Castle Rock 2012 – Tag 2

Der zweite Tag des 13. Castle Rock Festivals am 07.07.2012 im Schloss Broich in Mülheim stand dem ersten in Nichts nach. Mehr noch: Am Samstag standen gleich sieben unterschiedliche Bands – darunter der Gothminister aus Norwegen, der eine besondere Show angekündigt hatte sowie ASPs von Zaubererbrüdern, die ein spezielles Akustikset spielen wollten – auf der Bühne. Kein Wunder also, dass bereits um 12:15 Uhr, als sich die Tore öffneten, reichlich Besucher auf den Innenhof strömten.

Hämatom

Pünktlich um 13:00 Uhr eröffneten dann Hämatom den zweiten Festivaltag mit einem gehörigen Paukenschlag. Den Auftakt machten die Songs Totgesagt Doch Neugeboren und Ihr kotzt mich an.

Sänger Nord, der die Besucher von Beginn an zum Abgehen animierte und seine drei Kollegen an den Instrumenten (mit den passenden Künstlernamen Süd, West und Ost) zogen nicht nur mit ihren schaurig-schönen Masken viele Blicke auf sich, sondern auch die sozialkritischen Texte, eingebettet in einen Sound, der mich doch ziemlich an die Apokalyptischen Reiter erinnerte, sorgten für Aufsehen.

Zwar war die Stimmung schon bei dem ersten Lied ziemlich gut, so richtig steppte der Bär bzw. vielmehr der Affe jedoch erst beim genialen Cover von Neandertal, der österreichischen Pop-Rock-Band Erste Allgemeine Verunsicherung (EAV). Hier kam nämlich ein als Gorilla verkleideter Trommler auf die Bühne, um die Stimmung zusätzlich anzuheizen. Das Konzept ging mühelos auf und schon zu dieser frühen Stunde waren bereits reichlich Arme in der Luft.

Im Anschluss setzte sich der Ohrwurm-Refrain von Circus Maximus (“Nja, nja nja, nja, nja, nja…”) sicherlich in vielen Köpfen fest, wurde jedoch von Eva, dem nächsten wieder etwas härteren Song, regelrecht aus den Schädeln geblasen. Vor dem Stück Spieglein sprach Fronter Nord seinen Unmut über Heidi Klum und ihre Modelcasting-Sendung aus, ehe die Kritik bei Schau sie spielen Krieg wieder etwas globaler wurde. Hier animierte Sänger Nord das Publikum zum Mitsingen, während eine Kinderstimme vom Band den Refrain vortrug.

Sturm, den nächsten gespielten Song, kündigte Nord wie folgt an: “Ein Sturm zieht auf, aber hoffentlich nicht heute, sondern später!” Beim letzten Stück Leck Mich forderte Nord noch einmal alle Besucher auf, die Wut heraus zu lassen. Seiner Forderung, ihm den Mittelfinger zu zeigen, kamen auch so ziemlich alle Besucher vor der Bühne nach und so endete ein äußerst gelungener Auftakt einer Band, auf die ich eigentlich schon viel früher hätte aufmerksam werden müssen.

Lediglich die Formulierung “ein Sturm zieht auf” hätte sich Sänger Nord besser verkniffen, denn schon in der Umbaupause für In Legend setzte sich ein Regenschauer über dem Schloss Broich fest.

In Legend

Zu In Legend muss man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren. Erst 2010 vom Van Canto-Drummer Bastian Emig ins Leben gerufen, konnte sich die sympathische Truppe mit ihrem Piano Metal eine beachtliche Fangemeinde erspielen. Kein Wunder also, dass auch beim Castle Rock in den ersten Reihen eine stolze Zahl von In Legend-Shirts zu sehen war und einige Fans hatten sogar ein großes Banner mitgebracht.

Los ging es wie schon bei einigen vorherigen Konzerten (u.a. im Rahmen der Scattered Horizons Tour) mit dem Gassenhauer Heya, ehe Prestinate aus den Boxen dröhnte, während der Regen langsam weniger wurde.

