selbiges wäre natürlich auch beim Concept One möglich.

Fazit

Nach ausgiebigem Testen und Vergleichen kann ich im Grunde keine klare Kaufempfehlung aussprechen. Beide Reise-Stative haben ihre Problemchen (erwartungsgemäß vor allem bei der Stabilität auf Maximalhöhen) und sind ganz sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Das Cullmann Nanomax 450 RW20 empfand ich jedoch trotz des deutlich geringeren Preises als etwas durchdachter und wertiger.

Die Drehverschlüsse mit den losen Plastikteilen beim Cullmann Concept One 622T, die bei Druck einfahrenden Beinsegmente sowie der neue, unnötig verkomplizierte Schnellkupplungsmechanismus beim mitgelieferten Kugelkopf haben mich am meisten gestört. Wer das kleinere Packmaß oder einen Kugelkopf gegenüber dem Drei-Wege-Kopf bevorzugt, wird dennoch zum Concept One 622T oder einem anderen Stativ aus der Produktpalette von Cullmann mit seperatem Kugelkopf greifen müssen.

Was man in diesem Kontext generell noch kritisch anmerken kann, ist die etwas seltsam anmutende Modellpolitik von Cullmann. Viele Stative werden nur in Sets zusammen mit verschiedenen Stativköpfen angeboten. Das ist soweit noch kein Problem. Höherwertigere Stativköpfe gibt es oftmals jedoch nur seperat zu erwerben, so dass man letztlich doppelt zur Kasse gebeten wird, wenn man mit dem zum Stativ mitgelieferten Stativkopf nicht zufrieden ist. Im Gegenzug gibt es viele Stative aber eben auch nicht seperat, sondern lediglich in Sets. Dies erschwert das freie Konfigurieren der eigenen Ausrüstung, weil man die Komponenten, für die man sich interessiert, nicht individuell zusammenstellen kann.

Wer gerne bei sehr niedrigen Einstellungen fotografiert, muss bei Cullmann-Stativen weiterhin zwingend die kleine mitgelieferte Mittelsäule verwenden. Häufiges Wechseln zwischen kleiner und normaler Mittelsäule kann auf Dauer jedoch ernüchternd wirken, weshalb man darüber nachdenken sollte, zusätzlich einen flexiblen Gorillapod oder ein Bohnensack-Stativ dabeizuhaben.

Welche Alternativen gibt es?

Das für mich persönlich ideale Reise-Stativ wäre wohl das Cullmann Magnesit 522T gewesen, das ich leider erst jetzt beim Stöbern im Produkt-Katalog von Cullmann entdeckt habe. Mit 1,7 kg hat es zwar ein relativ hohes Gewicht und der mitgelieferte Kugelkopf soll zu klein ausfallen, dafür hat es ein sehr geringes Packmaß (39 cm) und dank größerer Beindurchmesser und hochwertigerer Verarbeitung ziemlich sicher auch eine bessere Stabilität als die beiden hier getesteten Resiestative. Zwar ist das Cullmann Magnesit 522T, wie schon oben angesprochen auch alle anderen Produkte aus der Magnesit-Reihe, leider nicht mehr neu im Handel erhältlich, aber wenn ich dieses Stativ irgendwo einmal gebraucht sehen sollte, werde ich es mir höchstwahrscheinlich zulegen und testen, einfach weil mir der „große Bruder“ ziemlich gut gefällt und ich meinen Kugelkopf Magnesit MB6.3 darauf gut verwenden könnte, ohne dass er zu überdimensioniert wirken würde.

In puncto Stabilität sind Holzstative von Berlebach sehr empfehlenswert. Ein Blick lohnt sich hier auf die viel gelobte Mini-Reihe. Stative aus der Mini-Reihe haben keine ausfahrbaren Beine, was eine recht geringe Maximalhöhe zur Folge hat (~40cm), dafür eine sehr hohe Stabilität und dank spreizbarer Beine bei neueren Modellen eine Minimalhöhe von gerade mal 8 cm.

Ansonsten lohnt je nach Budget ein Blick auf Reisestative anderer Hersteller. In Frage kämen beispielsweise folgende Modelle: Velbon Ultra Rex-i L, Slik Sprint Mini GM II (die erste Version soll besser verarbeitet und haltbarer sein als Version II, ist jedoch ausschließlich noch gebraucht erhältlich), diverse Sirui-Stative, Benro iTrip Reisestativ IT15, Bilora Twister Pro Alu (ebenfalls nur noch gebraucht erhältlich), Manfrotto Befree. Wer es ganz besonders hochwertig mag und das nötige „Kleingeld“ über hat, wird wohl mit einem der Gitzo-Modelle aus der Traveller Kit Serie auf lange Sicht am glücklichsten werden.

Wer ein kompaktes, sehr leichtes „Notfall“-Stativ zum „Immer-dabei-Haben“ sucht, für den könnte sich das preiswerte Nanomax unter Umständen aber durchaus lohnen – sofern die Stativ-Kopf-Kombination die Kamera auch auf Dauer stabil hält. Die 10 Jahre Garantie von Cullmann garantiert zumindest, dass man das Stativ bei Beanstandungen relativ zügig repariert bekommt. Man sollte sich jedoch stets darüber im Klaren sein, dass solch kompakte und kostengünstige Stative immer einen Kompromiss im Hinblick auf Langlebigkeit und vor allem Stabilität darstellen und man sie dementsprechend nur mit gewissen Einschränkungen (ergo nicht voll ausgezogen und Mittelsäule idealerweise mit einem Gewicht z.B. dem Fotorucksack beschwert) benutzen sollte. Etwas mehr Geld für ein besseres Stativ in die Hand zu nehmen, kann aber natürlich nicht schaden.

Teilt mir doch bitte mit, wie euch mein erster Testbericht gefallen hat. Hat euch etwas gefehlt? Was könnte noch verbessert werden? Ich freue mich über Rückmeldungen. Bei Lust und Zeit werde ich in Zukunft gegebenenfalls noch weitere Reisestative und anderes Fotografie-Equipment testen.

Veröffentlicht in: Equipment-Tests mit den Schlagworten: ,,,,,,,.

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