Metal For Mercy 2012 – Tag 1

Metal For Mercy 2012 - Tag 1

Zum nunmehr neunten Mal öffnete am 30.11. und 01.12.2012 die Werkstadt in Witten für das mittlerweile schon traditionelle Metal For Mercy Benefizfestival ihre Pforten. An zwei Tagen traten auf zwei Bühnen wieder 24 grundverschiedene, abwechslungsreiche Bands auf.

CalamityWährend der Freitag neben diversen Metalbands auch einiges für Fans von Neuer Deutscher Härte sowie Gothic Metal bereit hielt, stand der Samstag dann wieder mehr im Zeichen des (Death) Metals. In diesem Jahr fand das Benefizfestival für den Verein Aktion Teddybär statt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern in Notsituationen als ersten Trost einen Teddybären zu schenken.

Die immer etwas schwierige Aufgabe, das Festival am Freitagabend gegen 18 Uhr vor noch wenig Publikum zu eröffnen, kam bei der diesjährigen Auflage der noch recht jungen Band Calamity aus Duisburg zu…

Nach dem äußerst mitreißenden Opener Road Trip sowie dem nachfolgenden Song With You stellte Sängerin und Gitarristin Natalia erst einmal klar: “Wir sind keine typische Metalband. Keine Ahnung, warum wir hier spielen.” Ein Mann im Publikum erwiderte jedoch lautstark: “Seid trotzdem geil!” Und recht hatte er! Der Mix aus cleanem Gesang und Geschrei untermalt mit einer gehörigen Portion Rock und einigen Metalanleihen wusste definitiv zu gefallen. Leider war es wie so oft zu Beginn eines langen Konzertabends noch nicht gerade voll und das Publikum noch ziemlich verhalten. Calamity ließen sich aber nichts anmerken, sondern gaben bei Songs wie My Shelter alles, um das schlaffe Publikum, das noch nicht mal auf Fragen wie “Für welche Band seid ihr hier?” oder “Gefällt’s euch?” antworte, mit ihrer dem Post Grunge zugeordneten Musik zu animieren.

Am Ende von Like An Egoist schmiss Bassist Michael seinen Tiefsaiter im hohen Bogen über die Bühne und auch Natalia hatte zum Abgang noch einen kessen Spruch auf Lager: “Wir sehen uns. Im nächsten Leben!” Im Kopf ergänzte ich: Oder auf einem eurer nächsten Konzerte.

Nach dem Auftritt von Calamity im großen Saal ging es um 18.30 Uhr auf der kleinen Studiobühne direkt nahtlos mit der Bochumer Gothic Rock Band Eiskristall weiter. Wie schon beim letzten Auftritt von Eiskristall, bei dem ich live dabei war, überzeugten auch dieses Mal wieder vor allem die deutschsprachigen Stücke Kristallnacht, Am Mondsee und Mein Engel.

Forever Ends TodayAuf der Hauptbühne im großen Saal sollten derweil ursprünglich die Alternative Rocker Porter loslegen, da diese ihren Auftritt jedoch kurzfristig abgesagt hatten, sprangen Forever Ends Today als Ersatz ein. Statt Alternative Rock gab es jetzt deftigen Metal Core auf die Ohren. Song für Song legte die noch recht junge Dortmunder Truppe an Härte und Spielfreude zu. Aggressive Shouts wechselten sich mit cleanem Gesang ab. Obendrein legten die Jungs noch eine energische Performance an den Tag, lediglich das Publikum wurde nicht so recht warm mit dem heftigen Metal Core.

AreonauticaBevor die selbsternannten Luftfahrtpioniere von Areonautica abheben konnten, gab es zunächst einige kleinere technische Probleme zu beseitigen. Mit vereinten Kräften konnte der Dampfkessel (auch als Schlagzeug bekannt) dann aber in Gang gesetzt werden, so dass einem erfolgreichen Auftritt der Steampunk Metal-Truppe nichts mehr im Wege stand.

AreonauticaMit den beiden ersten gespielten Stücken Aeronautica und Sternenfeuer nahmen Kapitän Tobias Kurzawa und seine Crew bestehend aus Felix Tenten, Aurora Morgenrot sowie Ben Rösgen den Zuschauer auf eine Reise in das viktorianische Zeitalter der Maschinen. Im Anschluss stellte Sänger Tobias das fünfte Bandmitglied vor, das Grammophon! Schnell das altmodische Gerät aufgezogen und ein Einspieler ertönte – eine sehr schöne Abwechslung von schnöden Einspielern vom Band. Nach der Augenzeuge folgte noch ein Lied über den Alkohol (Pech und Schwefel), zu dem auch zwei kleine Fläschchen Hochprozentigen ins Publikum gereicht wurden. Mit Maschinengeist endete dann aber der kurzweilige Ausflug in die Welt der dampfenden Maschinen.

