Burgfolk 2012 – Tag 2

Burgfolk 2012 - Tag 2

Der zweite Tag des Burgfolk Open-Airs am 18.08.2012 trumpfte nicht nur mit sieben abwechslungsreichen Bands, sondern auch mit enorm heißen Temperaturen auf. Von eher klassischen mittelalterlichen Klängen von Versengold, über einen frischen Mix aus Mittelalterrock und Metal vorgetragen durch Vogelfrey und Ingrimm sowie irisch angehauchten Folkrock von Mr. Irish Bastard bis hin zu Celtic Rock von Cromdale wurde den Besuchern wieder ein breites Spektrum an musikalischer Vielfalt geboten. Highlights waren zum einen der Headliner Saltatio Mortis aber auch die amerikanische Formation Celtica mit ihrem außergewöhnlichen Pipes Rock.

Vogelfrey

VogelfreyWährend auf der Bühne die Arbeiten für die erste Band liefen, füllte sich der Innenhof, der in der prallen Mittagshitze so gut wie keinen Schatten bot, nur recht langsam. Die meisten Besucher, die ab 12:15 Uhr Schloss Broich betraten, suchten sich vorerst ein schattiges Plätzchen in der Nähe der Getränkestände oder im angrenzenden MüGa-Park. Als schließlich um 13 Uhr die Hamburger Folk Metal-Band Vogelfrey loslegte, hatten sich gerade mal einige Reihen von augenscheinlich hitzeresistenten Fans vor der Bühne versammelt.

Schon mit dem Opener Düsterpflicht machte die Formation jedoch alles richtig. Sobald das Intro verklungen war, feuerte Sänger Jannik Schmidt augenblicklich die Besucher an, die auch gleich die Fäuste in die Lüfte reckten. Musikalisch bestimmten zwar vor allem Cello und Geige das musikalische Klangbild, in Kombination mit dem vielseitigen mal tiefen, mal klaren Gesang von Jannik sowie den gängigen Rock-Instrumenten Gitarre, Bass und Schlagzeug erschuf die Band jedoch eine geniale Mischung aus Mittelalterock, Folk und Metal, die von Anfang an zu begeistern wusste. Während den Gesangspausen im ersten Lied sorgte Jannik, der überhaupt sehr agil auftrat, mit einer fanfarenartigen Flöteneinlagen für noch mehr Aufsehen, so dass es auch nicht verwunderte, dass kontinuierlich mehr Besucher vor die Bühne pilgerten.

Mit 6 Vaganten, das für die sechsköpfige Band, auch bekannt als “Pakt der Geächteten”, stand und gleichzeitig mit einem super Refrain im Ohr hängen blieb sowie Schuld ist nur der Met, bei dem die Fans fleißig mitsangen, ging es Schlag auf Schlag weiter. Danach wurde es Zeit, etwas Werbung für das aktuelle Album 12 Schritte zum Strick zu machen, das Sänger Jannick in gespielter Verwirrung mit “12 Tritte im Schritt oder so ähnlich” vorstellte. Galgenvogel, das nächste gespielte Stück, bei dem Jannick auch noch zur Mandoline griff, stammte – wie übrigens auch die drei vorherigen Songs – vom eben erwähnten Album.

Anschließend offenbarte Jannick: “Wenn ich gefragt werde, was meine Lieblingshobbys sind, sage ich natürlich Saufen, aber auch Lindwurmtöten.” Kenner der Band wussten sogleich, dass nun das Lindwurm-Massaker folgte. Nach dem herrlichen Stück Feenfleisch kündigte die Band an, auf der Aftershowparty im TIC zugegen zu sein und dort noch einige andere Songs zu spielen, bevor sich der kurzweilige Auftritt mit Heldentod auch schon wieder dem Ende entgegen neigte. Zum Ausklang begab sich die Band mit den Fans zum Lied Tusch gedanklich in einen Circus, bei dem sich einige Fans trotz der Hitze in den Armen lagen und tanzten. Genau wie Punch’n’Judy am ersten Tag des Burgfolk machte auch Vogelfrey ein verdammt guten Job als Opener und die Hamburger dürften sicherlich einige neue Fans – mich eingeschlossen – dazugewonnen haben.

