Burgfolk 2012 – Tag 1

Burgfolk 2012 - Tag 1

Das Castle Rock 2012 ist noch nicht lange Geschichte, da stand mit der elften Auflage des Burgfolk Open-Air Festivals am 17. und 18. August bereits das nächste hochkarätige Event im Schloss Broich auf dem Plan. Am ersten Tag sorgten die vier unterschiedlichen Bands Punch’n’Judy, The Shanes, die Spielleute von Feuerschwanz sowie der Headliner Subway To Sally bei herrlichem Wetter und für manche Besucher fast schon zu heißen Temperaturen für reichlich Stimmung und belegten einmal mehr, das dem Folk in seinen vielen Facetten zu unrecht ein etwas angestaubtes Image anhaftet.

Punch’n’Judy

Nachdem die ehrwürdigen Gemäuer von Schloss Broich bereits um 17 Uhr geöffnet wurden und die ersten Besucher auf den von der Sonne ordentlich vorgeheizten Innenhof strömten, wurde das Burgfolk Festival 2012 rund 30 Minuten später von der sympathischen Kombo Punch’n’Judy aus dem Ruhrgebiet schließlich auch musikalisch eröffnet.

Punch’n’JudyIn ihrer Crossover-Folk getauften Musikrichtung vereint die Band Elemente aus bodenständigem Rock, Mittelaltermusik, einer Priese Metal sowie Folk und legte obendrein eine gehörige Portion Spielfreude an den Tag. Wie mechanische Puppen betraten die Musiker zunächst langsam die Bühne, ehe sie schon mit dem mitreißenden Opener Puppet On A String die ersten Reihen vor der Bühne zum Springen brachten. Zwar klafften auf den von der Sonne bestrahlten Teilen des Schlosshofs noch einige Lücken, unmittelbar vor der schattigen Bühne wurde es aber schon erstaunlich voll.

Im Anschluss an The Witch griffen einige Bandmitglieder zu typischen “Piratenutensilien” wie Dreispitz und Augenklappe, um mit Grace O’malley das dazu passende Lied abzuliefern. Frontmann Sascha überzeugte hier durch abwechslungsreichen Gesang, während die Fans fleißig im Takt klatschten und immer wieder lautstarke “Heyhoho”-Rufe beisteuerten.

Nach Sancho, Flibby und dem erfreulich harten Stück Pain erreichte der Auftritt mit dem Klassiker Koboldkönig seinen bisherigen Höhepunkt. Doch der letzten Song Doswidanje sollte dem Ganzen noch einmal die sprichwörtliche Krone aufsetzen. Die Fans flippten hierbei regelrecht aus, tanzten und bildeten sogar eine kleine Polonaise.

Punch’n’Judy kamen beim Publikum sehr gut an und ernteten verdienten Applaus. Dies kam aber auch nicht von ungefähr: Das allgegenwärtig dominierende Akkordeon verlieh der Musik von Punch’n’Judy Wiedererkennungswert, während Sascha und die Männer an den Saiten fleißig performten und so das Publikum mühelos in Beschlag nahmen. So und nicht anders eröffnet man ein Festival! Hut ab.

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The Shanes

Sobald die Umbaupause abgeschlossen war, kam Veranstalter Michael Bohnes auf die Bühne, um die Besucher willkommen zu heißen und The Shanes, die schon bei den Anfängen des Burgfolks im Jahr 2003 dabei gewesen waren, anzukündigen.

The Shanes aus Trier wurde bereits 1991 gegründet und konnte bis heute eine stolze Zahl an Alben veröffentlichen. Dennoch muss ich zu meinem Leidwesen gestehen, dass ich bis zum Festival (leider) noch nichts von der Band gehört hatte.

The ShanesMit dem klasse Opener Haunted House Of Polka sowie dem Godfather Of Polka überzeugten mich die Männer um Fronter Kornelius Flowers jedoch ohne Mühen. Der für das Folk-Genre gewohnte Einsatz eines Akkordeons, das auch den Sound von The Shanes prägt, wird von der Band konsequent mit einen 2/4-Rhythmus sowie den gängigen Rockinstrumenten kombiniert, so dass am Ende ihr eigener Stil “Hardpolka” dabei herauskommt.

Spaß machte die Musik auf jeden Fall und auch zum Tanzen lud sie ein, ich hätte mir allerdings vorgestellt, dass es auf einem Konzert von The Shanes noch heißer hergehen würde als zu Beginn ihres Gigs auf dem Burgfolk. Aber vermutlich war es schlicht zu warm und einige Fans sparten ihre Kräfte sicher auch für die beiden noch kommenden Bands auf.

“Ist das ein schwarzes Festival?” erkundigte sich Kornelius ein paar Songs später, um mit Dark Side Of My Soul das dazu passende Musikstück einzuleiten. Im Anschluss kündigte er das Cover Bite It You Scum des Punkrockers GG Allin an und fragte das Publikum, wer das Lied kenne. Verständlicherweise meldeten sich nicht viele, was Kornelius aber auch nicht verwunderte. Dafür, dass das Cover allerdings kaum einer kannte, kam es jedoch erstaunlich gut an und die Stimmung wurde merklich heiterer.

