Den japanischen Technologiekonzern Fujifilm Holdings K.K. kennen viele Fotografen noch aus Analog-Zeiten, als Fujifilm z.B. Filmpatronen für analoge Kleinbildkameras, Dias oder auch Sofortbilder, Ausdrucke, Negativabzüge und entsprechendes Papiermaterial anbot.
Heute bietet das Unternehmen neben Einweg- und beliebten Sofortbildkameras (Instax-Serie) auch diverse Digitalkameras an.
Gegenwärtig konzentriert sich Fujifilm im Wesentlichen auf drei Kameratypen:
- hochwertige Mittelformatkameras (44×33 mm Sensor) mit G-Bajonett (G-Serie) – z.B. GFX 50S, GFX 50R, GFX 100, GFX 100S
- APS-C-Kameras mit X-Bajonett für Wechselobjektive (X-Serie) mit einer Sensorgröße von 23,6 mm x 15,6 mm (einzige Ausnahme: X100 Serie und X70, XF10, die über fest eingebaute Objektive verfügen) sowie
- Kompakte APS-C-Kameras mit eingebautem Objektiv (meist mit) fester Brennweite und einem nochmals verkleinerten Sensor mit 8,8 mm x 6,6 mm Größe, die ebenfalls zur X-Serie gezählt werden.
Nachdem Fujifilm den Markt mit spiegellosen Kameras mit APS-C-Sensor durchaus aufgemischt hatte, war es laut eigener Aussagen der Firma an der Zeit, für etwas größeres: Interessanterweise „übersprangen“ die Japaner das digitale Kleinbild- bzw. Vollformat und widmeten sich direkt dem digitalen Mittelformat, weil das Unternehmen der Meinung war, dass APS-C-Sensoren für die meisten „normalen“ Fotoanwender vollkommen ausreichend sei, es jedoch bei der absoluten Spitzenqualität im obersten Bereich an guten digitalen Mittelformatkameras mangele, daher die Entscheidung für das digitale Mittelformat.
Die Sensorgröße der spiegellosen Mittelformatkameras von Fujifilm beträgt 43,8 mm x 32,9 mm und ist damit etwa 70% größer als beim Vollformat. Der Format-/Cropfaktor gegenüber dem Vollformat beträgt 0,79. Das native Aufnahmeformat liegt demnach bei 4:3 (bei digitalen Vollformatkameras mit 36 mm x 24 mm Sensoren 3:2).
Für die GFX-Mittelformatkameras führte Fujifilm auch einen neuen Objektivanschluss, das G-Bajonett, ein. Die erste Kamera für das G-Bajonett war die Fujifilm GFX 50S, die Anfang 2017 auf den Markt kam. Der 51,4 Megapixel große Sensor stammte von Sony.
Die GFX 50R, die im Herbst 2018 auf den Markt kam, ist deutlich kleiner gebaut als die GFX 50S. Das Gehäuse der GFX 50R ist an das der APS-C-Kamera Fujifilm X-Pro2 angelehnt, ansonsten verfügt die kleine Mittelformatkamera aber weitgehend über dieselbe Ausstattung wie das große Schwestermodell.
Mitte 2019 erschien das Flagschiffmodell Fujifilm GFX100 mit einem 102 Megapixel-Sensor. Ein Jahr später erschien das Modell GFX100 IR, bei der mittels Infrarottechnik und Pixel Shift Aufnahmen mit bis zu 400 Megapixeln möglich sind. Die Kamera war jedoch nicht auf dem freien Markt erhältlich, sondern konnte lediglich von forensischen, wissenschaftlichen und musealen Einrichtungen bezogen werden.
2021 folgte der Nachfolger der Fujifilm GFX 50S, die Fujifilm GFX 50S II, die dasselbe Gehäuse besitzt wie die Fujifilm GFX 100S. Verbessert wurde gegenüber dem Vorgängermodell u.a. der Autofokus und es wurde ein integrierter Bildstabilisator (IBIS) im Gehäuse verbaut. Im gleichen Jahr erschien auch die Fujifilm GFX 100S, eine deutlich verkleinerte Version der Fujifilm GFX 100. Sie verfügt nun auch über Pixel Shift für Aufnahmen bis zu 400 Megapixel. 2023 brachte Fujifilm die GFX 100 II auf den Markt.