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Cromdale

Wie schon am Vortag kam Veranstalter Michael Bohnes vor der zweiten Band auf die Bühne. Bevor er die Celtic Rocker von Cromdale, die bereits 2005 auf dem Burgfolk auftraten, auf die Bühne rief, kündigte er jedoch zur Freude der Besucher an, dass man nach den ersten drei Liedern, wenn die Fotografen den Graben wieder verlassen hätten, Wasser zur Abkühlung in die Menge sprühen würde.

Auf den Auftritt von Cromdale freute mich besonders, da ich die Band – obgleich ich ihre Alben schon seit einer gefühlten Ewigkeit höre – zuvor noch nie live gesehen hatte. Unter kräftigen Trommelschlägen betraten die Musiker um Sänger und Gitarrist Thomas die Bühne, auf der sich übrigens auch ein schottischer Zweihänder (das Claymore-Schwert), dem die Band ihren Namen verdankt, befand. Während Dudelsackspieler Madiel mit seinem Instrument dazustieß, klatschten alle Bandmitglieder im Takt, um die Besucher ebenfalls zum Klatschen zu animieren, ehe der der Ohrwurmsong Claymore an Fahrt aufnahm. Zwar war es immer noch nicht wirklich voll auf dem Schlosshof, aber es füllte sich stetig weiter und die bereits anwesenden Fans gingen von Beginn an gut ab.

CromdaleAuch das flotte Heyho (Dance Of The Fairies) – ein waschechter Klassiker – sorgte für reichlich gute Laune bei den Besuchern. Nachdem Cromdale ihren Auftritt gewissermaßen mit zwei “Pflichtstücken” eingeleitet hatten, folgte mit Salvation ein neues, vielversprechendes Lied vom kommenden Album Lost Souls, das noch diesen Herbst erscheinen soll.

Vor dem nächsten Lied wurde scherzhaft jemand gesucht, der des Lateinischen mächtig war, damit er oder sie auf die Bühne kommen und die lateinischen Texte simultan übersetzen konnte. Hier bewies sich allerdings wieder einmal, warum Latein als “tote” Sprache gilt. Wie dem auch sei: Dass es in dem Song Gaudete um das Freuen ging, konnte man auch mit spärlichen Lateinkenntnissen verstehen.

Die nächsten beiden neuen Stücke, die ebenfalls auf dem eben bereits erwähnten neuen Album zu finden sein werden, wurden zwei bestimmten Berufsgruppen gewidmet. Teachers Grave spielten Cromdale “für alle, die Lehrer noch nie leiden konnten” und das  Stück Say No widmeten Cromdale “allen Chefs, die immer das Letzte aus einem rausdrücken wollen.”

Danach verkündete Madiel, dass auch Cromdale mit I Know I Have To Die (vom allerersten Album After Years aus dem Jahr 2001) ein Mitmachlied im Repertoire hätten. Da die Band nicht mehr viel Zeit mit langen Ansagen verplempern wollte, machte Madiel die zum Refrain passenden Bewegungen einmal in aller Schnelle vor. Manch einer war angesichts des zügigen Bewegungsablaufs zunächst etwas überfordert, während das Lied gespielt wurde, lernten die Besucher, die das Prozedere noch nicht kannten, die entsprechenden Schritte allerdings spielend leicht. Die Lautstärke des Fangesangs während des extrem stimmigen Refrains war angesichts der Tatsache, dass es immer noch nicht sonderlich voll war, schon sehr beachtlich.

Dann war es auch schon Zeit für eine letzte Ansage (“Wollt ihr noch eins, wir dürfen auch nur noch eins”), ehe der spaßige Auftritt mit To My Horizon endete. Ein wenig schade fand ich es schon, dass Cromdale nicht etwas mehr Spielzeit zur Verfügung hatten, denn genug weitere gute Lieder (allen voran Olga) finden sich auf ihren Alben. Aber so oder so war das ein klasse Auftritt und die Besucher wurden mit dem fröhlichen Celtic Rock und der versprochenenen Wasserabkühlung vollends zufriedengestellt.