Zwischen Bring Me The Head Of Zoltan Narray, The Rake und dem etwas gemächlicheren Passant Par Paris nutze Kornelius die kleinen Pausen, um nach und nach die alten sowie die zwei neuen Bandmitglieder aus England vorzustellen, die The Shanes seit der Reunion verstärken: Matt Dawson an Pedal-Steel-Gitarre und Mandoline sowie Chris Birch an der Geige. Obgleich die Musiker allesamt nicht untätig waren, so stach die Performance von Angry Alex Schuster, der mit seinem Akkordeon energisch über die Bühne fegte, doch am meisten hervor.

Mit Drunkenness, Drugs & Polka und dem Joy Devision-Cover Love Will Tear Us Apart, was auch deutlich mehr Besucher zu kennen schienen als das GG Allin-Cover, endete der Auftritt einer Band, die ich mir sicher noch öfter live anhören werde.

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Feuerschwanz

Wer nun dachte, dass die Stimmung nicht mehr zu steigern war, der wurde eines Besseren belehrt. Denn was die Band Feuerschwanz – auch bekannt als “geiler Haufen” – um Frontmann Hauptmann Feuerschwanz mit seinem Gefolge der Geigerin Johanna von der Vögelweide, dem Sackpfeifer Prinz Richard Hodenherz III, dem Drummer Sir Lanzeflott, dem Gitarrist Hans dem Aufrechten sowie Bassist Knappe Latte (allesamt authentisch mittelalterlich gekleidet) in Mülheim ablieferten, war eine extrem kurzweilige und äußerst amüsante Sause.

FeuerschwanzSchon die ersten beiden gespielten Stücke (Jungfernkranz mit der sich wiederholenden Textzeile “Noch ein Horn Met” und Met und Miezen) machten deutlich, worauf es bei dieser Band ankommt: (Honig)Wein, Weib und Gesang. Die Band bezeichnet ihre Musik selbst als Mittelaltercomedy, was man angesichts der ulkigen Spitznamen, der Legende vom geilen Haufen, dem feuchtfröhlichen Auftreten auf der Bühne sowie natürlich den eindeutig mehrdeutigen Texten nur unterstreichen kann. Garniert wurde der Auftritt wie gewohnt von den sogenannten Miezen, zwei als katzenartige Wesen geschminkte und verkleidete Frauen, die als Tänzerinnen und Animateure dienten. Der Truppe sah man den Spaß einfach an, weshalb sie die Fans auch fest im Griff hatten.

Zu Hurra Hurra, die Pest ist da fragte der Hauptmann “Was ist lang und hat einen Kopf? Denkt euch was aus!” Die Fans lieferten die Antwort in Form einer beachtlichen Polonaise, die sich tanzend durch den Schlosshof schlängelte. Beim anschließenden Stück Wir lieben Dudelsack mit einem saftigen Ohrwurmcharakter forderte der Hauptmann die Fans auf, mit ihren Händen ein Herz für Prinz Richard Hodenherz (“ein Prachtexemplar von Dudelsackspieler”) zu formen.

Nach Latte und Wunsch ist Wunsch vom gleichnamigen aktuellen Album folgte – zumindest für die nach Abkühlung lechzenden Fans – ein echtes Highlight, als die Miezen die “MAMA” (Abkürzung für Multiautomatische Met-Abfüllmaschine) auf die Bühne rollten und den Lebenssaft mit Schläuchen in die dürstenden Kehlen pumpten.

Danach wurde es Zeit für etwas Werbung – schließlich war die Spielzeit auch schon fast wieder vorüber. Hauptmann Feuerschwanz erklärte, dass Walhalligalli – so der Titel des kommenden Silberlings – eine Wortschöpfung aus Walhalla und Halligalli sei. Als kleinen Vorgeschmack spielte der geile Haufen dann auch einen neuen Song, nämlich Das niemals endendes Gelage, was man bei dieser Band wohl wörtlich auffassen kann. Die Band dankte außerdem dem Veranstalter, der Feuerschwanz schon früh das Vertrauen geschenkt habe, in dem er die Truppe bereits 2009 und 2010 auf das Burgfolk holte.

Feuerschwanz

Während langsam aber sicher erste Crowdsurfer in den Graben trudelten, blieben die Security weiter äußerst entspannt und versorgten zwei Kleinkinder im Fotograben sogar mit Getränken. Als Zugabe spielte die Band Verteidiger des wahren Mets, eine leicht abgewandelte Form von JBOs Verteidiger des wahren Blödsinns. Bei diesem Song kletterte Prinz Hodenherz auch den vom Publikum aus gesehen rechten Bühnenträger hoch und rief: “Ich kann von hier oben sehen, ihr seid Romantiker. Nehmt euch in den Arm, statt nur zu saufen!” Ob die Mehrheit der Leute der Bitte nachkam oder ob sie sich lieber weiter der Sauferei hingab, kann wohl nur der Prinz mit seiner guten Aussicht beurteilen. Wie dem auch sei: Will man den Auftritt von Feuerschwanz in nur einem Wort beschreiben, dann vermutlich mit “geil” – sowohl in seiner jugendsprachlichen Bedeutung für hervorragend als auch in der traditionellen Bedeutung von erregend.

