Den japanischen Technologiekonzern Fujifilm Holdings K.K. kennen viele Fotografen noch aus Analog-Zeiten, als Fujifilm z.B. Filmpatronen für analoge Kleinbildkameras, Dias oder auch Sofortbilder, Ausdrucke, Negativabzüge und entsprechendes Papiermaterial anbot.
Heute bietet das Unternehmen neben Einweg- und beliebten Sofortbildkameras (Instax-Serie) auch diverse Digitalkameras an.
Seit 2017 bietet Fujifilm digitale Mittelformatkameras (GFX 50 und GFX 100) für das eigens dafür entwickelte G-Bajonett an. Zuvor hat Fujifilm unter der Sammelbezeichnung X-Serie eine ganze Reihe verschiedener Kameras mit APS-C-Sensor (teilweise mit Wechselobjektiven, teilweise auch mit fest eingebauten Objektiven) und unterschiedlichen Sensorgrößen auf den Markt gebracht, die auch nach wie vor parallel angeboten und weiterentwickelt werden. Eine Vollformat-Kamera hat Fujifilm bisher nicht herausgebracht.
Bei den Kameras der X-Serie mit APS-C-Sensoren herrscht wie ich finde ein ziemliches Bezeichnungswirrwarr. Ich habe mit den nachfolgenden Tabellen versucht, die unterschiedlichen Kamerasysteme mit den vielen verschiedenen Bezeichnungen und Abkürzungen möglichst übersichtlich und verständlich darzustellen.
Drei Typen von Fujifilm-Kameras mit APS-C-Sensoren
Im wesentlichen bietet Fujifilm drei Typen von Kameras mit APS-Sensoren an:
- APS-C-Kameras mit X-Bajonett für Wechselobjektive (X-Serie) mit einer Sensorgröße von 23,6 mm x 15,6 mm
- Davon zu unterscheiden sind fast baugleiche APS-C-Kameras, die jedoch über fest eingebaute Objektive verfügen (X100 Serie und X70, XF10)
- Kompakte APS-C-Kameras mit eingebautem Objektiv (meist mit) fester Brennweite und einem nochmals verkleinerten Sensor mit 8,8 mm x 6,6 mm Größe, die ebenfalls zur X-Serie gezählt werden.
Interessant sind die hybriden Bildsucher, die in den Kameras der X-Pro- und X-E-Serie (mit Wechselobjektiven) und X100-Serie (fest verbauter Objektive) eingesetzt wurden. Sie erinnern an heute beinahe gänzlich vom Markt verschwundene Messsucher-Kameras (engl. Rangefinder), die vor allem zu Analog-Zeiten weit verbreitet waren. Spiegellose Digitalkameras der genannten Modellreihen verfügen über einen optischen Sucher, in den ein elektronischer Messsucher integriert ist (der natürlich auf Wunsch ausgeblendet werden kann). Um als „echte“ Messsucherkamera bezeichnet zu werden, fehlt ihnen jedoch die Scharfeinstellhilfe über einen gekoppelten Entfernungsmesser.
Im hart umkämpften Kameramarkt versuchen die diversen Hersteller mit unterschiedlichen Herangehensweisen aufzufallen. Fujifilm brachte 2022 mit der X-H2 und X-H2s zwei APS-C-Kameras mit einem 40.2 Megapixel auflösenden Sensor auf den Markt. Damit überboten die Kameras die Canon EOS R7, die bis dato den Titel der APS-C-Kamera mit der höchsten Auflösung hielt. Später stattete Fujifilm auch die X-T5, die X-T50 und die X100VI mit diesem Sensor aus.
Die Einführung von Kameras mit solch hohen Auflösungen hat jedoch auch einige Schattenseiten: Neben größeren Dateienmengen, die wiederum schnellere/größere Speicherkarten benötigen, müssen auch die verfügbaren Objektive für solch hohe Auflösungen geeignet sein. Dies ist bei vielen älteren Fujifilm Objektiven der X-Serie aber nicht der Fall. Daher habe ich in den bestehenden Tabellen für die Festbrennweiten- und Zoom-Objektive eine Tabellenspalte hinzugefügt, die Auskunt darüber gibt, welche Objektive für die 40.2 Megapixel-Auflösung geeignet sind. Interessanterweise wurden sowohl die X-H2 als auch die X-T5 und X-T50 teilweise mit Kit-Objektiven angeboten, die nicht die volle Auslösung wiedergeben können.