Nach den ersten beiden Stücken erklärte Bastian, dass er sehr glücklich sei, erneut hier im Schloss Broich aufzutreten und dass es bei seinem ersten Auftritt auf dem Castle Rock im Jahr 2009 (damals allerdings mit Van Canto) auch wie aus Kübeln geschüttet habe. Mittlerweile lichteten sich jedoch die Wolken und passend zu The Healer kam dann auch wieder die Sonne raus.

Vor dem ruhigeren Soul Apart zeigte sich die Band mit einer Anspielung auf Hämatom von ihrer charismatischen Seite: “Wir tragen leider keine Masken.” Im Anschluss sollte dann aber wieder mehr Stimmung her. Also kommentierte Bastian: “Wundert mich, dass die Burgmauern noch stehen. Wollen wir die mal einreißen!” Und welcher Song eignete sich dafür am besten? Genau: Pandemonium, bei dem die Tastenanschläge, Drums und der Bass einfach nur dramatisch klangen.

Das nächste Lied handelte, wie Keytarist Daniel Schmidle ankündigte, von einem Mann, der in eine Stadt kam, um zu musizieren, jedoch erhängt wurde: Hanging Matter. Alles andere als tragisch war jedoch die wie gewohnt ausgelassene Performance von Daniel Schmidle und seinem Namensvetter Daniel Wicke am Bass, die mit ihren Instrumenten um die Wette posierten.

Danach gaben In Legend zu verstehen: “Es sind 4000 Grad im Schatten und acht Uhr in der früh, aber wir haben nur noch zwei Songs und würden uns freuen, wenn ihr ein bisschen Stimmung macht!” Der Bitte kamen die Fans natürlich nur zu gerne nach; den Höhepunkt erreichte der Auftritt jedoch erst beim letzten Song Vortex, wo nicht nur alle Hände fleißig klatschten, sondern auch ein für ein Gothic-Festival recht ansehnlicher Circle Pit entstand.

Adversus

Am Auftritt von Adversus aus Offenbach am Main schieden sich anschließend die Geister besonders.

Die bereits im Jahr 2000 von Torsten „Rosendorn“ Schneyer als Solo-Projekt gegründete Band eröffneten ihren Auftritt mit Brüder vom aktuellen Album Der Zeit abhanden. Ein Keyboard begann zu klimpern, die anderen Instrumente (Kontrabass, Violine und die gewohnten Instrumente Gitarre und Schlagzeug, dafür aber kein Bass!) stießen dazu, während die beiden Frauen ihren Soprangesang beisteuerten. Erst dann kam Sänger Rosendorn auf die Bühne, um in herrlich gegensätzlicher Manier ins Mikro zu krächzen, ehe der Song im Refrain wieder melodiöser wurde. Eine prinzipiell geniale Mischung!

Leider war der Sound nicht ganz optimal abgemischt, so dass der Gesang hier und da etwas übersteuerte und sich die Instrumente nicht immer gut zusammenfügten, aber das ist Kritik auf relativ hohem Niveau. Insgesamt konnten mich Adversus mit ihrer abwechslungsreichen Musik mühelos überzeugen. Am besten gefielen mir die Gesangsduette, die vielen Wechsel zwischen melodiösem und teils aggressivem, kreischendem Gesang sowie die Instrumentalisierung im Allgemeinen. Auch das fast zehnminütige Lied Die letzte Glocke,  das mit einem Refrain punkten konnte, der regelrecht zum Tanzen einlud sowie Katharsis bildeten da keine Ausnahme. Nicht wenige Besucher konnten mit der Band jedoch wenig anfangen, wovon sich die Band allerdings nichts anmerken ließ.