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Ingrimm

Mit Ingrimm aus Regensburg stand im Anschluss die vermutlich härteste Band des diesjährigen Festivals auf der Bühne. Nach dem Intro begann der Auftritt mit Eisenwind, das von Fronter Fenris mit einem fetten Growl eingeleitet wurde, während die “namenlose” Geigerin, die auch auf der Bandhomepage nicht als Mitglied aufgeführt ist, durch wildes Headbangen die Blicke auf sich zog. Die männlichen Bandmitglieder hatten sich dafür in aufwändige Harnsiche gekleidet. Ansonsten bestimmten heftige Doublebass-Attaacken und virtuoses Spiel an den Saiteninstrumenten sowie der Drehleier die Musik von Ingrimm.

IngrimmWährend des ersten Songs im Fotograben hatte ich mich schon die ganze Zeit gefragt, an welche Band mich der Sound erinnerte – beim klasse Stück Tempus Fugit wurde es mir dann schlagartig klar: Die raue Stimme, der kraftvolle Sound und zumindest bei diesem Song auch die lateinische Phrase wiesen entfernte Ähnlichkeiten mit In Extremo auf. Ich möchte jedoch betonen, dass Ingrimm beileibe keine Kopie einer Band darstellten, denn dafür war ihre Musik ohne Frage viel zu innovativ und eigenständig. Auch Pest und Der letzte Tanz überzeugten im Anschluss wieder mit abwechslungsreichem Gesang, harten Riffs und treibenden Drums gefühlvoll untermalt durch Dudelsack und Geige.

Vor Der Tagedieb ergriff Fenris das Wort und erklärte, dass zu dem Lied auch ein Video gedreht wurde, das doch bitte jeder anschauen und “liken” solle (auch dann wenn es einem nicht gefalle). Nach diesem Lied verließ die Geigerin übrigens die Bühne, so dass die folgenden Songs nur noch von einem Dudelsack begleitet wurden. Außerdem stellte Fenris klar, dass die Band aus Bayern kommt und es dort nur Bier zu trinken gibt. Mit Skudrinka folgte dazu passend ein altes Trinklied mit zum Teil lateinischen Versen, das zum Klatschen, Tanzen, Abgehen (und natürlich auch zum Trinken) einlud.

Daraufhin fragte Fenris “Wollt ihr es laut? Wollt ihr es schnell? Wollt ihr es böse?” worauf die Fans drei Mal mit einem lauten “Ja” antworten. Dann bekamen die Besucher des Burgfolk auch einen richtigen Knaller um die Ohren gefeuert: Diaboli. Bei diesem teuflischen Song wurden die Fans auch wieder zur Abkühlung nass gemacht.

Mit den ordentlichen Stampfern Lumpenpack und Teufelsweib, bei denen die Band auch wieder von der Geigerin begleitet wurde, sowie Sag mir nicht endete der Auftritt einer Gruppe, die ich all jenen Menschen ans Herz legen kann, denen klassische Mittelaltermusik zu gemächlich und ausgelutscht ist. Live waren Ingrimm eine Wucht!

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Mr. Irish Bastard

Mit Mr. Irish Bastard und ihrem Mix aus Folk und Punk wurde es anschließend wieder etwas weniger hart, aber nicht unbedingt langsamer. Vor kurzem hatte ich die münsteraner Truppe um Sänger und Akustikgitarrist “The Irish Bastard” noch beim Devil Side Open Air in Oberhausen gesehen, wo sie es – trotz recht früher Spielzeit und Exotenstatus – mühelos schafften, für Stimmung zu sorgen.