Kit-Objektive von Fujifilm Kameras mit 40 Megapixel-Sensor, die jedoch nicht die volle Sensorauflösung abbilden können:
- XF 16-80mm f/4 R OIS WR
- XF 18-55 mm f/2.8-4 R LM OIS
- XF 16-50mm f/2.8-4.8 R LM WR
Ende 2024 hat Fujifilm ein neues Kit-Objektiv auf den Markt gebracht – das Fujifilm XF 16-50mm f/2.8-4.8 R LM WR. Es ersetzt das alte Fujifilm XF 18-55 mm f/2.8-4 R LM OIS. Auch das neue Kit-Objektiv kann jedoch nicht die volle 40 Megapixel-Auflösung verarbeiten.
Es sind also keine Kits mit dem 18-55 mehr bestellbar. Bitte beim Verkauf des letzten lagernden Artikels immer auf „inaktiv“ setzen.
Generelle Anmerkungen zu den Tabellen
Aufgrund der Vielzahl an modernen Techniken, die heute in den Fujifilm-Modellen mit Wechselobjektiven stecken, konnte ich nicht jede Kamera-Funktion in die Tabelle mit aufnehmen. Ich habe daher die meiner Meinung nach wichtigsten Daten und Fakten, die sich am besten zum Vergleichen eignen (z.B. Sensorgröße, Pixelanzahl, Serienbildgeschwindigkeit, Autofokus-Felder, ISO-Empfindlichkeiten sowie einige ergänzende Bemerkungen), eingetragen.
Die Farbe der Modellbezeichnung gibt an, dass die jeweilige Kamera noch produziert wird und erhältlich ist (grün) bzw. dass es sich um ein Auslaufmodell handelt (orange) oder dass die Produktion eingestellt wurde und das Modell nur noch gebraucht erhältlich ist (rot).
Noch ein letzter Hinweis: Die Formatbezeichnungen Kleinbild (KB) und Vollformat (VF) werden mittlerweile weitgehend synonym gebraucht. Weitere Abkürzungen und einige Begriffe habe ich in der Legende erläutert.
Nun wünsche ich aber viel Spaß beim Stöbern und Vergleichen der verschiedenen Kamera-Modelle. Vielleicht hilft euch die Übersicht ja bei der nächsten Kaufentscheidung. 🙂
Fujifilm DSLM-Kameras der X-Serie mit X-Bajonett (APS-C)
Die DSLM-Kameras der X-Serie können nochmals grob in sieben verschiedene Produktgruppen unterteilt werden:
- X-Pro-Serie: Die X-Pro-Modelle basieren weitestgehend auf der Fujifilm X100, wurden aber für die Nutzung von Wechselobjektiven angepasst. Sie besitzen einen hybriden Bildsucher (Umschalten zwischen optischem und elektrischen Sucher möglich). Die Fujifilm X-Pro1 war 2012 das erste Modell dieser Reihe, in der auch erstmals der sog. X-Trans-Sensor zum Einsatz kam.
- X-E-Serie: weitestgehend identische Ausstattung wie die X-Pro-Serie, aber kleinere Gehäuse.
- X-M-Serie: basiert im wesentlichen auf der X-E-Serie, jedoch ohne Sucher. Das Fotografieren und Vornehmen von Einstellungen muss daher über das Display erfolgen. Die bisher kleinste Kamera der X-Serie mit Wechselobjektiven.
