Exodium, New World Depresssion, Scanner

Exodium

Wie bei Heavy & Power Metal Konzerten beinahe üblich, wollte sich das Café Nova am 03.02.2012 wieder einmal nicht so recht füllen, auch wenn man die erste Band extra 30 Minuten später als geplant beginnen ließ. Dabei stand als Headliner kein geringerer als Scanner auf dem Programm. Als Support traten Exodium und New World Depression auf.

Exodium

Die Dortmunder Heavy Metal Band Exodium legte schließlich um 20:30 Uhr vor einem recht spärlich gefüllten Café Nova mit dem neuen Song Play To Win los.

ExodiumDas letzte Mal, dass ich Exodium live gesehen hatte, ist lange her. Es war am 06.09.2008  zusammen mit Pretrash im Coffee Corner. Schon damals hatte mir der Auftritt gefallen. In leicht veränderter Besetzung präsentierten sich Exodium im Café Nova nun merklich reifer. Dabei überzeugten sowohl ältere Stücke (etwa das starke Fires Burning von der ersten Demo aus dem Jahr 2007 oder Red Sun Rising) als auch neuere Kompositionen wie Ruins, Tower Hill oder Blind.

Sänger Alex ging immer wieder ins Publikum, um mit einigen Gästen herumzualbern, während die übrigen Bandmitglieder etwas statisch ihre Instrumente bespielten, allerdings lässt die kleine Bühne im Nova auch nicht gerade viele Bewegungen zu.

New World Depresssion

New World Depresssion aus dem Münsterland – genauer gesagt aus “Emsdeathen” – nutzten hingegen jeglichen Raum, der ihnen zur Verfügung stand. Direkt zu Beginn wurde der Bereich vor der kleinen Bühne von den beiden Gitarristen in Beschlag genommen. Platz hatten die Death Metaller genug, da sich die wenigen Anwesenden mit einigem Sicherheitsabstand zur Bühne postiert hatten.

Ein Teil der Besucher suchte nach den ersten rabiaten Takten der Band schleunigst das Weite. Immerhin eine Hand voll Metalheads ließ sich von New World Depression näher an die Bühne heran locken.

New World DepressionAuch wenn der harte Stilbruch nicht jedem zugesagt hat (die meisten Anwesenden bevorzugten augenscheinlich ganz klar Heavy & Power Metal statt brutalem Death Metal mit deutlichen Hardcore-Einlagen), so muss man ganz klar hervorheben, dass die Jungs von New World Depression ihre Instrumente sehr gut beherrschten. Es wurde gehüpft, geheadbangt und mit den Instrumenten posiert. Optisch und musikalisch machten New World Depression einen sehr erfahrenen Eindruck – kein Wunder, schließlich können sie auf viele Auftritte seit der Gründung im Jahr 2005 zurückblicken.

Was jedoch gar nicht gut ankam, waren die Äußerungen über die Fans. Dabei blieb es nicht bei legitimien Aufforderungen im Stile von “Macht mal mehr Stimmung” oder “Kommt mal näher”, sondern die Kommentare wurden deutlich abfälliger und negativer. Man konnte New World Depression schon vor dem Auftritt ansehen, dass sie – vorsichtig ausgedrückt – nicht gerade erfreut darüber waren, dass so wenig los war.

Natürlich hatten die Jungs eine lange Fahrt hinter sich und wollten zumindest ein bisschen Resonanz für ihre ausgelassene Performance und energiegeladene Spielweise bekommen und natürlich kommt es auch immer auf die Fans an, damit ein gutes Konzert entsteht. Aber die wenigen Anwesenden zu kritisieren, bringt es natürlich auch nicht wirklich, zumal diese nichts dafür können, wenn nicht mehr Fans den Weg ins Café Nova gefunden haben. So verspielten New World Depression – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht nur ihren Auftritt, sondern auch die anfänglichen Sympathiepunkte.

Und bis auf das letzte Stück – als “Heavy Metal Lied” angeküdigt, was so auch nicht ganz stimmte, aber es hatte immerhin ab und an melodische Elemente vorzuweisen – klangen so ziemlich alle Lieder relativ ähnlich – zwar immer gleich brutal, aber eben auch immer gleich unabwechslungsreich.

Zwar dankten New World Depression noch Pretrash für die Einladung und bewarben ihre Shirts mit Sonderangeboten (eins für fünf Euro, zwei für acht) ehe sie die Bühne sichtlich genervt wieder verließen, doch vermutlich werden die Rabauken den Abend alsbald vergessen und so schnell nicht wieder in Essen auftreten wollen. Aber auch wenn absolut gar nix los ist, kann man den Auftritt immer noch als öffentliche Probe ansehen. Und da man die Situation eh nicht ändern kann, sollte man eben das Beste daraus machen. Im Underground hat es keine Band besonders leicht.

Scanner

ScannerDas wissen auch die Männer von Scanner aus Gelsenkirchen, die Headliner des Abends. Zwar wurde Scanner bereits 1986 gegründet, aber nach zwei kompletten Auflösungen müssen sich die erfahrenen Musiker, die sich erst im letzten Jahr wieder zusammengeschlossen haben, nun wieder von ganz Unten auf den Olymp des Power Metal zurückkämpfen.