Nicht nur optisch sondern auch musikalisch konnten mich die vier Aeronauten durchweg überzeugen. Wer Steampunk (und am besten noch eine Kombination aus Neuer Deutscher Härte und Metal) mag, wird Aeronautica lieben. Auf diese Band sollte man in Zukunft ein Auge werfen!

Im großen Saal hatten mittlerweile die Gothic Metaller von Serenade ihren Auftritt mit Falling Down von der gleichnamigen ersten Demo eingeläutet. Melodischer cleaner Gesang traf elektronische Beats; bei Reckless kamen dann im Anschluss als Sahnehäubchen noch aggressive Growls dazu.Während die elektronischen Beats für meinen Geschmack etwas zu sehr dominierten, hätte ich mir im Gegensatz allerdings ein paar mehr Schreianteile gewünscht.

Serenade

Freunde von Xandria, Within Temptation und Artverwandten wurden sicher positiv angesprochen, auch wenn im Publikum noch nicht all zu viel Stimmung aufkam. Mir hatte der Auftritt – zumindest den Teil, den ich mitbekommen habe (das laut Setlist gespielte Metallica-Cover For Whom The Bell Tolls habe ich leider verpasst) – insgesamt recht gut gefallen. Ich muss jedoch gestehen, dass mir die Songs auf der Demo-CD wie ich beim Hören selbiger feststellen musste, noch einen Hauch besser gefallen als die auf dem Festival gespielten Live-Versionen. Schieben wir das mal auf die nicht ganz perfekte Abmischung. Ich werde aber definitiv auf einem der nächsten Konzerte von Serenade vorbeischauen und mir ein ausführliches Bild machen!

Dyora, die schon im letzten Jahr beim Metal For Mercy Festival 2011 einen guten Eindruck hinterlassen hatten, spielten bei der diesjährigen Auflage nur auf der kleinen Studiobühne – der Stimmung und der energiegeladenen Performance (allen voran von Sänger Dome, der auch wieder auf einige Boxen kletterte und – sofern es die Bühne denn zuließ – ordentlich abging) tat dies jedoch keinen Abbruch. Mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Alternative Rock und heftigem Metal wussten Dyora wieder das Publikum zu überzeugen.

Tri State CornerWährend der Umbauarbeiten für Tri State Corner wurde es nun langsam aber sicher voller im großen Saal. Auch wenn sich die Jungs aus dem beschaulichen Burscheid etwas verspäteten, so hatten sie die Meute schon mit dem Opener Historia vom aktuellen, gleichnamigen Konzeptalbum voll im Griff. Kein Wunder, denn mit ihrer Bouzouki Rock getauften Musik, die Elemente aus Metal, Rock und Folk erfolgreich vereint, trafen sie scheinbar genau den Nerv des Publikums.

Tri State CornerDirekt nach dem ersten Song holte Sänger Lucky etwas aus, erzählte, dass die Band schon vor drei Jahren auf diesem super Festival gespielt habe. Gleichzeitig forderte er das Publikum auf, laut auszurasten, wann immer er das Wort “Album” in den Mund nahm. Genug Gelegenheit dazu bekamen die Besucher, da Lucky gefühlt in jedem dritten Satz das Wort “Album” unterbrachte.

A propos Album: Vom eben erwähnten Album wurden auch gleich die mitreißenden Stücke Nothing At All, das dank der Mandoline stellenweise ein wenig orientalisch angehaucht klang, sowie die aktuelle Single Sooner Or Later gespielt. Als langjähriger  Fan von In Veins, die sich leider vor einiger Zeit aufgelöst haben, hatte ich große Freude an dieser sympathischen Kombo!

SchockraumAuch der Auftritt von Schockraum auf der kleinen Studiobühne verspätete sich um etliche Minuten. Nachdem es dann jedoch endlich losging, gab das Quartett trotz der Halsentzündung ihres Sängers alles. Die Band kombinierte mit Stücken wie Neandertalermann oder Kaltes Herz klassische Neue Deutsche Härte mit eine Prise Industrial. Da sich ungefähr zeitgleich der Co-Headliner Stahlmann auf der großen Saalbühne bereit machte, hatten die Männer und die Frau von Schockraum keine leichte Aufgabe, das Publikum im Saal zu halten.

Die angesammelte Verspätung sorgte dafür, dass sich auch der Gig von Stahlmann aus Göttingen etwas nach hinten verschob, doch als die Kombo um Sänger Mart mit dem passenden Song Willkommen endlich ihren Auftritt einleitete, ging die Meute augenblicklich frenetisch ab. Bei Stahlmann ging das Gesamtkonzept wieder einmal auf: Einprägsames Songmaterial nach typischer Art der Neuen Deutschen Härte, untermalt mit einfachen aber äußerst druckvollen Gitarren und einem Hauch Industrial, dazu die silberne “Legierung” der vier Stahlmänner und ein Frontmann, der die Besucher immer wieder zum Mitmachen auffordert. Was will man mehr? Kein Wunder also, dass das Publikum die Band gebührend abfeierte.