Ende März 2025 präsentierte Fujifilm mit der GFX 100RF die weltweit erste Kompaktkamera mit einem Mittelformat-Sensor. Die Bezeichnung „RF“ steht dabei für „Rangefinder“ (Kamera im Stil einer Sucherkamera) und „Fixed Lens“ – also Festbrennweite. Die Kamera wiegt nur 735g und verfügt über den 100 Megapixelsensor, der auch schon aus den GF 100 Modellen mit Wechselobjektivfunktion bekannt ist. Die neue GFX 100RF besitzt jedoch keinen IBIS, auch das verbaute 35mm-Objektiv (äquivalent 28mm Vollformat) mit Blende f/4 hat kein OIS. Bei einer UVP von 5499 € kritisieren viele Interessenten der Kamera das Fehlen eines optischen Stabilisators, da sie fürchten, dass es bei einem so hochauflösenden Sucher ohne Stabilisator leichter zu Verwacklungsunschärfe kommen kann. Fujifilm erklärt, dass der Fokus auf der Kompaktheit lag und beim Verbauen eines IBIS das Gehäuse zu groß geworden wäre. So ganz schlüssig ist diese Argumentation nicht, denn immerhin hat Fujifilm eine recht sperrige, eckige Sonnenblende dem Lieferumfang beigelegt, die die Kamera alles andere als klein wirken lässt. Auch wird von Fujifilm angegeben, dass ein IBIS im vorhandenen Brennweitenbereich der Kamera erst bei 1/40 Sekunde benötigt werde. Bei schnelleren Aufnahmen bräuchte es laut Fujifilm keinen IBIS.
Für das G-Bajonett bietet Fujifilm GF-Objektive an. Die speziell für Mittelformatkameras konstruierten Objektive dieser Baureihe lösen bis zu 100 Megapixel auf. Fujifilm bietet gegenwärtig einen Telekonverter für das G-Bajonett an, den Fujifilm GF 1,4× TC WR.
Folgende Abkürzungen finden sich auf Fujifilm-GF-Optiken:
- LM: Linearmotor
- OIS: Bildstabilisierung im Objektiv (engl. optical image stabilizer)
- R: Blendenring
- WR: Wetterbeständig bzw. Staub- und Spritzwassergeschützt (engl. weather resistant)
Generelle Anmerkungen zu den Tabellen
Aufgrund der Vielzahl an modernen Techniken, die heute in den Fujifilm-Modellen mit Wechselobjektiven stecken, konnte ich nicht jede Kamera-Funktion in die Tabelle mit aufnehmen. Ich habe daher die meiner Meinung nach wichtigsten Daten und Fakten, die sich am besten zum Vergleichen eignen (z.B. Sensorgröße, Pixelanzahl, Serienbildgeschwindigkeit, Autofokus-Felder, ISO-Empfindlichkeiten sowie einige ergänzende Bemerkungen), eingetragen.
Die Farbe der Modellbezeichnung gibt an, dass die jeweilige Kamera noch produziert wird und erhältlich ist (grün) bzw. dass es sich um ein Auslaufmodell handelt (orange) oder dass die Produktion eingestellt wurde und das Modell nur noch gebraucht erhältlich ist (rot).
Noch ein letzter Hinweis: Die Formatbezeichnungen Kleinbild (KB) und Vollformat (VF) werden mittlerweile weitgehend synonym gebraucht. Weitere Abkürzungen und einige Begriffe habe ich in der Legende erläutert.
Nun wünsche ich aber viel Spaß beim Stöbern und Vergleichen der verschiedenen Kamera-Modelle. Vielleicht hilft euch die Übersicht ja bei der nächsten Kaufentscheidung. 🙂
Fujifilm Digitale Mittelformatkameras der G-Serie mit G-Bajonett
Fujifilm GF-Festbrennweiten
Fujifilm GF-Zoomobjektive
Fehlt euch noch eine Angabe? Ihr habt einen Fehler festgestellt? Oder ist alles gut so wie es ist? Für Kritik und Anmerkungen habe ich jederzeit ein offenes Ohr. Schreibt mir einfach eine Nachricht über mein Kontaktformular.
Die unterschiedlichen Funktionen von Kameras und Objektiven werden häufig mit diversen Abkürzungen gekennzeichnet. Da es unter den Herstellern keine einheitlichen Bezeichnungen gibt, kann man hier schnell durcheinander kommen. Für das bessere Verständnis der obigen Tabelle ist eine Legende daher vielleicht ganz hilfreich. Neben eher speziellen Abkürzungen habe ich auch einige weitere fotografische Begriffe mit in die Tabelle aufgenommen: Fotografie-Abkürzungen.
Wenn Ihr die Tabelle teilen wollt, nutzt am besten folgenden Link:
https://fotowalther.de/fujifilm-mittelformat-dslm-kameras-g-bajonett/
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Letzte Änderungen:
- Neuen Textabschnitt zur Ankündigung der GFX 100RF hinzugefügt
Aktualisiert: 26.03.2025