Burgfolk 2016

Mit dem 15. Burgfolk Festival im Schloss Broich in Mülheim, das in diesem Jahr am 19. und 20. August 2016 über die Bühne ging, endete eine kleine Ära. Aufgrund rückläufiger Einnahmen war schon im Vorfeld durch die Veranstalter verkündet worden, dass es in naher Zukunft keine weiteren Burgfolk-Festivals mehr geben wird. Dies ist offenkundig sehr schade, denn im Vergleich zu etlichen anderen Mittelalterveranstaltungen habe ich das Burgfolk immer vorgezogen, da die Atmosphäre im markanten Schloss Broich einfach viel authentischer und regelrecht prädestiniert für ein Open Air dieser Art war.

Ein Ende bietet jedoch auch immer die Möglichkeit zurückzublicken. In diesem fall auf fünf Jahre, in denen ich das Burgfolk stets als ein Highlight im jährlichen Festivalkalender betrachtet habe. Welch tolle Konzerte habe ich während dieser Zeit in Mülheim erlebt: Szenegrößen des Mittelalterrocks wie Subway To Sally, Saltatio Mortis, Celtica oder die anfangs noch unbekannteren Spaßbacken von Feuerschwanz gaben sich hier genauso die Mikros in die Hand wie die ein oder andere waschechte Metalband. In bester Erinnerung geblieben sind mir etwa die Auftritte von Heidevolk oder Alestorm. Garniert wurden die Festivals häufig durch ruhigere oder exotischere Klänge – etwa von Omnia oder Faun – sowie gerne auch mal feinem Irish Folk oder Country Rock. In diesem Kontext muss man logischerweise die Konzerte von den Irish Bastards, Fiddler’s Green oder Ski’s Country Trash anführen. Dazu kam stets ein hochkarätiges Vorprogramm aus teilweise (noch) unbekannteren aber ebenfalls stets wahnsinnig guten Bands wie Heimataerde, Mr. Hurley und die Pulveraffen, Versengold, Vogelfrey, Vroudenspil und wie sie alle hießen… Man kann der Crew um Michael Bohnes daher abschließend nur für die vielen tollen Momente auf Schloss Broich danken!

Warum das oft zitierte Festivalsterben in der Region auch vor dem von vielen Besuchern sehr geschätzten Burgfolk nicht Halt macht, wurde leider vor allem im Verlauf des zweiten Tages sichtbar, als sich der Burghof bis zum Headliner nicht so recht füllen wollte. Aber auch am ersten Tag wurde es erst abends zum Headliner Saltatio Mortis erkennbar voller. Natürlich könnte man sich nun über die Bandauswahl streiten. Russkaja als Samstagsheadliner waren sicher nicht jedermanns Geschmack und es ist ein offenes Geheimnis, dass einige Die-Hard-Fans stets nur zu den Headlinern, ihren jeweiligen Lieblingsbands, erscheinen, aber auch die übrigen Bands an beiden Tagen hätten definitiv mehr Zuschauer verdient. Gerade in Zeiten klammer Stadtkassen finanziert sich ein Festival allerdings nicht aus Konjunktiven, guten Absichten und erhofften Besucherzahlen. Insofern ist der Schlussstrich leider nachvollziehbar. Zumindest das Schwesterfestival Castle Rock wird der Stadt Mülheim und der Szene vorerst ersthalten bleiben.

Obgleich das gesamte Festival über ein bisschen Wehmut in der Luft lag, ließen sich die Bands allesamt nicht lumpen, sondern lieferten zwei Tage lang einen gelungenen – letzten – Festivalakt ab. Am frühen Nachmittag des ersten Festivaltages spülten zunächst Reliquiae mit ihrem druckvollen Mittelalterrock die Gehörgänge frei, ehe die Freibeuter von Pyrates! die Bühne für ihren unterhaltsamen Piratenfolk enterten. Nachdem es im Anschluss bei Ambient Folkrock von FolkNoir schließlich etwas ruhiger und nachdenklicher zuging, ließen es die famosen Spielleut von Saltatio Mortis zum Ausklang am Abend dann noch einmal so richtig krachen und fegten mit allerlei Pyrotechnik und der geballten Hit-Dichte ihrer Songs jegliche Trübsal davon. Dass der Himmel am Freitagabend kurz vor Ende des Auftritts von Saltatio Mortis ob des letzten Burgfolk-Festivals kräftig weinen musste und seine Tränen literweise auf die Erde prasseln ließ, sei an dieser Stelle nur der Vollständigkeithalber erwähnt.

Mit Mittelalter- bzw. Folkrock ging es auch am Samstagmittag munter weiter, als Krayenzeit den zweiten Tag des Burgfolk eröffneten. Im weiteren Verlauf waren schließlich Mythemia, die ihren Mittelalterrock um allerlei mythische Klänge und Elemente erweitern, The Aberlours, eine der wenigen auch international bekannten deutschen Celtic Rock Bands sowie Ingrimm an der Reihe, von deren rockigen Mittelalterhymnen sich der geneigte Burgfolk-Besucher schon 2012 überzeugen konnte.

Als ein weiterer Höhepunkt darf natürlich der Auftritt von Ski’s Country Trash nicht unerwähnt bleiben: Die tiefe Stimme des gebürtigen Amerikaners Ski King, der auch der Gothic-Band Beloved Enemy seinen unvergleichlichen Stempel aufdrückte, wird bei Ski’s Country Trash durch feinsten Rock’n’Roll und – manch einer mag sich vielleicht noch an den Auftritt 2014 erinnern, als die zierliche Lea Randella ihr Kontrabass als Rodeo-Pferd zweckentfremdete – sehenswerte Performance ergänzt.

Co-Headliner am Samstag waren die Irish-Folk-Musiker von Rapalje aus den Niederlanden, die ihrem Ruf als erstklassige Live-Band gerecht wurden und einen „heiter bis folkigen“ Gig spielten, ehe das Burgvolk sich für den Samstagsheadliner Russkaja einstimmte. Die österreichischen Rabauken von Russkaja, die bereits im letzten Jahr an gleicher Stelle aufgetreten waren, brachten auch dieses Mal mit ihrem einmaligen und unnachahmlichen Mix aus Rock, Ska, Punk, Polka und einer Prise russischer Musik die Burgmauern zum Beben und animierten das Burgvolk zum ausgelassenen Tanzen – Psycho-Traktor-Pit inklusive.

Auch wenn die tatsächlichen Besucherzahlen vermutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben sein dürften, so stellte das letzte Burgfolk dennoch einen (denk)würdigen Abschluss dar und ließ auch in diesem Jahr die Herzen von Folk-, Mittelalerrock- und Polka-Metal-Fans – zumindest von denen, die vor Ort waren – höher schlagen!

Hier folgen nun Fotos von allen Bands in chronologischer Reihenfolge:

Reliquiae

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Pyrates!

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Folk Noir

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Saltatio Mortis

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Krayenzeit

 

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Mythemia

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The Aberlours

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Ingrimm

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Ski’s Country Trash

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Rapalje

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Russkaja

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