Fehmarn & Ostholstein

Der Frühlingsmonat April macht bekanntlich stets was er will. Getreu dieser Gepflogenheit machte auch ich im April 2017 einfach mal, was ich (schon länger) wollte – und zwar eine kleine spontane Fototour nach Fehmarn und Ostholstein.

Auf der drittgrößten Insel Deutschlands gab es natürlich reichlich zu entdecken und zu fotografieren, u.a. lange Strände, Leuchttürme und allgemein viel Landschaft und Natur, doch der Reihe nach: Auf der Fahrt vom Ruhrgebiet in Richtung Ostsee, legte ich – da sich das typisch wechselhafte Aprilwetter kurzfristig von seiner Sonnenseite zeigte – zunächst einen kleinen Zwischenstopp in Lübeck ein.

Hier interessierte ich mich vorwiegend für die mittelalterliche Lübecker Altstadt mit ihren weit über 1000 denkmalgeschützten Bauwerken. Neben den Backsteinbauwerken boten auch die vielen engen Gassen und alte Pflasterstein-Straßen sehenswerte Motive. Das Wahrzeichen der Stadt, das berühmte Holstentor (das ich mir übrigens etwas größer vorgestellt hatte), wurde selbstverständlich ebenfalls abgelichtet, darum kommt man bei einem Besuch der Hansestadt Lübeck wohl kaum herum. Und immerhin ein Pfützen-Foto wurde kurz vor der Weiterfahrt auch noch eingesackt:

Am ersten Abend nach der Ankunft auf Fehmarn bot sich bei windigem, aber trockenem, Wetter ein ausgedehnter Spaziergang an einem der vielen naturbelassenen Strände an. Die Wahl fiel auf den Strand von Püttsee, der nur wenige Kilometer vom Standort unserer Ferienwohnung in Sulsdorf entfernt lag und als einer der schönsten Strände der Insel gilt. Hier eigneten sich nicht nur die gestapelten Findlinge, sondern auch die langen Deichwege und die rauhe See selbst als schöne Fotomotive:

Übernachtet haben wir, wie soeben erwähnt im kleinen Dörfchen Sulsdorf, in einem schnuckeligen Schwedenhaus der Familie Thomsen. Hier ein paar Innen- und Außenaufnahmen der liebevoll eingerichteten Unterkunft:

Nach einer erholsamen Nacht stand am Morgen zunächst ein Besuch von Burgtiefe bzw. Südstrand, dem größten Badeort Fehmarns, auf dem Programm. Während ich gerade noch eine DLRG-Übung fotografierte und als nächstes Fotos von einem großen Badesteg machen wollte, schlug das sonnige Wetter schlagartig in strömenden Regen um. Glücklicherweise sind die Hochhaus-Bausünden von damals im Erdgeschoss mit einer langen überdachten Passage inklusive diverser Geschäfte verbunden, so dass sich hier eine prima Möglichkeit ergab, den Regenschauer trockenen Fußes zu überstehen.

Während der anschließenden Fahrt nach Puttgarten, dem nördlichsten Punkt auf der Insel, kam wieder die Sonne zum Vorschein, dennoch blieb es so windig, dass ich eine Mütze aufzog – und das will schon was heißen, denn normalerweise laufe ich nie freiwillig mit einer Mütze umher. 😉

Puttgarden ist vor allem für seinen Fährhafen bekannt, von dem hauptsächlich die viel genutzten Scandilines-Fähren in kurzen Abständen zwischen Puttgarden und dem dänischen Rødbyhavn verkehren. Vor allem die Be- und Entladung der Fähren, die man sehr gut von der Holzbrücke im Hafen aus beobachten kann, waren sehr interessant, passten doch deutlich mehr Autos, LKWs und Wohnmobile als gedacht in die „Bäuche“ der Fähren. Ebenfalls sehenswert ist auch der Vorgang des An- und Ablegens, wenn die Fähren in der Bewegung die große Bugklappe wie ein Fischmaul öffnen.