Vor dem vierten Stück In Teile Geträumt ließ Sänger Rosendorn (von Frontmann will ich hier nicht sprechen, da die Band sich als Gesamtkunstwerk betrachtet) das Publikum an seinen Träumen teilhaben, indem er ein kleines Gedicht vortrug. Das Lied begann schließlich mit den Worten “… ich erwache und liege in Teilen aus mir…”

Das als balladesk angekündigtes Stück Ein Ding im Spiegel überraschte ein paar Minuten später durch eine erstaunlich fette Doublebase in der Mitte des Songs. Seelenwinter hingegen bewies auf eine ganz andere Art und Weise die Vielseitigkeit der Band, gingen die leisen Streichinstrumente doch plötzlich in kräftige Elektrobeats über.

Adversus stellten für mich eine herrliche Symbiose aus romantischer Musik und abwechslungsreichem Gothic und Metal dar. Gott sei Dank bot der angrenzende Müga-Park genug Platz für all jene, die keinen Gefallen an der Musik und oder dem Gesang von Adversus finden konnten.

A Life Divided

Die 2003 gegründete Band A Life Divided aus München legte nach einer kleinen Umbaupause mit Change einen guten Auftakt hin und leitete auch einen Wechsel in der Musikrichtung ein.

Vorbei war die Zeit der klassischen Instrumente und des mehrstimmigen Gesangs: Jetzt gab es bodenständigen Rock, angesiedelt irgendwo zwischen zwischen Nine Inch Nails, Static-X und Depeche Mode in hart, auf die Ohren!

Der Stimmung vor der Bühne nach zu urteilen, trafen A Life Divided mit ihrem kräftigen, druckvollen Alternative-/ Synth-Rock und dem außergewöhnlichem Gesang von Fronter Jürgen Plangger auch genau den Geschmack vieler (zumeist weiblicher) Besucher des Castle Rock.

Nach dem Opener wurde es mit Doesn’t Count wieder etwas ruhiger, bevor Other Side erneut etwas an Härte zulegte. Sänger Jürgen Plangger (seit 2006 übrigens auch gleichzeitig Gitarrist bei Eisbrecher) performte ausgelassen auf der Bühne, wobei auch die Männer an den Saiten sichtlich Spaß beim Auftritt hatten und für Fans und Fotografen posierten.

Wie schon die vorherigen Songs stammte auch Words, das nächste gespielte Lied, vom aktuellen Album Passenger aus dem Jahr 2011.

Im Anschluss sprach Jürgen Plangger – wie auch viele andere Musiker vor ihm, die bisher im Schloss Broich auftreten durften – seine Begeisterung für das Castle Rock aus (“Willkommen auf dem schönsten Festival Deutschlands!”), bevor die Band dem Cover Perpetual von VNV-Nation eine gehörige Portion Metal verpasste.

Es sollte der einzige gespielte Song bleiben, der nicht auf der aktuellen Platte enthalten ist, denn auch die beiden letzten Stücke Hey You und Heart On Fire, mit denen der Auftritt endete, befinden sich auf dem bereits mehrfach angesprochenen Silberling.

Dass A Life Divided mit Ausnahme des Covers ausschließlich neue Stücke präsentierten, tat der Stimmung keinen Abbruch – die war nämlich konsequent gut.

Xandria

Auf den Auftritt der nächsten Band freute ich mich besonders. Die Symphonic Metal Band Xandria hatte ich zuletzt im Rahmen der Out Of The Dark Tour in Köln gesehen und es war definitiv wieder mal an der Zeit, einem Auftritt der Band beizuwohnen.

Dass Xandria überhaupt auf dem Festival auftreten konnten, war allerdings dem Umstand geschuldet, dass Edenbridge aufgrund des Weggangs ihres Schlagzeugers ihren Auftritt leider absagen mussten – auch diese Band hätte ich sehr gerne gesehen. Xandria waren aber ein mehr als würdiger Ersatz.

Als Opener hatten die Männer um Frontfrau Manuela Kraller – welchen Song auch sonst – den Kracher Valentine und das etwas längere Blood On My Hands – beide vom aktuellen Album Neverworld’s End – gewählt. Die Wahl war goldrichtig, die Abmischung leider nicht ganz, denn Manuelas kraftvolle Stimme war anfangs etwas leise. Dies besserte sich aber im Laufe der nächsten Songs merklich.

