Castle Rock 2011

Weil ich eigentlich auf einem Abiball fotografieren sollte, dort jedoch eine kurzfristige Absage bekam, wich ich spontan auf das Castle Rock Festival aus – als normaler Besucher allerdings, weil es nun zu knapp war, noch eine Fotogenehmigung einzuholen. Dennoch will ich Euch einen Konzertbericht liefern, zu mal ich die Musik und das Treiben  drumherum viel besser wahrnehmen konnte, da ich mich nicht auf das Fotografieren konzentrieren musste. Ein paar Schnappschüsse habe ich mit einer kompakten Kamera natürlich trotzdem geschossen. 😉

Unfreiwilliger Startschuss des 12. Castle Rock war der typische Windows-Sound beim Hochfahren eines PC, der in voller Lautstärke abgespielt wurde – wahrscheinlich wurde gerade ein Laptop für die Einspieler vorbereitet. Dies sorgte verständlicherweise bereits für etliche Lacher und Jubel im Publikum.

Stahlmann

Der Opener Stahlmann war direkt die Überraschung des Tages. Selten habe ich erlebt, dass die erste Band eines Festivaltages schon zur Mittagszeit (der Startschuss fiel um 13 Uhr) bereits ordentlich Stimmung machen kann. Die in einheitlichem schwarz gekleideten und mit silberner Farbe besprühten Jungs aus Göttingen, die auch als Zinnsoldaten hätten durchgehen können, legten mit Willkommen einen guten Festivalstart hin, auch wenn das Lied von der Dunkelheit handelte und es draußen natürlich taghell war.

Obwohl die Band erst 2008 gegründet wurde, verstanden es Stahlmann – insbesondere Sänger Mart, der wild auf der Bühne hin und herlief – sehr gut, das Publikum zu animieren. Tracks wie Marschieren, Stahlmann oder Kaltes Herz gingen runter wie Butter. Bei letztem Lied wurde nicht mehr nur geklatscht sondern auch fleißig gesprungen – so etwas sieht man sonst meist erst bei den Headlinern.

Stahlmann versuchten auch gleich mit einem Vorurteil aufzuräumen: “Wir sehen böse aus, aber wie das so ist, sind die bösen Bands immer ganz lieb.” Kein Wunder, dass Stahlmann im Anschluss an ihren Gig auch noch für die Fans an ihrem Merchandise-Stand zur Verfügung standen. Ein bisschen bissiger wurden Stahlmann dann doch noch. Als Einleitung zu Hass Mich versuchte Mart das Publikum ein wenig zu reizen: “Hör mal auf zu Filmen und nehm’ die Hände hoch! Auch der, der seine Freundin im Arm hat!”

Auch wenn die Musik von Stahlmann nicht gerade innovativ daher kommt – eben typisch solide Neue Deutsche Härte -, als Festivalband sind sie sicher ein Geheimtipp. Sie waren sich ihrer Rolle als Opener auch sehr bewusst: “Wir müssen das Publikum heiß machen für die nachfolgenden Bands!” Klare Ansage. Wen interessierte es da noch, dass ihre Musik einfach gestrickt ist und der von Rammstein und Konsorten hier und da ein wenig ähnelte? Was zählt, ist schließlich der Effekt!

Schön fand ich auch die Aussage von Sänger Mart, dass er bisher nur als Gast “auf einem der geilsten Festivals” gewesen war und er sich daher umso mehr freue, dieses Jahr mit seiner Band auf dem Castle Rock spielen zu dürfen.

Leider verpuffte die gute Stimmung der Stimmungskanone Stahlmann bei der nächsten Band, den Golden Apes, wieder im Nichts. Mit ihrer melancholischen Rock Musik konnten viele Besucher gar nichts anfangen. Wie meinte eine Besucherin bei uns am Tisch: “Die Musik eignet sich sicher für Auftritt in kleinen Clubs, aber nicht für ein Festival, wo die Leute abfeiern wollen.” Genau so und nicht anders! Musikalisch bewegten sich Golden Apes nämlich auf einem hohen Niveau, aber was nützt dies, wenn die Musik die Massen nicht animieren kann?