Bereits 2008 verabschiedeten Deutschland und Dänemark einen Staatsvertrag zum Bau einer festen Fehmarnbeltquerung, die Puttgarden über das Fehmarnbelt-Gewässer mit Rødby auf der dänischen Insel Lolland verbinden soll. Dazu soll ein 17,6 Kilometer langer Tunnel für den Eisenbahn- und Kraftfahrzeugverkehr errichtet werden. Mit dem Bau wurde allerdings bis heute nicht begonnen, da sich primär auf Fehmarn Widerstand regt. Viele Anwohner fürchten durch das Bauvorhaben sowie den daraus resultierenden erhöhten Durchgangsverkehr u.a. Auswirkungen auf Umwelt und Natur – hiervon zeugen etwa die vielen blauen Kreuze, die Tunnelgegner vor ihren Häusern aufgestellt haben.

Primär für Skandinavier lohnt sich ein Besuch des Bordershops, einem schwimmenden Großmarkt. Hier wird hauptsächlich Alkohol in rauen Mengen eingekauft. Deutsche Staatsbürger hingegen können hier kein Alkohol erwerben, da keine Mehrwertsteuer erhoben wird. Wenn man schon keinen Alkohol kaufen darf, dann aber immerhin ein Fischbrötchen, dachte ich mir und so musste trotz des kalten Windes das erste Fischbrötchen der Tour beim Fischbüdchen Grells auf dem Deich von Puttgarden, der die „letzten leckeren Fischbrötchen vor Dänemark“ anbietet, verspeist werden.

Da ein Fischbrötchen allein noch keinen großen Hunger stillt, wurde am abend spontan dem Burgerladen Quntings im Ort Orth (ja, der Ort heißt wirklich so) ein Besuch abgestattet, der sich lohnen sollte. Wir hatten Glück und bekamen trotz des regelrechten Andrangs (von einem Geheimtipp kann man hier daher wohl kaum noch sprechen, auch wenn das Restaurant erst rund ein Jahr existiert) zügig einen Tisch in dem kleinen, liebevoll eingerichteten Restaurant. Während der Wartezeit auf unsere Burger lief einem das Wasser bereits im Munde zusammen, wenn man sich nur die verschiedenen Burger anschaute, die andere Gäste bekamen. Doch die Wartezeit sollte sich auszahlen, denn die Burger waren wirklich ein Gaumenschmauß! Geröstete Sesam-Buns von der Inselbäckerei, Pattys wahlweise mit Rindfleisch von der Inselschlachterei Utecht, biologischem Gallowayfleisch des NABU oder Lachsfilet, dazu selbstgemachte Soßen, knackige Pom-Pom-Pommes. Was will man mehr? Die Portionen waren angemessen (ein bisschen mehr Salat wäre jedoch vertretbar), die Preise voll in Ordnung. Auf der Speisekarte finden sich neben den etwas mehr als eine Hand voll Standard-Burgern auch saisonal wechselnde Burger, Menüs für Kinder und für Vegetarier. Sehr empfehlenswert sind im Übrigen auch die selbstgemachten Eistees und Fruchtschorlen!

Das Wetter am nächsten Tag war auch wieder viel besser als erwartet, nachdem es die Nacht über ordentlich geregnet hatte. Das gute Wetter galt es natürlich auszunutzen und so fuhren wir am frühen Vormittag zum Campingplatz am Flügger Strand. Von dort unternahmen wir einen Spaziergang durch das satte Grün zum Flügger Leuchtturm, dem einzigen von fünf Leuchttürmen auf Fehmarn, den man auch von innen besichtigen bzw. erklimmen kann. Wer meinen Blog ab und an liest, der weiß sicher von meinem Faible für Treppenhäuser und daher war eine Besteigung der gerade mal 162 Stufen des Flügger Leuchtturms quasi unumgänglich, um die Aussicht von oben zu genießen aber vor allem um Fotos von der Wendeltreppe anzufertigen. Für ein paar Taler kann man sich auch von einem netten Herren in einem umgebauten Golf-Caddy zum Leuchtturm chauffieren lassen:

Den Weg zurück zum Campingplatz liefen wir am langen Naturstrand entlang. Ein Stück hinter dem Flügger Campingplatz befindet sich übrigens ein Gedenkstein an Jimi Hendrix, der sein letztes Festivalkonzert nur wenige Tage vor seinem Tod 1970 auf Fehmarn spielte.

