Turock Open Air 2013 – Tag 3

Turock Open Air 2013 - Tag 3

Am dritten und leider auch schon letzten Festivaltag des Turock Open Air 2013 sorgten u.a. die drei Heavy Metal-Kapellen Steelwing, Enforcer und Blitzkrieg für mächtig Stimmung, ehe es zum Abschluss des Festivals beim Headliner Grand Magus feinsten schwedischen Doom bzw. Stoner Metal auf die Ohren gab. Zuvor gaben sich noch die Briten von Hell mit einer herrlich schaurigen Bühnenshow (Stichwort Geißelung) die Ehre. Doch der Reihe nach…

Metrum

Vor einem noch recht spärlich besuchten Viehofer Platz mussten die drei Musiker der österreichischen Band Metrum am frühen Nachmittag als erstes auf die Bühne.

Mit ihrem stellenweise ziemlich melancholischen anmutenden Progressive Rock eigneten sich Metrum dann auch nicht unbedingt als großartiger Anheizer für die nachfolgenden Bands. Grundsätzlich konnte der Auftritt von Metrum aber durcbaus überzeugen. Der Sound, der mich phasenweise etwas an Ayreon erinnerte, war nur schlichtweg zu schleppend, zu “doomig”, um das verschlafene Publikum wach zu machen.

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Ayscobe

Daran änderte sich auch bei Ayscobe aus dem Schwabenland nicht viel. Ebenfalls dem progressive Rock angehörend, taten sich auch Ayscobe etwas schwer, für Stimmung zu sorgen. Dabei machten die Männer um Michael Tenten auf musikalischer Ebene auch einen guten Job, den das Publikum allerdings nur begrenzt zu schätzen wusste.

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Blitzkrieg

Die bereits 1980 in England gegründete Kombo Blitzkrieg, die der New Wave of British Heavy Metal ihren musikalischen Stempel entscheidend mit aufgedrückt, aber es nie zum ganz großen Durchbruch geschafft hatte, ließ nichts anbrennen und feuerte ein wahres Heavy Metal-Feuerwerk ab.

Sänger Brian Ross, das einzige verbliebene Gründungsmitglied, und seine neue Crew, die er nach mehrjähriger Pause im Jahr 2012 zusammengetrommelt hatte, lieferten einen astreinen Heavy Metal Gassenhauer nach dem anderen ab. Am besten symbolisierte wohl der Kracher Back From Hell – vom gleichnamigen neuen Album, das die Band übrigens noch vor dem eigentlichen Release-Date schon zum Verkauf anbot – den extrem kurzweiligen Auftritt und die (gelungene) Wiederauferstehung dieser genialen Band! Aber auch I’m Not Insane, bei dem Sänger Brian Ross sehr schön den Verrückten mimte oder auch Dog City konnten restlos überzeugen. Vor der Bühne hatten sich derweil reichlich Anhänger der True/Heavy Metal-Fraktion eingefunden, die während der Auftritte von Blitzkrieg und den zwei folgenden Bands für mächtig Stimmung sorgten und den Lautstärke- sowie Alkoholpegel auf einem konstant hohen Level hielten.

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Enforcer

Enforcer aus dem schwedischen Arvika, die ich schon eine ganze Weile (bzw. zu lange) nicht mehr live gesehen hatte, behaupteten im Anschluss das Heavy Metal-Banner für sich.

Ebenfalls mit einem neuen aktuellen Album im Gepäck (namentlich Death By Fire) konnten die Jungs um Fronter Olof Wikstrand, bei denen auch das Posing für Fans und Fotografen keineswegs zu kurz kam, mühelos an die gute Stimmung bei vorherigen Band Blitzkrieg anknüpfen.

Vor allem der neue Song Mesmerized By Fire setzte sich bei vielen Anwesenden in den Gehörgängen fest und wollte gar nicht mehr heraus, aber auch Stücke wie Take Me Out Of This Nightmare oder das starke Death Rides This Night blieben in guter Erinnerung.