Lord Of The Lost

Im Gegensatz zu den Golden Apes, die schon seit 1998 existieren, betrat mit Lord Of The Lost, die einen Tag zuvor noch in Tschechien aufgetreten waren, nach einem Intro wieder ein – wenn man so will – Newcomer die Bühne. Bei einem der ersten Lieder kam es kurz zu heftigen Tonstörungen, wobei man nicht genau sagen konnte, ob sie auf ein Versehen zurückzuführen waren oder ob es sich nur um ein falsch eingespieltes Sample handelte.

Optisch machten die Jungs einiges her – gekleidet in zerrissene Kleidung und furchteinflößend geschminkt. Leider konnte Schlagzeugerin Any Wayst nicht dabei sein, da sie sich beim Kickboxen verletzt hatte. Als Ersatz sprang Disco Pleasure ein. Aber auch musikalisch hatten Lord Of The Lost einiges auf dem Kasten. Endlich ging es wieder in härtere Gefilde. Die raue Stimme von Sänger Chris „The Lord“ Harms gepart mit dem düsteren Sound konnte restlos überzeugen.

Highlight der Band war das Bad Romance-Cover von Lady Gaga, das beim Publikum erstaunlich gut ankam. Zur Zeit wird übrigens versucht, eine Veröffentlichungsgenehmigung für das Cover zu erlangen, so dass es auch auf CD gepresst werden darf.

Van Canto

Als nächstes waren auch schon Van Canto – stets ein Garant für Partystimmung – an der Reihe. Bevor es jedoch soweit war, musste noch eine wie gewohnt lange Umbaupause überwunden werden, obwohl – wie der geneigte Fan weiß – als einziges Instrument nur ein Schlagzeug aufgebaut werden musste. Die Saiteninstrumente werden bei der Acapella-Fraktion schließlich nur mit dem Mund imitiert. Rakataka eben.

Van Canto starteten wie so oft mit Lost Forever und dem dazu gehörenden gemeinsamen Singen mit den Fans – das zeichnet die Band eben aus. Vor der Bühne wurde sogar fleißig eine große weiße Fahne mit dem Slogan “Rakataka fürs Volk” geschwenkt. Mit “Jetzt kommt was für die Mädchen” leitete Leadsänger Philip Dennis „Sly“ Schunke zum Nightwish-Cover Wishmaster über, wobei die Aussage etwas komisch an kam, schließlich wird und wurde Nightwish stets auch von vielen männlichen Metalheads vergöttert.

Leider kam Van Cantos Sound nicht ganz so kraftvoll an wie bei Clubgigs. Dennoch brauche ich glaube ich nicht zu erwähnen, dass bei One To Ten der Bär steppte. Absolutes Highlight für mich war natürlich die folgende überraschende Ansage: “Kennt ihr eine schwedische Band?” Pause. “Kennt ihr Sabaton?” Gänsehaut. Es folgte ein Cover von Sabatons Primo Victoria – deftig heftig! Scheint so, als wären Van Canto seit dem gemeinsamen Auftritt mit Sabaton beim Rockstad Festival auf einer Wellenlänge!

Die üblichen Verdächtigen durften natürlich nicht fehlen: To Sing A Metal Song, das Medley aus The Mission und dem Metallica-Cover Master Of Puppets sowie Fear Of The Dark, bei dem die Meute noch einmal alles gab. Leadsänger Sly kletterte sogar einen Träger der Bühne hoch – wohl um den Ausblick auf den Burgplatz zu genießen.

Amüsant war auch der folgende Dialog: “Sind irgendwelche Engländer hier?”, fragte Sly. Ein Bandkollege meinte dazu: “Du musst Englisch sprechen, die verstehen uns doch nicht!” Jeder wusste, was nun kam: Der Klassiker Rebellion, ohne den Van Canto einen Auftritt nicht beenden dürfen.