Davon ließ sich die Sängerin aber auch gar nicht beirren, sondern verkündete, dass ihr ein Auftritt in dieser Location gleich doppelt Spaß mache und dass Xandria einige neue Songs vom aktuellen Album im Gepäck hätten. Zuerst gab es aber mit The End Of Every Story noch ein etwas älteres Stück zu hören, bevor bei Euphoria (hier bin ich mir nicht sicher, ob wirklich dieser Song gespielt wurde – korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege!) wieder die Boxen bebten.

Als nächstes folgte einer von Manuelas Lieblingssongs: Never Ending. Während die Männer an den Saiten fleißig die Gitarren schwingen ließen, überzeugte Manuela durch ihr energiegeladenes Auftreten auf der Bühne und feuerte die Fans vor Cursed auch ein wenig an: “Wenn ihr schon so schön Klatschen könnt, könnt ihr vielleicht auch Singen! Stellt euch vor, ihr seid auf einem Piratenschiff.” Nach einem Probelauf konnten die Besucher dann im Refrain ihre Stimmbänder unter Beweis stellen.

In der Ansage zum nächsten Lied holte Manuela etwas aus: “Der nächste Song ein sehr spezieller, den ich für meine mittlerweile leider verstorbenen Großeltern geschrieben habe. Er handelt von der Liebe im Zweiten Weltkrieg.” Weiter erklärte sie, dass ihr die Idee zu dem Lied gekommen sei, nachdem sie auf dem Speicher ein Tagebuch mit Kriegserlebnissen sowie etliche Liebesbriefe von ihrem Großvater gefunden hatte. “Das waren zwar nicht 1000, aber doch sehr viele Briefe.” Eine sehr emotionale und persönliche Überleitung zu dem ruhigen A Thousand Letters.

Mit Save My Life folgte nun zunächst wieder ein etwas älteres Stück, ehe das temporeiche The Lost Elysium für reichlich Stimmung sorgte. Vor der Bühne hoben die Fans die Pommesgabeln zu Hauf in die Luft und machten ordentlich Party. Zum Glück warf die Bühne einen langen Schatten auf einen Teil der Feierwütigen, da die Sonne den Schlossplatz mittlerweile ziemlich aufheizte.

Die gute Stimmung der Fans übertrug sich augenscheinlich auch auf Manuela, die verkündete: “Man, ist das geil! Ich komm gar nicht mehr runter! Zwei haben wir noch. Einer ist ein ganz alter: Ravenheart!” Logisch, dass bei diesem Bandklassiker noch einmal alle Fans gefragt waren, bevor der Auftritt mit India auch schon wieder endete.

Gothminister

Der Auftritt des Gothministers verzögerte sich einige Minuten, da in der rund 40minütigen Umbaupause bereits einige Elemente der Pyrotechnik, die für das Konzert präpariert wurden, hochgingen. Da laut Auskunft der gut aufgelegten Security “extrem viel Pyrotechnik” abgefeuert werden würde, wurden aus Sicherheitsgründen leider keine Fotografen in den Graben gelassen.

Beim ersten Song betrat der Gothminister schließlich nach seinen Bandkollegen die Bühne und schritt sogleich zu seiner Empore, um von dort seine düstere Mischung aus “Neuer Norwegischer Härter” und Industrial zu verkünden. Untermalt wurde der Auftritt mit nicht immer ganz standfesten Requisiten (so gab etwa sein skellettartiger Mikrofonständer recht bald den Geist auf) sowie einigen schauspielerischen Einlagen durch diverse Statisten. Wie in einem Splatterfilm riss der Gothminister beispielsweise einer Hexe, die auf die Bühne kam, die künstlichen Gedärme aus dem Körper, um sie anschließend genüsslich zu verspeisen.