StahlmannMit Marschieren, Stahlmann und Kaltes Herz ging es zügig weiter, ehe Sänger Mart etwas aus dem Nähkästchen plauderte. So erzählte er von der Gründungszeit der Band, als alle Freunde (noch) skeptisch darüber waren, dass Stahlmann ausgerechnet Neue Deutsche Härte machen wollten. “Uns war es scheiß egal”, hebt Mart hervor und ergänzt: “Eine Band hat immer an uns geglaubt, Eisbrecher!” Aus diesem Grund wurde die erste Single der Band Hass Mich an diesem Abend auch Alex Wesselsky, dem Sänger von Eisbrecher, gewidmet.

Höhepunkte waren für mich der Stampfer Stahlwittchen, Engel und Tanzmaschine mit denen der Auftritt dann auch schon wieder fast endete. Das Publikum sprang und klatschte die ganze Zeit über fleißig und so gab es natürlich auch ein, zwei Zugaben. Hervorzuheben ist hier vor allem die neue Single Die Welt verbrennt, die es am 21.12.2012 – und nur an diesem Tag, denn danach geht die Welt ja bekanntlich ohnehin unter – kostenlos zu downloaden geben wird.

TumulusVom Auftritt von Tumulus bekam ich nur noch ein paar Songs im Mittelteil mit. Dafür verpasste ich – nicht zum ersten Mal an diesem Abend – ein laut Setlist gespieltes Cover und zwar Holy Diver von Metallegende Dio. Was ich allerdings in der kurzen Zeit unweigerlich bemerkte, war, dass sich das Personalkarussell im Vergleich zum letzten Auftritt beim Metal For Mercy Festival 2010 ein wenig gedreht hat und mit Tika u.a. eine neue Sängerin Einzug gehalten hat. Auf die Musik hatte der Wechsel am Mikrofon allerdings keine Einflüsse. Die neue Sängerin überzeugte nicht nur optisch mit ihrem roten Kleid sondern auch durch ihre gekonnten Wechsel zwischen harschen Growls und gefühlvollen Gesangspassagen.

Das Highlight vieler Besucher machte sich währenddessen im großen Saal bereit: Staubkind. Nach dem gewohnten Fang dir deine Träume-Intro ging es mit der neuen aktuellen Single Nur ein Tag direkt in bester Staubkind-Manier los. Auch in ihrem neuen Song kombinieren die Berliner Dakrocker um den sympathischen Sänger Louis Manke, der die Band im Jahr 2003 ursprünglich als Solo-Projekt gründete, wieder gefühlvolle Lyrik mit nachdenklich stimmenden Ohrwürmern, das Ganze garniert mit wuchtigen Gitarren und einigen elektronischen Passagen.

Staubkind, die vor zwei Jahren an gleicher Stelle als Co-Headliner vor Down Below auftraten, hatten sichtlich Spaß und Sänger Louis hob noch einmal den tollen Zweck des Festivals hervor. Sein ungefährer Wortlaut dazu: “Wir haben Riesenrespekt vor den Organisatoren!” Außerdem forderte er das Publikum freundlich auf, einen der niedlichen Teddys zu kaufen, um damit die Aktion Teddybär zu unterstützen.

Staubkind

Zwar animieren die teils melancholischen, teils schwermütigen Songs von Staubkind – anders als bei der Vorband Stahlmann – nicht direkt zum totalen Ausrasten, aber dennoch konnte sich die Stimmung durchaus sehen lassen. Das Publikum war trotz der späten Stund noch hellwach und klatschte begeistert zu jedem Song, auch wenn sich die Reihen im hinteren Teil des Saals schon etwas gelichtet hatten.

StaubkindKlassiker wie etwa das nunmehr schon acht Jahre alte Dein Engel schweigt von der ersten CD Traumfänger aus dem Jahr 2004 wurden trotzdem noch gebührend gefeiert. Aber auch neue Stücke wie etwa das ruhigere Kannst du mich seh’n oder das rockige Fühlst du begeisterten das Publikum.

Gegen Ende des Auftritts von Staubkind sorgte dann noch ein Fehlalarm dafür, dass zwei Löschzüge der Feuerwehr Witten anrückten. Während die Besucher bei den Merchandise-Ständen und im Eingangsbereich nicht schlecht staunten, als plötzlich einige Feuerwehrmänner in voller Montur die Halle betraten, bekam das Publikum im großen Saal davon jedoch nichts mit und das Konzert lief auch ohne Unterbrechung weiter. Auf der kleinen Studiobühne traten derweil noch Bitter Thrill vor einem kleinen aber feinen Publikum auf und überzeugten mit ihrer Power Rock’n’Roll getauften bodenständigen Musik. So langsam aber sicher näherte sich der erste Tag des Festivals  dann auch schon wieder dem Ende entgegen und die meisten Besucher waren schon sehr gespannt auf den zweiten Tag mit zwölf weiteren abwechslungsreichen Bands.

Den Bericht von Tag 2 findet Ihr hier.

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