Zum Burgfolk passte der Irish-Folk-Punk von Mr. Irish Bastard natürlich viel eher als zum Devil Side, wo primär dem Metalgott gefrönt wurde. Somit konnte auch hier auf die gute Stimmung gehofft werden. Ich fand sie auch alles andere als schlecht, dem Sänger war der Platz, der in der prallen Sonne lag, jedoch noch nicht voll genug, weshalb er nach den ersten gute-Laune-Songs wie This Wor, I Smell The Blood und Galway Bay deutliche Worte fand, die ich hier im ungefähren Wortlaut wiedergebe: “Ich sehe da eine klaffende Lücke… Wollt ihr Heavy Metal-Teufel lieber im Schatten stehen, ihr fauligen Bierbauchklammernden Arschlöcher?!” Außerdem schob er nach, dass er sich ausziehen würde, sollte der Platz sich nicht weiter füllen. Da viele Besucher trotzdem weiter im Schatten blieben, ergänzte er: “Eure Leidensfähigkeit ist offenbar größer als der Drang zur Sonne!” Diese Ansagen waren mindestens ebenso kurzweilig wie die Stücke, zu denen die Fans vor der Bühne sprangen und klatschten.

Mr. Irish BastardGenerell muss man festhalten, dass die Songs von Mr. Irish Bastard live noch deutlich lebendiger rüberkamen als auf CD. Nach dem flotten Song Building Up And Tearing England Down erkannte nun auch Mr. Irish Bastard himself, dass es verdammt heiß und deshalb Zeit für eine langsame Nummer war. Mit den “Schattenmenschen” war aber immer noch nicht gut Kirschen essen (“Mit euch hab ich eh abgeschlossen!”). Beim gemächlichen Ghosttrain konnten die Fans sich also etwas erholen, bevor es mit 40 Something Street wieder schneller wurd. Rund ging es daraufhin auch beim kurzweiligen You Spin Me Round.

Anschließend wollte Fronter Mr. Irish Bastard mit den Fans die Phrase “Last Pints On Me” einstudieren, die Besucher waren jedoch augenscheinlich vielmehr an nackter Haut interessiert, weshalb sie lieber lautstark “Ausziehen! Ausziehen!” riefen. Mr. Irish Bastard lachte nur, drehte sich mit dem Hintern zum Publikum und zeigte seinen blauen Schlüpfer, womit er die Meute zumindest ansatzweise zufriedenstellen konnte. Mr. Irish Bastard konnte jedoch nicht nur mit Sprüchen austeilen, sondern gab sich auch sehr selbstironisch, in dem er ergänzte: “Unser letztes Lied höre ich gerade – weil mein Arsch so viel Platz aufgenommen hat.” Er forderte jetzt noch einmal die volle Unterstützung, damit endlich Last Pints mit entsprechendem Fangesang gespielt werden konnte.  Mitten im Song rief er plötzlich “Stopp!” und es erklang die Melodie von MC Hammers Can’t Touch This. Hier machte er Werbung für die sieben Konzerte, die die Band im Herbst mit In Extremo spielen wird und dankte den Besuchern (“Ihr wart großartig! Die meisten von euch waren großartig!”) . Dann bekamen die Fans noch einmal Gelegenheit beim Ende von Last Pints laut zu werden, ehe der Auftritt mit Stupid Bastards sein Ende fand.

Fans von Flogging Molly, Dropkick Murphys und Artverwandten wurden vermutlich am meisten von der Musik von Mr. Irish Bastard angesprochen, aber die sympathische Truppe aus Münster hatte mit ihrem lebhaften Auftritt sicher auch den ein oder anderen Liebhaber anderer Genres wie etwa Mittelalterrock als Fan dazugewonnen.

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Versengold

Bei der nächsten Band Versengold war vieles anders als gewohnt. Diese Formation unterscheidet sich nämlich in mehreren Hinsichten von vergleichbaren Mittelalterbands. Zum einen schreiben Versengold ausnahmslos alle Songs selbst, gecovert wird bei ihnen nicht. Zum anderen verzichten sie auf ein Schlagzeug und greifen lediglich auf eine große Trommel mit Fußpedal sowie eine Handtrommel (Bodhrán) zurück. Als Ausgleich für das fehlende Schlagzeug fanden dafür noch reichlich andere Instrumente wie z.B. Flöten, Cistern, verschiedenste Gitarren, eine Nyckelharpa sowie eine Bouzouki Verwendung.

Auch gab es kein einleitendes Intro, sondern die beiden Geiger Hengest der Lange und Honza Sturmgemüt betraten ihre beiden Instrumente bespielend einfach die Bühne, gefolgt von Frontmann Snorre Snoerkelfrey, der den Auftritt mit den Worten “Jetzt ist Zeit für Mittelalter-Folk!” eröffnete.