- X-A-Serie: weitgehend identisch zur X-M-Serie, ebenfalls ohne Bildsucher, aber Sensor mit Bayerfilter statt X-Trans-Sensor
- X-T-Serie: mehr an herkömmliche DSLR angelehnte Gehäuse. Die X-T-Reihe kann nochmals aufgeteilt werden in Modelle mit einstelligen, zweistelligen und dreistelligen Ziffern (X-T1, X-T2 usw. für Profis; X-T10 für ambitionierte Fotografen und X-T100 für Konsumenten mit geringem Budget)
- X-H-Serie: gegenüber X-T-Kameras nochmals vergrößerter DSLR-Body mit größerem Handgriff und Sensor-Shift Bildstabilisierung.
- X-S-Serie: die Abkürzung für X-S stand früher für Bridgekameras (X-S1), wurde im Oktober 2020 mit der X-S10 auch für die X-Serie mit Wechselobjektiven eingeführt. Kameras der X-S-Serie sind ebenfalls an DSLR-Gehäuse angelehnt, haben jedoch ein kombiniertes Wählrad zur Einstellung von Belichtungszeit und ISO, während bei den meisten anderen Modellen der X-Serie hierfür individuelle Wählräder vorhanden sind.
Fujifilm Digitalkameras der X-Serie mit einem normalgroßen APS-Sensor und fest verbauten Objektiven
Während die meisten kompakten Fujifilm-Digitalkameras mit einem fest eingebauten Objektiv einen deutlich kleineren APS-C-Sensor besitzen (siehe unten), existieren im Portfolio von Fujfilm auch zwei Modellreihen mit einem APS-C-Sensor in Normalgröße (23,6 mm x 15,6 mm):
- X100-Serie (APS-C): Die X100-Serie wurde mit der Fujifilm FinePix X100 im Jahr 2011 begründet. Anfangs gehörte die Kamera noch zur Finepix-Sparte, mittlerweile zählt man sie und ihre Nachfolgemodelle jedoch zur X-Reihe. Kameras der X100-Serie sind mit einer 23mm-Festbrennweite ausgestattet (entspricht 35mm an Vollformat) und besitzen einen hybriden Bildsucher, der das Umschalten zwischen optischem und elektrischem Sucher ermöglicht. Die X100 besitzt einen EXR Sensor, neuere Modelle der Reihe verfügen über den bei Fujifilm mittlerweile typischen X-Trans-Sensor. Die X100 war Vorbild für die späteren spiegellosen Kameras der X-Serie mit Wechselobjektiven.
- X-/XF-Serie (APS-C): Kameras dieser Serie sind ähnlich ausgestattet wie die der X100-Serie, besitzen jedoch keinen Bildsucher und haben statt eines 23mm-Objektivs ein 18,5mm Objektiv verbaut (entspricht 28mm an Vollformat) und einen Bayer-Sensor. Während die X70 einen X-Trans-Sensor besaß, besitzt der Nachfolger XF-10 einen Bayer-Sensor.
Kompakte Fujifilm Digitalkameras mit fest eingebautem Objektiv und einem deutlich verkleinerten APS-C-Sensor
Wie auch bei den Fujifilm APS-C-Kameras mit Wechselobjektiven gibt es auch bei den Kameras mit den fest eingebauten Objektiven und dem verkleinerten APS-S-Sensor (8,8 mm x 6,6 mm) nochmals vier Unterkategorien, die teilweise identische Bezeichnungen wie die DSLM von Fujifilm-Kameras besitzen, was die Unterscheidung der Kameras teilweise etwas erschwert:
- X-Serie (kleinerer Sensor): Die Fujifilm X10 war 2011 das erste Modell dieser Kameratypen. Modelle dieser Serie haben alle ein fest verbautes Zoomobjektiv Models, eine kompakte Bauweise (ähnlich analoger Messsucherkameras) und einen optischen Bildsucher (Nachfolger X20 und X30).
- X-S-Serie (kleinerer Sensor): Super-Zoom-Bridgekamera mit einem Gehäuse ähnlich einer DSLR. Die Fujifilm X-S1 ist das bisher einzige Modell in dieser Kategorie.
- XF-Serie (kleinerer Sensor): Die XF1 aus dem Jahr 2012 ist eine Kompaktkamera ohne Bildsucher und einem EXR-Sensor. Bisher sind keinerlei direkte Nachfolgermodelle erschienen, Modelle der XQ-Serie sind jedoch sehr ähnlich.
