Analoge Canon-SLR-Kameras und Objektive

Fotografie-PortalViele Hobbyfotografen fotografieren nicht nur leidenschaftlich gerne, sondern sammeln oftmals auch allerlei analoge Schätzchen. Auch ich bin gerne auf Auktionsplattformen im Internet oder im realen Leben auf Kamerabörsen unterwegs und halte Ausschau nach dem ein oder anderen hübschen Modell für die Vitrine.

Daher habe ich nach den Übersichtsseiten für Festbrennweiten– und Zoom-Objektive des aktuellen EF-Bajonetts nun auch eine Seite für die analogen Modellreihen von Canon erstellt, um schnell und unkompliziert alle wichtigen Infos – etwa welches Objektiv an welches Bajonett welcher Kamera passt – einsehen zu können.

Vor Einführung der bis heute aktuellen EF-Objektive gab es bei Canon insgesamt fünf verschiedene Bajonett-Anschlüsse für analoge Spiegelreflexkameras (R, FL, FD, New FD und AC). Außerdem existierten für analoge Messsucherkameras (z.B. Canon P oder Canon 7) mit dem M39-Leicagewinde (Leica Screw Mount – LSM) noch diverse Objektive aus der S-Serie. Diese Objektive verfügten allerdings noch nicht über einen Bajonettanschluss, sondern wurden in das Gewinde der Kamera geschraubt.

Inhaltsverzeichnis:

Canon R-Bajonett (Canonflex)

Canonflex war die Bezeichnung von Kleinbild-Spiegelreflexkameras für das Canon R-Bajonett. Die erste Canonflex-Kamera erschien im Mai 1959, ihr folgten mit Canonflex RP, Canonflex R 2000 und Canonflex RM drei weitere Modelle. Mit dem Erscheinen der Canon FX im Jahr 1964, der ersten Kamera für das nachfolgende Canon FL-Bajonett endete die Produktion. Es handelte sich bei der Canonflex um die ersten analogen Spiegelreflexkameras von Canon.

Von dem Urmodell wurden lediglich rund 16.000 Exemplare gebaut, von der RP sowie der R 2000 nur ca. 9.000 Exemplare. Die RM produzierte Canon immerhin 70.000 Mal. In Deutschland blieb die Canonflex wegen der vielen einheimischen Kameras jedoch weitgehend unbekannt, in Großbritannien und den USA hingegen hatte sie immerhin eine etwas größere Verbreitung gefunden.

MIt Ausnahme der RM war in diesen Kameras noch keine Belichtungsmessung eingebaut und auch bei der RM war der Belichtungsmesser nur mit dem Verschlusszeitenrad gekoppelt, die Blende musste manuell auf das Objektiv übertragen werden.

Die Objektive des R-Bajonetts konnten auch an den späteren Kameras für FL- und FD-Objektive benutzt werden. Die Belichtungsmessung musste dann bei Arbeitsblende erfolgen.

Zwei Objektive für das R-Bajonett müssen an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden: Das R 55 – 135 mm f/3,5 war Canons erstes Zoomobjektiv und das R 58 mm f/1,2 war zum Verkaufsstart im Jahr 1962 das lichtstärkste Objektiv der Welt.

Canon FL-Bajonett

Das FL-Bajonett war die zweite Generation des R-Bajonetts. Neu war ein Übertragungselement, das die sog. Spring- bzw. Automatikblende ermöglichte. Die 1964 auf den Markt gebrachte Canon FX führte das FL-Bajonett ein, 1971 wurde es vom FD-Bajonett abgelöst. Einige ausgewählte FL-Objektive blieben jedoch noch einige Zeit im Programm und konnten auch an Kameras mit FD-Anschluss weiter verwendet werden. Das Supertele-Objektiv FL 1200 mm, f/11 erschien sogar erst ein Jahr nach Einstellung des FL-Bajonetts und blieb bis ende der 70er Jahre im Programm.

Aufgrund der eher geringfügigen Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger-Anschluss fand das FL-Bajonett keine allzu große Verbreitung, ganz im Gegensatz zum äußerst erfolgreichen Nachfolgemodell, dem FD-Bajonett.

Auf drei FL-Objektive lohnt es sich genauer einzugehen. Bei Verwendung des Fischaugen-Objektivs FL19mm f/3.5 musste der Spiegel der Kamera konstruktionsbedingt die ganze Zeit über hochgeklappt bleiben, weil das Objektiv in die Kamera ragte. Ein Fokussieren war daher nur mittels eines externen Suchers möglich. Das Nachfolgeobjektiv FL19mm f/3.5R löste das Problem mittels eines invertierten Bauteils, so dass hier kein externer Sucher mehr nötig war (das R im Namen steht daher für retrofocus). Das Tele-Objektiv FL-F300mm f/5.6 ist erwähnenswert, da es 1969 das erste Objektiv der Welt für Spiegelreflexkameras war, bei dem Linsenelemente aus künstlichen Fluorit-Kristallen zum Einsatz kamen, die für höhere Kontraste und weniger chromatische Aberrationen sorgten (deshalb der Zusatz F im Namen)

Canon FD-Bajonett

Beim FD-Bajonett handelt es sich um die dritte Generation des R-Bajonetts, das Anfang der 70er Jahre erstmals in der Canon F-1 verwendet wurde. Es fügte der zweiten Generation, dem FL-Bajonett, wichtige elekronische Übertragungselemente hinzu, die TTL-Belichtungsmessung mit offener Blende, Blendenautomatik und Programmautomatik ermöglichten.