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Steelwing

Ebenfalls aus Schweden war die dritte Heavy Metal Band des Tages angereist: Steelwing!

Die Göteborger Formation um Sänger Riley Erickson ließ nichts anbrennen und feuerte augenblicklich aus allen Ohren. Vor allem der Publikumsliebling The Hunter und Full Speed Ahead vom aktuellen Silberling Zone of Alienation sind hier positiv hervorzuheben. Auch das ausgelassene Posen und fleißige Headbangen (vor und auf der Bühne) kam natürlich während des gesamten Auftritts nicht zu kurz.

Im Vergleich zum letzten Auftritt von Steelwing, bei dem ich live dabei war (2010 als Vorband von Blind Guardian), klang der Gesang von Riley deutlich kraftvoller und auch die übrigen Bandmitglieder machten einen viel routinierteren Eindruck als noch vor drei Jahren.

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Hell

Zum Co-Headliner, der britischen Heavy Metal Band Hell, muss ich etwas mehr ausholen. Zwar wurde Hell schon 1982 inmitten der New Wave Of British Heavy Metal gegründet, jedoch dauerte es mehrere Jahre, in denen die Band vier Demos und eine EP veröffentlichte, bis schließlich 1986 ein Vertrag für ein erstes Album mit einem Label unterschrieben wurde. Dieser platzte jedoch und nur ein Jahr später beging Gründungsmitglied Dave Halliday, seines Zeichenes Sänger und Gitarrist der Band, Suizid. Die Band löste sich daraufhin auf.

HellErst 2008 rauften die verbliebenen drei Gründungsmitglieder (Gitarrist Kev Bower, Bassist Tony Speakman und Schlagzeuger Tim Bowler) sich wieder zusammen. Als neuer Gitarrist stieß Andy Sneap dazu, der als Jugendlicher beim ehemaligen Sänger Halliday Gitarrespielen gelernt hatte. Mit David Bower wurde 2010 das Line-Up komplettiert und endlich konnte das Debüt-Album von Hell erscheinen: Human Remains, von dem auch das schaurig-schöne Intro sowie der gelungene Opener Let Battle Commence stammten. Den Auftritt auf dem Turock Open Air nutzten Hell erstaunlicherweise nicht wirklich, um die Werbetrommel für das kommende zweite Album Curse and Chapter zu rühren, da außer dem neuen Song The Disposer Supreme alle gespielten Stücke vom ersten Album stammten.

David Bower, der sich im Verlauf des Auftritts als regelrechtes Schauspiel-Talent und geborener Entertainer entpuppte, begrüßte die Menschenmenge auf dem Viehofer Platz sichtlich amüsiert mit den Worten: “Funny Germans, you invited a band called Hell on a sunday to play near a church?” [Anm.: Direkt neben der Bühne steht die St.-Gertrud-Kirche]. Wären katholische Geistliche bei dem Auftritt dabei gewesen, hätte der Auftritt von Hell sicherlich zu einigen Kontroversen geführt. So peitschte sich David Bower, der mit seinem Dornenkranz auf dem Haupt schon als Jesus-Darsteller durchging, im Verlauf des Auftritts auch noch – sehr zur Freude der Fans – kräftig aus, so dass das (Kunst)Blut nur so spritzte.

Zwar stand Frontmann David gewissermaßen schon sehr im Fokus (gegen Ende des Auftritts kam er auch noch mit einer Pestmaske und in eine lange Kutte gekleidet auf die Bühne), jedoch konnte man nicht behaupten, dass er den übrigen Bandmitgliedern die Show stahl. Im Gegenteil: Die anderen vier Bandmitglieder, alle einheitlich in weiß geschminkt, performten ebenfalls was das Zeug hielt und boten für Fans und Fotografen gleichermaßen eine geile Show. Das Lauschen der Musik kam angesichts einer solch atmosphärischen Show, wie sie die Band Hell ablieferte, fast zu kurz. Auch wenn im Grunde alle Songs beim Publikum gut ankamen, so muss man doch den Gassenhauer On Earth As It Is In Hell besonders hervorheben.