Crematory

Im Anschluss kam es zu einer kurzfristigen Änderung im Spielplan, weil Megaherz seit 13 Uhr im Stau standen. Glücklicherweise erklärten sich Crematory spontan bereit, ihren Auftritt vorzuziehen.

Nach einem Intro mit allerlei futuristischen Lasersounds präsentierten Crematory aus dem kleinen Westhofen Infinity aus dem gleichnamigen aktuellen Album. Sänger Gerhard Stass fühlte sich auf der Bühne ziemlich wohl. Auch er teilte die Meinung, dass das Castle Rock “eins der schönsten Festivals in Deutschland” sei. Recht hat er!

Crematory waren die dato härteste Band – Vergleiche mit Fear Factory und Konsorten drängten sich auf, bloß dass Crematory sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch sagen. Die Fans hatten sichtlich Spaß an der härteren Spielart. Vor der Bühne wurden die Pommesgabeln in die Luft gereckt, während auf den Festzeltgarnituren so manche Gabel aus Plastik an zähem Fleisch zerbrach .

Im Anschluss unternahm man bei gleichnamigem Liedtitel eine Höllenfahrt, bei der der Burgplatz bebte. Nach einer ruhigen Ballade stellte der Song Tick Tack den Höhepunkt von Crematorys Set dar. Hier zeichnete sich ab, warum Crematory nicht als reine Metal Band durchgehen sondern die Bezeichnung Gothic aufgrund elektronischer Einspieler durchaus verdienen. Mit The Fallen, Pray und dem starken Black Celebration fand der Auftritt von Crematory seinen regulären Abschluss. Als Zugabe sang der Gitarrist die Ballade Perils Of The Wind.

Megaherz

Endlich waren auch die Münchener NDH-Rocker Megaherz im Schloss Broich angekommen und konnten ihren Auftritt um kurz nach sieben Uhr beginnen. Als Lebenszeichen starteten Megaherz druckvoll mit Dein Herz schlägt – ein gut gewählter Opener.

Mit Es ist nicht leicht ein Gott zu sein und Jordan folgten zwei weitere Lieder, die beim Publikum sehr gut ankamen. Sänger Alexander „Lex“ Wohnhaas nutzte die Zeit zwischen den Liedern für ein paar Ansprachen. Zum einen offenbarte er, dass Megaherz nach drei Jahren mal wieder im Studio sind, um ein Album aufzunehmen, dass im Oktober erscheinen soll. Zum anderen berichtete er von den Ursachen der Verspätung. Eine Panne des Tourbusses, die zum Glück recht schnell behoben werden konnte sowie ein Superstau, bei dem Megaherz alle Hebel in Bewegung gesetzt hatten, um noch rechtzeitig anzukommen (Überholen auf dem Seitenstreifen – “Für Euch hätten wir jeden Strafzettel in Kauf genommen”), waren die Gründe gewesen. Er dankte aufrichtig Crematory – der ungefähre Wortlaut:  “Das rechne ich Euch hoch an, dass Ihr Euren Auftritt vorgezogen habt. Zeigt die Kongenialität unter Metalbands!”

Weiter ging es mit Fauler Zauber und Kopfschuss. Obwohl die Stimmung bereits sehr gut war, feuerte Sänger Alexander die Meute immer weiter an. Es wurde laut geklatscht und der Großteil vor der Bühne sang die eingängigen Refrains mit. Ehe Herzblut gespielt wurde, gab es mit Meine Sünde, ein Lied, das extra fürs WGT ausgegraben wurde und eine Premiere in dieser Besetzung war, ordentlich was auf die Ohren.

Für alle Freunde und sog. “Freunde” spielten Megaherz den Song Heuchler. Höhepunkt der Stimmung erreichte das Konzert als sich Sänger Alexander beim Refrain von Freiflug (“Und ich flieg…”) von der Bühne in die Menge fallen ließ. Damit war er der erste Crowd Surfer des Tages! Während er das Lied zu Ende sang, wurde er einmal um den großen Baum auf dem Burgplatz herumgereicht. Die Publikumslieblinge Miststück und Peitsch Mich gab es als Zugaben oben drauf.