Mit einer Ausnahme kam das FD-Bajonett nur an Objektiven mit manueller Schärfeeinstellung vor. Als einziges FD-Objektiv besaß das 1981 veröffentlichte New FD 35-70 mm, f/4 AF einen außen am Objektiv angebrachten und mit einer seperaten Batterie betriebenen Autofokus. Der Autofokus war vollkommen unabhängig vom Kameragehäuse und bedurfte daher keiner weiteren Übertragungsfunktionen. Das Objektiv war auf dem Markt jedoch nicht sonderlich erfolgreich.

In der FD-Objektivbaureihe führte Canon jedoch eine ganze Reihe neuer technischer Raffinessen ein. So veröffentlichte Canon 1971 mit dem FD55mm f/1.2 AL das weltweit erste Wechselobjektiv mit asphärischen Linsenelementen, die eine höhere Schärfe als bisher ermöglichten. 1978 folgte mit dem FD24-35mm f/3.5 S.S.C. Aspherical auch das weltweit erste Zoomobjektiv mit asphärischen Linsen. 1973 erschien mit dem TS35mm f/2.8 S.S.C. außerdem das weltweit erste Tilt-Shift-Objektiv für 35mm-SLR-Kameras.

Ein ebenfalls interessantes Feature findet sich bei den drei Fisheye-Objektiven, die jeweils eingebaute Filter (etwa Sky- und Polfilter) haben; das Fisheye FD15mm f/2.8 S.S.C. war darüberhinaus auch das lichstärkste Objektiv seiner Klasse.

Mit dem FD500mm f/4.5L beendete Canon die Objektivbezeichnungen S.S.C. und S.C. und führte die heute noch gebräuchliche L-Kennzeichnung (für besonders hochwertige Objektive) ein.

Canon New FD-Bajonett

1979 führte Canon unter dem Titel New FD schließlich noch ein modifiziertes FD-Bajonett ein, das jedoch keine zusätzlichen Funktionen bot, sondern lediglich die Handhabung des Scharfstellens bzw. des Zoomens veränderte. Hervorzuheben ist hier neben dem oben bereits erwähnten einzigen FD-Objektiv mit Autofokus noch folgendes Objektiv: Das New FD150-600mm f/5.6L war das erste Objektiv für SLR-Kameras mit Innenfokussierung.

Das FD bzw. New FD-Bajonett wurde 1990 vom heute noch aktuellen und mit ihm inkompatiblen EF-Bajonett abgelöst. Mittels Adapter bzw. Zwischenringe können Objektive frühere Bajonettanschlüsse auch an heutigen Kameras (sogar von Fremdherstellern wie etwa Sony oder Olympus) verwendet werden. Heute erfreuen sich alte, manuelle FD-Objektive – vor allem lichtstarke Festbrennweiten – wieder großer Beliebtheit, da sie für einen vergleichsweise geringen Preis eine sehr gute Abbildungs- und Verarbeitungsqualität bieten. Auch für Filmer, die oftmals mit digitalen Spiegelreflexkameras arbeiten (und dabei ohnehin nur den manuellen Fokus verwenden) sind FD-Objektive sehr interessant, da sie zusätzlich zu den guten optischen Leistungen auch praktisch keinerlei Geräusche verursachen.

Canon AC-Bajonett

Im Januar 1985 brachte Konkurrent Minolta mit der Minolta 7000 die weltweit erste analoge Spiegelreflexkamera mit einem im Gehäuse integrierten Autofokus-System auf den Markt. Zu dieser Zeit entwickelte Canon gerade das EOS-System mit dem EF-Bajonett, um ebenfalls automatische Scharfstellung anbieten zu können. Als Übergangslösung führte Canon im April 1985 das AC-Bajonett ein. Es handelte sich bei dem AC-Bajonett um eine Variaton des FD-Bajonetts, das um sechs elektrische Kontaktstifte am Objektiv ergänzt wurde, die ein automatisches Fokussieren ermöglichten. Das Kameramodell T80, an dem auch herkömmliche FD-Objektive mit manueller Fokussierung verwendet werden konnten, war die einzige Kamera für das AC-Bajonett. Für das AC-Bajonett erschienen lediglich drei Objektive. Nur ein Jahr nach der Einführung wurde das AC-Bajonett bereits wieder eingestellt und durch das bis heute genutzte EF-Bajonett ersetzt.

Die AC-Objektive konnten auch an Kameras für das FD-Bajonett angeschlossen werden. Dann musste die Schärfe allerdings manuell eingestellt werden. Da die Objektive keinen Blendenring besaßen, konnten sie nur von Kameras mit Blenden- oder Programmautomatik abgeblendet werden.