- XQ-Serie (kleinerer Sensor): Modelle der XQ-Serie sind Kompaktkameras mit Zoomobjektiven ohne Bildsucher. Bisher sind zwei Modelle erschienen, die XQ1 und XQ2.
Vier Typen von Fujifilm-Objektiven: XF, XC, XM & MKX
Für das X-Bajonett bietet Fujifilm aktuell vier Objektivtypen innerhalb der X-Serie an: XF-, XC-, XM- und MKX-Objektive:
- XF-Objektive kennzeichnen hochwertig verarbeitete Objektive (das F steht hier für „finest“) aus einer Metallkonstruktion, die üblicherweise auch über einen Blendenring und diverse Schalter zum Anpassen der Autofokus- und Bildstabilisator-Einstellungen verfügen (die meisten Fujifilm-Objektive sind von diesem Typ). Einige besonders hochwertige und teure sog. „Red Badge„-Objektive tragen zusätzlich den Aufdruck XD auf rotem Grund (ähnlich wie L-Objektive bei Canon)
- XC-Objektive bestehen hauptsächlich aus einer Plastikkonstruktion und sind kleiner (das C steht hier für „compact“), leichter und günstiger in der Herstellung als XF-Objektive. Sie besitzen auch keinen Blendenring oder Schalter zum Umschalten von Autofokus auf manuellen Fokus.
- XM-Objektiv („X-Mount Filter Lens“) bezeichnet ein kleines Pancake- bzw. sog. Body-Cap-Objektiv mit drei sehr kleinen eingebauten Filterlinsen (aktuell nur ein Typ dieses Objektivs verfügbar, das Fujifilm XM-FL 24mm f/8. Das objektiv ist komplett manuell – es besitzt keinen Autofokus und es findet auch keinerlei Datenübertragung zwischen Kamera und Objektiv statt)
- MKX-Objektive sind spezielle Cine-Objektive mit manuellem Fokus, die auf die Ansprüche an Filmer und Videografen angepasst sind. Sie verfügen etwa über breitere Zoom-, Fokus- und Blendenringe.
Folgende Abkürzungen finden sich auf Fujifilm-X-Optiken:
- LM: Linearmotor
- OIS: Bildstabilisierung im Objektiv (engl. optical image stabilizer)
- PZ: Power-Zoom
- R: Blendenring
- WR: Wetterbeständig bzw. Staub- und Spritzwassergeschützt (engl. weather resistant
Fujifilm bietet gegenwärtig zwei Telekonverter für das X-Bajonett an, den Fujifilm XF 1.4× TC WR und Fujifilm XF 2× TC WR.
Fujifilm Festbrennweiten für das X-Bajonett
Fujifilm Zoomobjektive für das X-Bajonett
Fehlt euch noch eine Angabe? Ihr habt einen Fehler festgestellt? Oder ist alles gut so wie es ist? Für Kritik und Anmerkungen habe ich jederzeit ein offenes Ohr. Schreibt mir einfach eine Nachricht über mein Kontaktformular.
Die unterschiedlichen Funktionen von Kameras und Objektiven werden häufig mit diversen Abkürzungen gekennzeichnet. Da es unter den Herstellern keine einheitlichen Bezeichnungen gibt, kann man hier schnell durcheinander kommen. Für das bessere Verständnis der obigen Tabelle ist eine Legende daher vielleicht ganz hilfreich. Neben eher speziellen Abkürzungen habe ich auch einige weitere fotografische Begriffe mit in die Tabelle aufgenommen: Fotografie-Abkürzungen.
Wenn Ihr die Tabelle teilen wollt, nutzt am besten folgenden Link:
https://fotowalther.de/digitale-fujifilm-wechselobjektivkameras/
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Letzte Änderungen:
- Spalten hinzugefügt, welche Objektive der X-Serie die 40.2 Megapixel-Auflösung der X-H2, X-H2s, X-T5 und X-T50 Kameras auflösen können
Aktualisiert: 26.03.2025