VersengoldBereits die ersten zwei Lieder Voll wie mein Krug und der Klassiker vom ersten Album In einem Meer aus Wein (mit dem “extrem komplexen” Refrain “lalala”, der auf der Rückseite einer Gitarre angebracht war, damit sich auch ja keiner “versingen” konnte) verdeutlichten, dass sich bei Versengold viel (wenn auch nicht alles) ums Trinken dreht.

Alle Bandmitglieder waren mittelalterlich gewandet und zeigten sich sehr routiniert, aber vor allem Frontmann Snorre Snoerkelfrey hüpfte ausgelassen über die Bühne und bewegte sich bei den ersten Saufliedern nicht nur torkelnd sondern lallte auch gelegentlich. Glücklicherweise ließ er das Publikum auch an seinen Lebensweisheiten teilhaben: “Prost, man soll ja auch viel Trinken bei Hitze, hab ich gehört.” Generell hatten die Männer von Versengold stets einen flotten Spruch auf Lager – zu nennen ist hier u.a. folgender: “Das hier ist doch das Festival der angehenden Vampire oder?” bevor eine Sonnencreme ins Publikum gereicht und ergänzt wurde: “Aber keine Schweinereien machen, nur Eincremen!”

Vor Drei Weiber erzählten Snorre und Pinto von Frohsinn eine kleine Geschichte, doch zunächst wollte sich letzterer von einigen Stoffschichten befreien, was die Fans mit einem lauten  “Ausziehen! Ausziehen!” kommentierten. Bei den drei Weibern von denen jeweils eine pro Strophe thematisiert wurde, handelte es sich – so erklärte es die Band – um Metaphern für Bier, Wein und das dritte sollten die Besucher selbst erraten.

Zum neuen Stück Im Namen des Folkes holte Frontmann Snorre etwas weiter aus. So verriet er, dass das neues Album auf den gleichen Namen hören wird, wie das Lied und dass es im November diesen Jahres erscheinen soll. Damit auch jeder die kreative Formulierung verstand, wurde noch ein Schild (“Gott sei Dank halte ich es dieses Mal richtig herum”) mit der Phrase gezeigt. Mit Und schon wieder rollt ein Kopf, Wem? Uns! und – wie könnte es auch anders sein – mit einem expliziten Trinklied Ich und ein Fass voller Wein rundeten Versengold ihren Auftritt ab.

Am Auftritt von Versengold schieden sich ein wenig die Geister. Einige monierten, dass der Musik ohne Schlagzeug etwas fehlte und dass die Band zu viel zwischen den Liedern gelabert hatte, viele andere waren hingegen der Meinung, dass die Band inhaltlich und musikalisch mit am besten zum Burgfolk gepasst hatte. Da die Band nach 2010 bereits zum zweiten Mal dabei war und zudem auf eine beachtliche Fanbase setzen konnte, die vor der Bühne für ordentlich Stimmung sorgte, war der Auftritt von Versengold aber alle Mal sehens- und vor allem hörenswert.

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Celtica

Zu Celtica muss ich wenig mehr ausholen. Die Truppe, die ihre Musik selbst als “Pipes Rock” bezeichnet, verknüpft schottischen Dudelsacksound mit treibenen Riffs und hämmerndem Schlagzeugspiel und dass, obwohl nur ein Bandmitglied (nämlich Sackpfeifer Duncan Knight) tatsächlich aus den schottischen Highlands stammt. Die übrigen Mitglieder kommen aus den USA (Dudelsack-Trainerin Gwendolen Rowe aus Kalifornien und Bassist Harry Weinkum aus Phoneix) sowie aus Österreich (Lukas Rausch am Schlagzeug, Gajus Stappen an der Gitarre und Josy Svajda an der Percussion).

CelticaWie für schottische Dudelsackmusik üblich, kommt die Musik von Celtica ohne viel Gesang aus. Die eigenen Kompositionen sind rein instrumental, lediglich die Cover verfügen über gesungene Passagen.