Weiter ging es von hier aus zur – zugegeben relativ flachen – Steilküste bei Katharinenhof. Auf diesem Teil der Insel lässt sich noch die ursprüngliche Vegetation der Insel Fehmarn erahnen: Bäume, wohin das Auge reicht. Heute hingegen sind weite Teile der Insel von bewirtschafteten Feldflächen umgeben. Am Strand von Katharinenhof machte ich neben vielen gewöhnlichen Findlingen allerdings auch einen eher ungewöhnlichen Fund, und zwar entdeckte ich diesen Tierschädel am Strand. Falls jemand identifzieren kann, von welchem Tier der Schädel stammt, bin ich für eine Info (z.B. über das Kontaktformular oder als Kommentar unter diesem Beitrag) dankbar.

In einer Tour fuhren wir im Anschluss zum Strand von Staberhuk, wo sich auch noch ein Marinestützpunkt befindet sowie zum Leuchtturm Staberhuk (den man leider nur von außen betrachten kann). Auch beim Yachthafen in Burgtiefe am Südstrand schauten wir noch einmal vorbei, da uns beim ersten Besuch des Badeortes  – wie oben erwähnt – der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

Am Tag darauf war es wieder ziemlich windig – a propos windig: Wie dieses Foto der krummen Bäume belegt, ist es auf Fehmarn wohl häufig recht windig, sonst würden die Bäume nicht so schief gewachsen sein. Die beiden anderen Bilder zeigen einen kleinen See in Petersdorf sowie die St. Petri-Kirche in Landkirchen:

Zeitweise zeigte sich der Himmel auch von seiner schönsten Seite – etwa als einige Zugvögel die Insel überflogen. Vormittags fuhren wir alsbald zum Strand von Westermakelsdorf, wo ich den Leuchtturm Westermakelsdorf fotografierte. Am Strand lief mir schließlich dieser süße Hund vor die Linse, der ein Stück Treibgut an Land schleppte. Ebenfalls auf der fotografischen Agenda standen heute das Niobe-Denkmal am Strand bei Gammendorf, das an die Havarie des Schulschiffs Niobe erinnert sowie der so gar nicht fotogene moderne Leuchtturm Marienleuchte. Da den restlichen Tag über kräftiger Dauerregen einsetzte, gibt es von der zweiten Tageshälfte leider keine zeigenswerten Fotos.

An den übrigen Tagen standen schließlich ausgedehnte Touren aufs Festland von Ostholstein an:

Bei einem Ausflug nach Neustadt in Holstein musste ich zunächst die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit der Kleinstadt, das sog. Pagodenhaus, ablichten, aber auch der kleine Hafen sowie ein schnuckeliges, komplett mit Efeu bewachsenes Fischerhäuschen hielten als Motive her:

Mein Interesse während der Ausflüge aufs Festland galt jedoch vor allem den vielen Seebrücken in der Region. So schaute ich mir dann auch nur mehr der Vollständigkeit halber das Kloster Cismar an, das Hauptaugenmerk beim Besuch des Ostseebades Grömitz lag jedoch auf der rund 400 Meter langen Seebrücke:

Am Ende der Seebrücke befindet sich auch eine Tauchglocke, deren Mehrwert sich aufgrund der schlechten Sicht (durch aufgewirbelten Sand in Ufernähe) jedoch in Grenzen hält. Bei einem Bummel über die lange Uferpromenade finden sich aber ohnehin genügend andere Möglichkeiten, Geld auszugeben, etwa für allerlei Leckereien.