Oomph!

Oomph! brauchten für den Soundcheck etwas länger als geplant, jedoch hatten Megaherz ihren Auftritt auch etwas überzogen. Der Startschuss fiel um kurz nach 21 Uhr mit Beim ersten Mal tuts immer weh. Das Publikum war von Anfang an frenetisch drauf und sang lautstark mit.

Die bereits 1998 gegründete Formation aus Braunschweig präsentierte einen Kracher nach dem anderen: Träumst Du (mit dem Lied hatten Oomph! 2007 den 3. Bundesvision Song Contest gewonnen), Unsere Rettung (besonders genial mit lateinischen Versen!), das ebenfalls sehr gute Fieber, Wer Schön Sein Will Muss Leiden oder Du Willst Es Doch Auch. Besonders auffällig war die Performance von Frontmann Dero Goi. Je nach Thematik der Songs verhielt er sich entsprechend der Liedtexte. So mimte er u.a. einen Drogenabhängigen, in dem er sich auf die Venen klopfte. Sein Auftreten stach im Gegensatz zu den übrigen Bandmitgliedern, die mehr oder weniger “nur” ihre Instrumente spielten, total hervor.

Nach den – ebenfalls soliden – Liedern Wach auf und Das weiße Licht, das die Band laut eigener Aussage über 4 Jahre nicht gespielt hatte, verwechselte Dero die Flagge von Australien mit der von Neuseeland, die ein paar Fans hochgehalten hatten – “Ich bin halt nur ein Sänger”, kommentierte er das kleine Maleur. Spätestens als er sich – wie schon sein Kollege von Megaherz zu vor – in die Menge fallen ließ, war der Fauxpas schon wieder vergessen. Sein Aufenthalt auf der Menge fiel jedoch deutlich kürzer aus.

Die akustischen Lieder Sex hat keine Macht und Auf Kurs kamen beim Publikum nicht ganz so gut an wie die “normalen” Stücke. Besonders amüsant war auch das folgende Statement: “Gebt mir Eure Iphone-Displays!” Und nach einer kleinen Pause: “Früher hat man auch noch Feuerzeuge dazu gesagt…” Ein kleiner Verweis auf die langsam wirklich Überhand nehmende Menge an Handyfilmern…

Revolution wurde wieder in typisch harter Manier vorgetragen. Nahtlos reihen sich das von Herr der Ringe inspirierte Mein Schatz (“Kennt ihr Gollum?”) und Gekreuzigt ein. Bevor sich das Konzert auch schon dem Ende nähern würde, wurde es Zeit für die erfolgreichsten Lieder der Band: Labyrinth, das mit dem Queen-Cover We Will Rock You gemixt wurde sowie Gott ist ein Popstar, das Dero wie folgt ankündigte: “Das nächste Lied geht raus an die verwixten Castingsshows!” Danach gingen die Lichter aus und Oomph! ließen sich Zeit, bis sie wieder die Bühne betraten, um als erste Zugabe den Klassiker Eckstein zu spielen.

Einen würdigen Abschluss fand das Festival mit dem kritischen Song Sandmann. Deros Ankündigung im ungefähren Wortlaut dazu: “Wir leben in einer Weltwirtschaftskrise, die von Banken verursacht wurde und denen jetzt mit Staatsgeldern geholfen wird, obwohl Kinder in Euopra verhungern! Armes Deutschland!!” Dieses Statement kann man so stehen lassen.

Das Castle Rock 2011 war ein voller Erfolg und ich werde mit Sicherheit im nächsten Jahr wieder kommen!

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3 Kommentare

  1. 2011 war ich zuletzt beim Castel Rock und ich freue mich schon tierisch nächstes WOchenende endlich mal wieder dabei sein zu können!

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