Schon beim X-Mas Metal Meeting im Dezember in der Matrix gehörten Scanner zu den Überraschungen des Abends. Zwar war im Café Nova bei Weitem nicht so viel los wie in Bochum, aber es wurde zum Glück noch ein wenig voller vor der Bühne. Scanner brauchten die Fans auch gar nicht aufzufordern nach vorn zu kommen, weil die Kuttenträgerfraktion sich schon in der Umbaupause dicht am Bühnenrand versammelte.

Los ging es dann auch sofort mit dem ersten Kracher: Terrion von Hypertrace, dem 1988 veröffentlichten ersten Album der Band, das nebenbei bemerkt von vielen Fans (nicht nur in Deutschland, sondern weltweit) als bisher bestes Album der Gelsenkirchener angesehen wird. Logisch, dass auch mit wenig Besuchern augenblicklich eine ansehnliche Stimmung entstand.

Sänger Efthimios Ioannidis ließ daher auch nicht lange mit einem Lob auf die Fans warten: “Ihr seid ein total liebes Publikum!”

Mit dem neuen Song The Legionary, der auch schon in der Matrix vorgestellt wurde, machten Scanner auf das bald erscheinende sechste Album aufmerksam. Direkt im Anschluss meinte Sänger Ioannidis “Anschnallen bitte!” und die Fans wussten natürlich, welcher Song nun kommen würde: Warp 7 – ebenfalls ein Klassiker vom Hypertrace-Album.

Beim anschließenden ruhigeren Sister Mary lagen sich einige Besucher freundschaftlich in den Armen – so schön kann Metal sein.

Im Gegensatz zum recht kurzen Auftritt in der Matrix konnten Scanner im Nova aus den Vollen schöpfen. Die Fans bekamen auch im Folgenden einen Rundumschlag aller Alben zu hören – z.B. After The Storm vom Album Mental Reservation, Wonder von der Scheibe Terminal Earth oder Turn Of The Tide von Scantropolis.

Vor Wonder wurde das neue Merchandise beworben. Ein Shirt gab es für läppische 10 Euro – “Eine gute Investion”, wie Sänger Ioannidis meinte. Klar, denn „in Zeiten der Krise ist ein T-Shirt oft mehr wert als ein auf Ramschniveau herabgestufter Staat.“

Scanner

Mit Puppet On A String näherte sich das Konzert rapide dem Ende entgegen.  Natürlich wurde der Abend zur Krönung mit einem Hypertrace-Song als Zugabe beendet: Accross the Universe.

Der Sound war akzeptabel, die Musik von treibenden Drumattacken, klirrenden Gitarren und dem markanten Gesang von Frontman Ioannidis geprägt und manch älterer Gast wird sich wohl an längst vergangene Zeiten erinnert haben, in denen die heutigen Urgesteine des Heavy Metal noch in Gartenlauben musiziert haben… Definitiv ein Abend mit Seltenheitswert!

Abschließend noch ein Appell für kommende Undergroundkonzerte: Kriegt Eure Hintern hoch und unterstützt lokale Bands!

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2 Kommentare

  1. Sauber geschriebener Bericht, der in seinem Tenor und der Schwerpunktsetzung haargenau den Ablauf des Abends beschreibt und meine 110 prozentige Zustimmung hat. Sehr fein gemacht, lieber Dirk! Insbsondere die ebenso wahren, wie abgrundtief traurigen Anmerkungen bezüglich der Besucherdichte bei Nova-Konzerten von Bands die musikalisch jenseits der “Elchröhrenden Donnerkuppel” beheimatet sind, können bei mir nichts anderes als Anerkennung finden. Selbiges gilt für die Notizen zum Auftritt der todesmetallischen “Exoten” des Abends. Ich selber, als Vertreter der “Kuttenfraktion”, höre mir gerne auch Bands aus dem gesamten Spektrum des Metals an, auch wenn meine ursprüngliche “Heimat” im traditionellen/melodischen Spektrum liegt. Also: nichts gegen ein paar Songs lang amtliches Geknüppel. Die Attitüde allerdings, die insbesondere die “junge Garde” (sind wohl im Schnitt alle 6-7 Jahre jünger als ich) der extremeren Spielarten des Genres an den Tag liegt, vergällt mir dann aber leider doch des öfteren Mal ein winziges μ des natürlich immer noch ausser Konkurrenz laufenden Stauder Pils. Wer sich im Angesicht eines dürftig gefüllten Konzertraums wie ein bockiges Kind aufführt und herablassende Kommentare halblaut am Mikro vorbeisäuselt nur weil sich die 20 Anwesenden nicht wie gewohnt bei jedem Song in einem Monsterkörpergulasch vor der Bühne in einer ausgiebigen Bruce-Lee-Gedächtnisperformance komplett zerschroten, entzieht sich meinem Verständnis. Schade eigentlich, denn musikalisch und showtechnisch hatten die Jungs durchaus einiges Sehens- und Hörenswertes auf der Pfanne. Insofern also auch hier: Daumen hoch für die Einschätzung des Auftritts, Dirk! Eine feine Seite hast Du da! Mach weiter so! Grüße der Argonath Manu

    • Wow, das nenne ich mal einen Kommentar!
      Danke für die überaus amüsant geschriebene “Lobeshymne” auf meine Auffassungsaufgabe 😛
      Ist immer gut zu wissen, wie die anderen Anwesenden den Konzertabend erlebt haben 🙂

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