Doch genug der einleitenden Worte: Zunächst begannen drei Musiker auf einzelne Trommeln einzuschlagen und schufen so einen militärischen Marschierrhythmus. Nach der Ansage “Please welcome aboard: Celtica!” setze die Dudelsackmusik des Openers Cape Horn von Oceans Of Fire, dem aktuellen zweiten Album der Band, ein. Die  geballte Kraft der zwei Dudelsäcke, einem Keyboard sowie Bass, Gitarre und Schlagzeug ging augenblicklich in Mark und Bein. Treibend, energisch, schottisch regte die Musik zum Abgehen an. Auch Gravel Walks, Itchy Fingers (vom ersten Album Rising), Jolly Roger sowie The Last Voyage Of The Great Michael bildeten hier keine Ausnahme.

Auf die Ansage “We also like to drink in Scotland” folgte Have Some Whisky, zu dem die Band noch einen  kleinen Tanz mit den Besuchern einstudierte. Im Anschluss an Between The Devil And The Deep Blue See konnte Celtica mit einer traditionellen Version von What Shall We Do With The Drunken Sailor bei der die Fans endlich auch mitsingen konnten auch die letzten Kritiker überzeugen.

Zum wieder rein instrumentalen Stück Fire präsentierte Josy eine kleine Feuerjonglage, bevor sich das Konzert mit Cork Hill, White Whale, The Piper And The Mermaid und dem herrlichen Thunderstruck, das zunächst ohne Dudelsäcke auskam und am Ende in Highway To Hell von ACDC überging, auch schon wieder mit schnellen Schritten dem Ende  entgegen. – Flammen an Bass / Git?

Die Highlights hatte sich Celtica jedoch fürs Ende aufgehoben. Mit dem Deep Purple-Cover Smoke On The Water, bei der Bass und Gitarre noch einmal als Flammenwerfer herhalten mussten sowie der hervorragenden Zugabe (einem Medley aus Queens We Will Rock You und I Love Rock’n’Roll das ursprünglich von Arrows stammt) schloss sie Band ihren Auftritt ab und hinterließ viele strahlende Gesichter.

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Saltatio Mortis

Scheinbar zieht es den Headliner Saltatio Mortis alle zwei Jahre nach Schloss Broich. Denn die die Mittelalter Rockband war nach 2006, 2008 und 2010 in diesem Jahr bereits zum vierten Mal auf dem Burgfolk. Dass sie zurecht der Headliner des zweiten Tages waren, stellten sie schon mit den ersten Songs Ode an die Feinschaft sowie Habgier und Tod (beide vom aktuellen elften Album Sturm aufs Paradies) unter Beweis. Und einen Sturm trat die Formation um Sänger und Publikumsliebling Alea der Bescheidene, der wie üblich wie ein wilder Samurai über die Bühne fegte, auch in der Tat los.

Saltatio MortisDie Band hatte das Publikum von Beginn an voll im Griff, allerdings lieferte sie auch einen guten Song nach dem anderen ab. Nach Hochzeitstanz, wo wirklich alle Arme in der Luft waren, erklärte Alea: “Anders sein ist auch Scheiße. Wir leben in einem Land, in dem wir voller Stolz sagen können: Uns gehört die Welt.” Im Anschluss an den gleichnamigen Song rief Alea erstaunt: “Wahnsinn, dass ihr nach so einem heißen Tag noch stehen könnt!” Und auf eine kleine Tonstörung im Schlagzeug improvisierte er ganz cool: “Wir wollen mal Industrial probieren. Wir haben viel Geld für den Effekt bezahlt!”

Natürlich durften die üblichen Saltatio Mortis-Rufe zwischen den Songs nicht fehlen. Es war aber echt bemerkenswert, wie gut das Publikum nach der Hitze und dem ganzen Alkohol noch auf Zack war. Es gab sogar noch einige freie Plätze auf den sonst immer dicht besiedelten Festzeltgarnituren. Dies sprach eindeutig für die Live-Qualitäten der Band, die live einfach noch mehr Energie verbreitet als auf CD.