Zu (ich meine es war) Anima Inferna gab es anschließend einen kleinen Kampf mit einem Zombie, ehe bei Happiness In Darkness das erste Mal wirkliche Pyrotechnik gezündet wurde. Da hätte man allerdings auch zumindest bei den ersten beiden Songs, wo keine Pyrotechnik zum Einsatz kam, Fotografen in den Graben lassen können.

Weiter ging das Effektfeuerwerk bei Meet The Devil, bei dem der Gothminister Spielzeugvögel (?) von seinem Podest über das Publikum fliegen ließ und mit einem rauchenden Totenkopfstab auf die Bühne kam. Im Laufe des Auftritts klaute der Gothminister dann auch noch einen Werwolfswelpen (?), worauf Papa Werwolf kam und ihn von der Bühne schmiss. Daraufhin stieg am linken Bühnenpfeiler ein Wesen empor, an dessen Fängen eine Puppe, die den Gothminister oder einen seiner Bandkollegen darstellen sollte, hing.

Nachdem das Wesen sich wieder verzogen hatte, kam das wiederauferstandene Bandmitglied unter dem Jubel der Fans zurück auf die Bühne. Auch ein brennendes Buch, mit dem der Gothminister theatralisch von seinem Podest aus sang sowie eine Kettensäge, mit der Gothminister einer Frau den Kopf absägte und damit über die Bühne marschierte, kamen im Verlauf des Konzerts zum Einsatz, während hier und da weiter Flammensäulen und Funkenblitze aufleuchteten.

Lust auf mehr machte gegen Ende des Auftritts die Vorstellung von Utopia, der ersten Single des bald erscheinenden neuen Albums. Beim Finale kam dann noch einmal eine riesige Figur auf die Bühne, ehe sich der Gothminister mit einer weiteren Ladung Pyrotechnik verabschiedete.

Was kann man abschließend zu dem Auftritt sagen? Außen hui, Innen pfui? Nein, das wäre wohl deutlich zu hart. Aber angesichts des Geisterbahn-Charakters und der zahlreichen Pyros schien es so, als sei der Sound etwas vernachlässigt worden, denn teilweise war der Gesang leider nur sehr schlecht zu hören. Dies war insofern sehr schade, als dass der gesamte Auftritt – natürlich auch gerade wegen dem opulenten Treiben auf und neben der Bühne – mit mehreren Kameras und Mikrofonen aufgezeichnet wurde, weshalb ein etwas besserer Klang sicher nicht verkehrt gewesen wäre. Den Fans vom Gothminister war dies ziemlich egal, sie waren einfach nur baff von der Show

ASPs von Zaubererbrüdern

Nach einer weiteren halben Stunde Umbaupause stand als Headliner des zweiten Tages ein spezielles Akustik-Set mit ASPs von Zaubererbrüdern auf dem Programm.

Kurz ein wenig zur Vorgeschichte: Nach der Veröffentlichung des “Zwischen-Albums” Zaubererbruder, das den Zyklus um den Schwarzen Schmetterling (die ersten fünf Albenveröffentlichungen) von den neuen “fremden” Konzeptalben trennt, sowie der Akustik-Tour “Von Zaubererbrüdern, Schwarzen Schmetterlingen und anderen Nachtgestalten” entschied sich Bandgründer und Mastermind Alexander Spreng (auch Asp genannt), das Akustikprojekt fortan separat unter dem Namen ASPs von Zaubererbrüdern zu betreiben, um sich besser auf die jeweiligen Projekte konzentrieren zu können.

Statt einem reißerischen Intro kamen die einzelnen Musiker (die “Zaubererbrüder”) einzeln auf die Bühne und begannen ohne großes Aufsehen ihre Instrumente (Gitarre, Bass, Cello, Flöte und Mandoline waren vertreten) zu stimmen.

Schließlich fingen sie an, die Beschwörung zu spielen, während Sänger Asp einen tiefen Sprechgesang von sich gebend beinahe magisch die Bühne betrat. Auf diesen Moment hatten die Fans den ganzen Tag über gewartet. Kein Wunder also, dass die Meute regelrecht ausflippte, während das eigentliche Lied an Fahrt aufnahm.