Canon EF-Bajonett (EOS)

Das EF-Bajonett wurde zusammen mit der analogen EOS-Modellreihe eingeführt, das bis heute auch in in allen digitalen EOS-Modellen von Canon weiter zur Anwendung kommt.

1987 erschien mit der EOS 650 das erste Modell der EOS-Baureihe, das in den Folgejahren das mit dem EF-Anschluss inkombatible FD-Bajonett ersetzte. Die Abkürzung EOS steht hierbei für Electro-Optical System, EF für Electronic Focus. Neu war im Gegensatz zu den vorherigen Modellreihen, dass die Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv nunmehr rein elektronisch erfolgte. Auch die Steuerung der Blende funktionierte von nun an durch einen elektrischen Antrieb im Objektiv. Ebenfalls neu war der vollautomatische elektronische Autofokus in den Objektiven, in denen – je nach Professionalität – entweder ein Mikromotor oder Ultraschallmotor zum Einsatz kommen kann.

1991 wurde überraschenderweise ein EOS-Modell mit ausschließlich manuellem Fokus vorgestellt: Die EOS EF-M basierte technisch auf der EOS 1000 (allerdings ohne LCD und eingebauten Blitz), hatte aber anstatt eines Autofokus nur eine optische Fokussierhilfe im Sucher. Außerdem besaß sie als einzige Kamera des EOS-Systems einen Schnittbildindikator mit Mikroprismenring, wie er zuvor in den Kameras der FD-Serie üblich war.

2010 hat Canon mit der EOS 1V schließlich die Produktion analoger SLR-Modelle gänzlich eingestellt. Die letzten neu eingeführten Modelle waren 2004 die EOS 30-V und die 300X, die jedoch schon 2008 wieder vom Markt genommen wurden. In einigen ausgewählten Modellen (nämlich EOS 3, EOS 30/30-V, EOS 5, EOS 50-E und EOS IX) bot Canon ein innovatives Feature, das sog. Eye Controlled Focussing (ECF) an. An der Bewegung des Augapfels des Fotografen erkennt das System, wohin der Fotograf schaut, und wählt dann das entsprechende AF-Feld aus. Dieses Feature wurde (leider) bisher nicht in die digitalen Modelle übernommen.

Die verschiedenen EOS-Modelle lassen sich anhand der Anzahle der Ziffern relativ gut klassifizieren. Modelle mit einstelliger Bezeichnung (z.B. EOS 1) gehören stets zu den Profi-Kameras, die in erster Linie für Berufsfotografen vorgesehen sind. Semiprofessionelle Modelle mit einem minimal geringeren Funktionsumgang haben meist zwei Ziffern (z.B. EOS 30, EOS 50), während Amateur- und Einsteigermodelle drei oder vier Ziffern im Namen tragen (z.B. EOS 500, EOS 1000). Dies gilt jedoch in erster Linie nur für den europäischen Markt. Auf dem amerikanischen Markt wurden (und werden) die Modelle der Einsteiger-Reihe als EOS Rebel (bei DSLR: EOS Digital Rebel) und auf dem japanischen Markt als EOS Kiss (DSLR: EOS Kiss Digital) bezeichnet. Zweistellige Modelle trugen auf dem amerikanischen Markt die Bezeichnung EOS Elan und in Japan durchgängig die Bezeichnung EOS 7. Mit dem Übergang zu den digitalen Modellen der EOS-D-Reihe wurden letztere Bezeichnungen international angeglichen, die Unterscheidung in Rebel bzw. Kiss wird indes auch bei den digitalen Modellen beibehalten.

Hier habe ich eine seperate Seite zu allen digitalen Spiegelreflexkameras von Canon angelegt.

Übersichtsseiten für alle EF-, EF-S- und EF-M-Objektive findet ihr hier:

Die unterschiedlichen Funktionen von Kameras und Objektiven werden häufig mit diversen Abkürzungen gekennzeichnet. Da es unter den Herstellern keine einheitlichen Bezeichnungen gibt, kann man hier schnell durcheinander kommen. Für das bessere Verständnis der obigen Tabellen ist eine Legende daher vielleicht ganz hilfreich. Neben eher speziellen Abkürzungen habe ich auch einige weitere fotografische Begriffe mit in die Tabelle aufgenommen: Fotografie-Abkürzungen.

Die Tabellen dürfen nicht ohne vorherige Genehmigung auf andere Webseiten kopiert werden. Bitte verlinkt stattdessen auf diese Seite:
https://fotowalther.de/canon-analoge-slr-kameras-und-objektive/

Quellen:

http://www.canon.com/camera-museum
https://de.wikipedia.org/wiki/Canonflex
https://de.wikipedia.org/wiki/Canon_R-Bajonett
https://de.wikipedia.org/wiki/FL-Bajonett
https://de.wikipedia.org/wiki/FD-Bajonett
https://de.wikipedia.org/wiki/EF-Bajonett
https://de.wikipedia.org/wiki/Canon_EOS

Version 1.1 – Stand: 03.08.2015 (diverse Objektiv-Daten ergänzt)

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