Setlist:

Overture: Themes from “Deathsquad”
Let Battle Commence
The Quest
The Oppressors (Race Against Time Cover)
Blasphemy and the Master
On Earth as It Is in Hell
The Devil’s Deadly Weapon
The Disposer Supreme
Plague and Fyre
Outroduction

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Grand Magus

Nach diesem großartigen Heavy Metal-Quartett (noch einmal zur Erinnerung: Blitzkrieg, Enforcer, Steelwing und Hell auf einer Bühne, für Umme – wie sollte man das noch toppen?) lag es an Grand Magus, die Stimmung hochzuhalten.

Grand MagusTrotz des Genres-Wechsels (statt klassischem Heavy Metal wurde jetzt feinster schwedischer Doom bzw. Stoner Metal geboten – zugegeben, ein bisschen Heavy Metal kann man auch bei Grand Magus durchaus noch heraushören) schafften es die Nordmänner um Fronter Janne „JB“ Christoffersson ohne Probleme, den Viehofer Platz noch ein letztes Mal zum Kochen zu bringen, auch wenn man nicht wenigen Besuchern mittlerweile ansah, dass sie drei anstrengende Festivaltage in den Knochen hatten.

Mit Kingslayer vom 2005er Album Wolf’s Return wählten Grand Magus zunächst einen alten Song als Opener, doch mit Sword Of The Ocean folgte im Anschluss gleich ein wuchtiges neues (Meister)Werk vom aktuellen Album The Hunt.

Im Verlauf des Auftritts bekamen die Fans schließlich einen Querschnitt durch die letzten drei Alben (namentlich Iron Will, Hammer Of The North und The Hunt) mit klasse Stücken wie Valhalla Rising, Silver Into Steel oder Ravens Guide Our Way geboten. Irgendwann ist aber auch das schönste Festival einmal vorbei und so ging mit der Zugabe Hammer Of The North vom gleichnamigen Album dann auch der letzte Tag der dreitägigen Metal-Party zu Ende.

Setlist:

Kingslayer
Sword of the Ocean
I, The Jury
Ravens Guide Our Way
Silver Into Steel
Starlight Slaughter
Wolf’s Return
Like the Oar Strikes the Water (mit Drum Solo)
The Hunt
Valhalla Rising
Iron Will

Zugabe:
Hammer Of The North

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Im Grunde bliebe nun nichts weiter übrig, als Veranstalter Peter Siewert und seiner Turock-Crew für das geile Open Air für Lau (!) zu danken und auf eine ebenbürtige Wiederholung im nächsten Jahr zu appellieren, doch muss an dieser Stelle noch auf zwei unschöne Randnotizen eingegangen werden:

Darüber, dass die Musiker von Blitzkrieg kurzzeitig von der Polizei als Taschendiebe verdächtigt wurden, lässt sich noch schmunzeln. Ein absolutes Unding ist hingegen, dass einige Kriminelle die friedliche Metal-Sause dazu nutzten, um gezielt mit Falschgeld zu bezahlen und nach Ende des Festivals auch noch Pfand-Fässer im Wert von über 1500 Euro mitgehen zu lassen. Hoffentlich kommt so etwas nicht wieder vor, damit das Stadtfest Essen Original auch in Zukunft weiterhin mit der Metal-Stage des Turock bereichert wird.

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2 Kommentare

  1. Hell waren so verdammt geil!
    Schade, dass dieses Jahr Iced Earth für das Turocj Open Air abgesagt haben 🙁

    • Wie Recht du hast! Ja, das mit Iced Earth ist natürlich sehr schade, aber es wird sicher ein guter Ersatz gefunden!

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