Im Gegensatz zu den vorherigen Bands war der Sound bei ASP von Anfang an genau richtig. Ohne Ansage ging es mit Krabat, von dem das Album Zaubererbruder ja handelt, weiter. Erst im Anschluss hielt Asp eine längere Ansprache: “Uns ging ganz schön der Arsch auf Grundeis, ob alles so klappt mit den ganzen Instrumenten. Etwas weniger opulent (eine dezente Anspielung auf den Auftritt von Gothminister), dafür mit Liedern, die zuletzt lange nicht gespielt wurden.”

Zum nächsten Stück erzählte Asp etwas über Demut und dass er den Song für jemanden geschrieben habe, der Spaß an der Musik habe und dass man stets das tun solle, worauf man Lust habe (Carpe diem). Da das nächste Lied einige nicht jugendfreie Stellen enthalte, sollten Eltern ihren Kindern bei den entsprechenden Passagen die Ohren zuhalten, erklärte Asp weiter. Außerdem unterstrich er, dass dies nicht das letzte Konzert mit ASPs von Zaubererbrüdern, aber das einzige beim Castle Rock sein würde. Eine ausgiebige, aber auch sehr treffende Überleitung zu Once In A Lifetime.

Es folgten Und wir tanzten sowie das recht selten gespielte Schneekönigin, wohin. Angesichts der ruhigen Melodien war es nicht verwunderlich, dass die kleinsten Besucher des Festivals auf den Armen ihrer Mütter oder ihren Kinderwagen einschliefen. Aber auch die größeren Fans ließen nicht nur die sprichwörtliche Sau raus, sondern viele lauschten auch einfach entspannt und beinahe regungslos der atmosphärischen Musik.

Nun tätigte Sänger Asp wieder eine kleine Ansage, nämlich, dass jetzt der fröhlichere, dämonische Teil der Show käme. Und zwar in Form von den drei hintereinander gespielten Liedern Duett – Minnelied der Incubi, Hunger und Demon Love.

Vor dem nächsten Song erklärte Asp, dass die Fans nun etwas Fantasie benötigten, da etwas passieren würde, was sich keiner vorstellen könnte. Wenn er den Dreispitz aufziehen würde, wäre er ein Schurke; sobald er ihn abnehmen würde, wäre er wieder der “normale” Asp. Konsequenterweise vollzog er diese Wandlungen beim Stück Denn ich bin der Meister.

Nach Mistakes stellte Asp kurz “die beiden bezaubernden Streicherinnen” vor, erwähnte aber auch, dass das nächste Stück Zaubererbrüder und nicht Zauberschwestern hieße und sie sich deshalb eine kleine Auszeit gönnen könnten. Mit Rücken an Rücken, Werben, Der geheimnisvolle Fremde (Ja, ja, dreimal Hurra!) näherte sich der emotionale Abend auch bereits dem Ende entgegen. Zum Abschluss spielten ASP Stretched On Your Grave, ehe Asp die Bühne verließ.

Schlussendlich hieß es bei gleichnamigem Lied Abschied zu nehmen, ehe das Castle Rock Festival 2012 mit einem spannenden Medley endete. ASP hatten ein emotionales und gleichzeitig in dieser Location einmaliges Konzert geboten. Die 13. Auflage des Festivals brachte also alles andere als es die abergläubische Zahl vermuten lassen würde.

Bis auf die zwei kleinen Regenschauer herrschte optimales Open-Air-Wetter, die Verpflegung und das ganze Drumherum waren auch wieder gut, die Stimmung familiär und von den elf Bands war für jeden etwas dabei. Und so bleibt abschließend nur zu sagen, dass man sich schon auf das 14. Castle Rock am 12. und 13. Juli 2013 freuen kann!

Den ausführlichen Bericht vom ersten Tag des Festivals findet ihr hier.

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1 Kommentar

  1. selten so einen ausführlichen bericht so kurz nach einem festival gelesen. toll geschrieben, alles wicthtige erwähnt!

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