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Subway To Sally

Sobald die letzten Takte von Feuerschwanz verklungen waren, stimmten einige Fans augenblicklich das Räuberlied an – ein untrügliches Zeichen dafür, welche Band von den Fans sehnsüchtig erwartet wurde: Subway To Sally

Subway To SallyWährend der Umbaupause ging die Sonne langsam unter, die Temperaturen sanken spürbar und vor der Bühne wurde es auch gleich merklich voller. Mit Kämpfen Wir! und Schlagt die Glocken vom aktuellen Album Schwarz in Schwarz läuteten die Potsdamer schließlich lautstark ihren Auftritt ein. Bei den ersten Songs war der Sound zwar noch nicht ganz optimal abgemischt, aber schon bei Tag der Rache und Mephisto, bei dem Sänger Eric Fish mit zwei Fackeln hantierte, wurde der Klang deutlich besser.

Nach Die Trommel hielt Eric Fish schließlich eine etwas längere Ansage. Sein ungefährer Wortlaut: “Es gibt so Momente, wo Songs entstehen. Bei den Arbeiten zum letzten Album war so ein Moment auf dem Summer Breeze Festival, wo die Crowdsurfer aussahen wie kleine Boote. So kam uns die Idee zu Das Schwarze Meer.” Es dauerte zwar einen Moment bis sich die ersten Crowdsurfer erhoben, dann wurden sie aber gleich im Sekundentakt in Richtung Graben getragen und die Secruties hatten erstmals an diesem Tag alle Hände voll zu tun. Auch Eric Fish ließ sich ein kurzes Bad in der Menge nicht entgehen.

Dafür wurde es mit Wo Rosen Blüh’n, Eisblumen (bei dem die Fans ganz besonders ihre Gesangskraft unter Beweis stellten) und Mir Allein zunächst etwas ruhiger und gefühlvoller. Aber nicht für lange Zeit, denn anschließend rief Eric Fish “Gebt mir einen Schrei” und erkundigte sich umgehend: “Habt ihr noch die Kraft nach diesem heißen Tag?” Der Lautstärke des Schreis nach zu urteilen mangelte es dem Großteil der Besucher beileibe nicht an Kräften. Wenn Engel hassen kam dann wieder deutlich härter daher und konnte mit einem enorm druckvollen Sound punkten.

Doch Nichts ist für immer und so näherte sich der Auftritt von Subway To Sally auch mit rasenden Schritten dem Ende entgegen, wo Fans und Band gleichermaßen noch einmal alles gaben. Zum mitreißenden Besser du rennst erklärte Eric Fish “Ein Loch ist ein Raum ohne Menschen”, um Platz für einen “menschlichen Strudel” zu schaffen. Mit der Vorstellung “einer Wanderung auf einem schmalen Grad, auf dem man sich die Fußsohlen verbrennen kann” leitete er schließlich zu Tanz auf dem Vulkan über.

Subway To SallyBei Kleid aus Rosen erwiesen sich die Fans wieder als enorm textsicher, ehe Eric Fish auch schon das letzte Stück ankündigte. Mit dem gemeinsamen Zählen von eins bis sieben begann das Lied Sieben, das fließend in Ohne Liebe überging. Nahtlos ohne Pause ging es mit Veitstanz, bei dem Eric Fish auch zum Dudelsack griff, weiter. Abschließend dankte er allen für den tollen Abend und wünschte den Besuchern viel Spaß beim zweiten Tag des Festivals.

Doch so leicht waren die Fans nicht ruhig zustellen. Sofort begannen Zugaberufe, die sich jedoch schnell wieder in lautstarken Gesang des Räuberlieds umwandelten. Die Musiker von Subway To Sally ließen sich reichlich Zeit, bis sie zurück auf die Bühne kamen. Während die Fans unermüdlich weiter den bekannten Refrain sangen, plauderte Eric Fish amüsiert:  “Ist das ein Volkslied? So einen brutalen Text kann man sich nicht so schnell merken… Raub und Mord und Überfall sind gut? Sehr bedenklich, sehr bedenklich” und erklärte stattdessen: “Lasst uns den Kreis zunächst mit der anfänglichen Prophezeiung schließen. Unsere Sicht, wie das am 21.12.2012 vielleicht so ablaufen könnte.” Damit war natürlich das dramatische MMXII gemeint, das als erste Zugabe aus den Boxen dröhnte.

Nach der nachdenklichen Prognose wurden die Fans mit dem Klassiker Julia und die Räuber als zweite und letzte Zugabe wieder fröhlich gestimmt und frohen Mutes auf den Heimweg geschickt. Subway To Sally ließen mit ihrer Setlist keine Wünsche offen und waren ein würdiger Headliner. Der Großteil der Besucher war schon gespannt auf den zweiten Tag des Burgfolks, an dem sieben weitere abwechslungsreiche Bands auf der Bühne stehen würden.

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Den Bericht vom zweiten Tag des Burgfolk Festivals 2012 findet ihr hier.

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