Nach Koma erklärte Alea, dass er vor dem Auftritt ein Gaffatape entdeckt hatte, auf dem stand: “Sing gerade und machs ordentlich. Gruß Eric.” Lachend ergänzte er: “Das kommt davon, wenn man mit unseren Freunden von Subway To Sally einen trinken geht.” Daher widmeten Saltatio Mortis den nächsten Song Wieder unterwegs auch der befreundete Band.

Schlagzeuger Lasterbalk der Lästerliche ergriff nach Manus manum lavat das Wort, da es Zeit für “Ahs” und “Ohs” wurde. So stellte er u.a. das neuste Mitglied der Band – Luzi Das-L, ehemals Sackpfeifer bei Schelmish – als “junges Talent” vor, das nur für das Stück Nach Jahr und Tag eine Small-Pipe, einen besonders schwierig zu spielenden Dudelsack, verwenden würde. Außerdem erklärte Lasterbalk, dass das Lied Trost spenden solle, da “die Eine” (Frau im Leben) unersetzlich sei. Die Menge schien jedoch etwas erschöpft, da anders als üblich keine lauten “Ah” und “Oh”-Rufe folgten. Alea rief daher laut: “Huldigt den Worten von Lasterbalk, wenn er ein einziges Mal zu euch spricht!” Mit insgesamt drei Dudelsäcken und einem Text, der nachdenklich stimmte, überzeugte dieses Lied ganz besonders.

Saltatio MortisKurz darauf hielt Lasterbalk noch einmal eine längere Ansage, um ein “modernes Märchen” vorzutragen. “Es handelt von einem Land, das die Despoten wegjagte”, begann er. “Die neuen, demokratisch gewählten Fürsten benahmen sich jedoch wie die Vorgänger. Und dann gab es drei Mädchen, die eine Kirche stürmten. Sie wurden wegen Vandalismus an Götzenbildern zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt.” Spätestens jetzt wusste jeder, dass es um die russische Punkband Pussy Riot ging. “Die drei Musikerinnen haben es” – so Lasterbalk weiter – “nicht verdient, eingesperrt zu werden. Nehmt die Hände hoch, denn gemeinsam sind wir stärker!” Ihren Unmut über die Situation in Russland quittierten die Besucher mit lauten Pfiffen. Mit “Der Worte sind genug gewechselt”, schloss Lasterbalk seine Ansage und welches Lied passte zu diesem “Märchen” besser als das Lied Worte?

Vor Wir säen den Wind rannte Alea mit einer Fahne durch das Publikum, um mit den Fans den Find zu säen – angesichts der stehenden, heißen Luft eigentlich keine schlechte Idee. Doch nach dem Song fragte er dann: “Ist euch auch so scheiße heiß? Aber wer trägt denn noch den Prometheusfunken in sich?” Diesen Lieblingssong vieler Fans hatten sich Saltatio Mortis bis fast zum Ende aufgehoben. Mit Eulenspiegel, bei dem auch Veranstalter Michael Bohnes noch einmal auf die Bühne kam, um zusammen mit Alea zu feiern, endete schließlich die reguläre Spielzeit, doch an ein Aufhören ohne Zugabe(n) war nicht zu denken.

Die Zugaben Rastlos, Falsche Freunde und das Evergreen Spielmannsschwur rundeten das Burgfolk 2012 ab, das mit Fug und Recht als voller “Erfolk” bezeichnet werden kann. Die insgesamt rund 3.000 Gäste an beiden Tagen, die für eine fantastische Stimmung sorgten, die enorm vielseitigen und vor allem spielfreudigen, gut gelaunten Bands, von denen man fast alle wie üblich an den Merchandiseständen treffen konnte, die entspannten Sicherheitsleute sowie die vielen weiteren Helfer (vor allem die Männer und Frauen an den Grillständen konnten einem angesichts der Hitze etwas Leid tun) –  sie alle haben bei tropischer Hitze in der wie immer äußerst familiären Atmosphäre von Schloss Broich zum Gelingen des elften Burgfolk Festivals beigetragen. Und so bleibt mir auch gar nichts weiter zu tun, als auf den Termin für das nächste Burgfolk Festival hinzuweisen, dass am 16. und 17. August 2013 stattfinden wird.

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Den Bericht vom ersten Tag findet ihr hier.

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