In Kellenhusen, einem etwas kleineren und beschaulicheren Seebad, befindet sich ebenfalls eine sehenswerte Seebrücke:

Auf der rund 300 Meter weit ins Meer reichenden Seebrücke wurden sogar drei verschiedene Stationen installiert, u.a. eine kleine Insel mit Hängematten zum Entspannen.

Nächster Halt war die Stadt Heiligenhafen, die ihrem Namen aufgrund des üppigen Yachthafens alle Ehre machte. Im Hafen genehmigten wir uns ein leckeres Eis, bevor wir zum Neubauviertel schlenderten, wo aktuell eine ganze Strandpromenade inklusive Geschäften und Hotels aus dem Boden gestampft wird. Auch hier stellte das primäre Ziel auf der fotografischen Agenda die Seebrücke der Stadt dar:

Die erst 2012 eröffnete 435 Meter lange Seebrücke weist an mehreren Stellen Verzweigungen und Höhenunterschiede auf, beherbergt u.a. einen Wasserspielplatz, einen Sonnendeck mit Liegestühlen sowie einen überdachten Glaspavillon.

Und noch eine weitere Seebrücke galt es zu besichtigen. Im Vergleich zu den Exemplaren in Kellenhusen und Heiligenhafen ist das rund 230 Meter lange Exemplar im Kurort Großenbrode allerdings eher schlicht gehalten, eignete sich aber trotzdem für den ein oder anderen Schnappschuss:

Ein Bauwerk, um das kaum ein Besucher von Fehmarn herumkommt, stellt die Fehmarnsundbrücke dar, die ich auf dem Rückweg vom Festland zu unserer Ferienwohnung auf Fehmarn noch ablichtete. Denn die Brücke, die ein wenig an einen Kleiderbügel erinnert, ist die einzige direkte Verbindung von Festland und Insel und macht nicht nur als viel befahrener Verkehrsweg sondern auch als Fotomotiv einen guten Job:

Zum Abschluss der kurzen Fototour mussten wir unbedingt noch einmal bei Quintings, dem Burgerladen in Orth (ich schwärmte weiter oben bereits davon), vorbeischauen, um uns für die Rückfahrt am nächsten Tag zu stärken.

Kurz darauf hieß es dann auch leider schon wieder Abschied nehmen: In diesem Sinne, tschüss Sulsdorf, tschüss Fehmarn, auf in Richtung (Heimat-)Ort im Ruhrgebiet…

Auf der Rückfahrt wollte ich eigentlich noch einen Zwischenstopp am Timmendorfer Strand einlegen. Dort gibt es nämlich eine weitere sehenswerte Seebrücke mit einer asiatisch angehauchten Pagode und verglastem Boden. Leider machten mir Sturm und kräftiges Regenwetter einen gewaltigen Strich durch die Rechnung, weshalb ein Besuch von Timmendorfer Strand umgehend auf die „To-Do-Liste“ gesetzt wurde.

Und eines ist nach dem Besuch von Fehmarn jetzt schon sicher: Auch die zwei größeren deutschen Ostseeinseln, namentlich Rügen und Usedom, müssen in naher Zukunft dringend mal besucht werden…

Zum Abschluss folgt noch die Bitte um Rückmeldung in den Kommentaren, wie euch mein Reisebericht über Fehmarn und Ostholstein gefallen hat sowie das obligatorische „Vielen Dank!“ fürs Lesen. 🙂

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2 Kommentare

  1. hey dirk
    dein bericht kommt genau zur rechten zeit! ich fahre in den sommerferien selbst nach fehmarn und da werde ich dank deiner anschaulichen bilder sicher auch einige sehenswürdigkeiten, die du empfohlen hast, besichtigen und zum burgerladen muss ich dann wohl auch unbedingt! 🙂

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